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7 Jahre in Dänemark

Gestern war ein großer Tag: Seit exakt 7 Jahren lebe ich in Dänemark!

Siebenstriche

Gestern vor 7 Jahren zog ich mit fahrigen Fingern am Flughafen in Frankfurt mein One-Way-Ticket hervor, schluckte vor meinem Vater die Abschiedstränen so gut es ging herunter und stieg mit einem kleinen Köfferchen ins Flugzeug nach Kopenhagen, voller Ungewissheit, was die Zukunft bringen würde.

Während des Fluges geisterten mir 1000 Fragen durch den Kopf:

Würde ich in Dänemark glücklich leben können, 1000 Kilometer von meiner Familie und Heimat entfernt?

Würde die Beziehung zu meinem dänischen Freund, der Auslöser für meine Auswanderung in den Norden, die Herausforderungen des Alltags bewältigen und daran wachsen?

Würde ich einen Job finden und mich in einem fremden Land etablieren können?

Würde ich in Dänemark ein Zuhause finden? 7 Jahre in Dänemark weiterlesen

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Die erste Schulstunde in der dänischen Sprachschule – 2. Teil

Nach den ersten Minuten gemeinsam mit meinen künftigen Klassenkameraden konnte es losgehen mit der Dänisch-Schulstunde.

Unsere Lehrerin Pernille bat auf dänisch um Ruhe in der Klasse. Der Lärm verebbte. Alle blickten sie erwartungsvoll an. Zu meinem Schreck zeigte sie auf mich. Sie erklärte, dass ich neu sei und wir daher eine kleine Vorstellungsrunde starten würden. Dies hätten sie im ersten Modul ja ausgiebig geübt.

Reihum stellte sich jeder Schüler in zwei bis drei kurzen, dänischen Sätzen vor. Die Herkunftsländer waren über die ganze Welt verteilt: Zwei Au-Pairs aus Deutschland, ein junger Mann aus Afghanistan, eine Frau aus Pakistan. Die drei Afrikanerinnen, die in den Pausen dafür sorgten, dass alle dänisch sprachen,  kamen aus Nigeria,  Kamerun und von der Elfenbeinküste. Bei der Frau mit dem Punkt auf der Stirn handelte es sich tatsächlich um eine Inderin. Außerdem gab es noch eine Belgierin und die Chinesin.

Schließlich war ich an der Reihe. Nervös stellte ich mich vor und kramte fieberhaft in meinem Gehirn nach dänischen Worten. Als ich fertig war, fragte Pernille, wie lange ich schon in Dänemark sei.

„3 uger“, antwortete ich. 3 Wochen.
„3 uger ?“, hakte sie nach. Meinte ich wirklich Wochen? Oder meinte ich eher 3 Monate? Oder vielleicht 3 Jahre?

Stirnrunzelnd sah ich sie an. Nein, 3 Wochen.
Sie nickte anerkennend. Meine Aussprache sei schon sehr fortgeschritten, erklärte sie. Viele Sprachschüler seien schon mehrere Monate, manche sogar Jahre, in Dänemark. Daher ihre Frage. Sie fragte, wieso ich bereits so gut dänisch sprechen konnte und ich berichtete von meinem PC-Sprachkurs und dem halben Jahr morgendlicher „Vorarbeit“. Die Lehrerin war beeindruckt.

Ich freute mich über die spontane positive Einschätzung, denn bislang hatte ich zwar dänisch gelesen und geschrieben, aber noch kaum gesprochen.

Pernille stand auf und ging zur Tafel. Auf der linken Seite war eine kleine Übersicht aufgezeichnet. Die dänischen Vokale in Lautschrift. Wir würden nun „Vokale singen“, sagte sie. Mit dem Stock zeigte sie auf die einzelnen Vokale und sprach den Laut selbst deutlich aus. Danach mussten wir ihn im Chor wiederholen. Zu meiner Verwunderung waren mehr Vokale aufgeführt, als in der dänischen (und deutschen) Schriftsprache vorhanden waren. Der Unterschied war bei einigen der Lautschrift-Vokalen sehr gering und wäre mir als Nicht-Dänin nicht aufgefallen. Obwohl der Vokal in der Schriftsprache derselbe war, gab es – je nach Wort – einen feinen Ausspracheunterschied. Sprach man diese feine Nuance falsch aus, konnte das Wort eine andere Bedeutung bekommen.

Dies war mir in meinem Dänisch-Eigenstudium überhaupt nicht aufgefallen. Meine Güte. Ich verknotete Zunge und verrenkte den Kiefer bei dem Versuch, den haarfeinen Unterschied korrekt auszusprechen. Danach übten wir, die Vokale in einer Folge schneller auszusprechen. Wir schlossen das Vokaletraining ab, indem wir die einzelnen Vokalgruppen melodisch vorsangen.

Ich blickte mich in der Klasse um. Es machte Spaß, mit so vielen Menschen aus der ganzen Welt dänische Vokale zu singen. Hier waren wir alle gleich. Ausländer in Dänemark, mit demselben Schulniveau (Abitur), die sich in den nächsten Monaten mit der dänischen Sprache abmühen würden.

In den nächsten Stunden lösten sich meine Hemmungen, dänisch zu sprechen, nach und nach in Luft auf. Die anderen Schüler plapperten unbefangen darauf los, verhaspelten sich, machten haarsträubende Fehler, wurden korrigiert und versuchten es erneut. Mit ihrer Unbefangenheit rissen sie mich mit.

Als der Unterricht um 12.15 Uhr zu Ende war, rauchte mir der Kopf. In etwas über 3 Stunden hatte ich mehr Dänisch-Input erhalten als in der Summe der letzten 3 Dänemark-Wochen zusammen. Ich notierte die Hausaufgaben für den nächsten Tag und packte meine Sachen zusammen.

Gut gelaunt machte ich mich mit ein paar Klassenkameraden auf den Weg zur Bushaltestelle. Die Zeit in der Sprachschule würde eine gute und lehrreiche Zeit werden, davon war ich bereits überzeugt.

Der erste Schultag hatte Spaß gemacht. Im Gepäck hatte ich neben Dänisch-Vokabeln ganz viele neue Eindrücke. Meine ersten, eigenen Alltagserlebnisse im Lande. Und ich hatte Menschen kennengelernt, die in einer ähnlichen Situatuion waren wie ich.

Meine Integration ins Land Dänemark hatte endlich begonnen.

 

Fortsetzung folgt

Die erste Schulstunde in der dänischen Sprachschule – 1. Teil

Es war 8:45 Uhr, an meinem ersten Schultag in der dänischen Sprachschule. Ich hatte zur Sicherheit einen früheren Bus genommen und war eine Viertelstunde zu früh dran. Der Unterricht sollte um 9 Uhr beginnen.

Ich suchte meinen Klassensaal, der auf der Bestätigung des Sprogcenter Hellerup angegeben war. Ich fand ihn auf Anhieb auf dem ersten Gang. Zaghaft betrat ich den leeren Raum. Deutsche Pünktlichkeit… Ich sah mich in dem kleinen Saal um. Schmale Holztische mit je zwei Holzstühlen standen in U-Form vor einer großen Tafel angeordnet.

Ich fühlte mich um 30 Jahre zurückversetzt. Ab heute war ich wieder Schülerin und tauschte den komfortablen Bürostuhl gegen diese niedrigen, unbequem aussehenden Holzstühle. Unschlüssig blickte ich mich um. Wo sollte ich mich hinsetzen? In diesem Moment betrat eine Gruppe junger Frauen und Männer den Raum. Sie redeten wild durcheinander. Lautes Gelächter erfüllte den Klassensaal. Freundlich begrüßten einige mich mit „Hej“. Ich grüßte zurück.

Ich beobachtete, wie sich die Gruppe im Klassensaal verteilte und versuchte, Alter und Herkunft zu schätzen. Ich tippte auf 20 bis 35 Jahre. Eine Frau schien etwas älter, war aber aufgrund von fremdartiger Kleidung und Aufmachung schwer einzuschätzen. Sie hatte einen dunklen Punkt auf der Stirn, genau zwischen den Augenbrauen. Vermutlich aus Indien, dachte ich. Einige Männer und Frauen sahen europäisch aus. Andere Schüler hatten eine dunkle Hautfarbe. Die erste Schulstunde in der dänischen Sprachschule – 1. Teil weiterlesen

Schulanfang in der dänischen Sprachschule

Gestärkt von meinem ersten Wochenende, das ich alleine in Dänemark verbracht hatte, machte ich mich am Dienstag Morgen auf den Weg zur Bushaltestelle. Wenige Minuten später kam auch schon Bus 184, der mich nach Hellerup bringen sollte. Ich war aufgeregt und hatte ein mulmiges Gefühl im Magen.

Heute war mein erster Schultag!

In einer halben Stunde würde ich im Sprogcenter Hellerup auf meine neuen Klassenkameraden treffen, die sich schon seit einigen Wochen mit der dänischen Sprache abkämpften. Die Klasse hatte nach sechs Wochen Unterreicht nun das 1. Sprachmodul abgeschlossen. Diejenigen, die die Prüfung bestanden hatten, würden heute – gemeinsam mit mir – das 2. Modul beginnen.

Ich war aufgeregt, wie ein kleines Kind vor seinem ersten Schultag. Dass ich bereits 13 Jahre die Schulbank gedrückt und danach über ein Jahrzehnt erfolgreich im Arbeitsleben gestanden hatte, schien für mein Nervenkostüm wenig relevant zu sein.

Der heutige Tag war für mich jedoch auch ein neuer Meilenstein! Heute trat ich den ersten „richtigen“, ernsthaften Schritt auf meine neue Heimat zu, auf mein Leben in Dänemark.

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Strohwitwe

Inmitten meiner ersten ernsthaften Heimweh-Phase musste ich ein erstes Wochenende als Strohwitwe überstehen. Mein Däne hatte mit seinen Freunden eine längere Angeltour geplant. Mit Übernachtung. Die Tage vor dem Wochenende war ich nervös. Ich hatte ohnehin schon Heimweh und fühlte mich entwurzelt. Nun würde ich zwangsläufig zwei Tage alleine an einem Ort verbringen müssen, der erst allmählich auf dem Weg war, sich zu meinem Zuhause zu entwickeln.

„Mary allein zuhaus“!

Ich überlegte fieberhaft, was ich mir für das Wochenende vornehmen konnte, damit mir in der Wohnung nicht 48 Stunden lang die Decke auf den Kopf fiel und ich womöglich panische Abreiseentscheidungen traf. Mein Blick fiel auf das Regal mit den fein säuberlich einsortierten Magazinen über Dänemark und Kopenhagen, die mir meine lieben Zeitungskollegen bei der Abschiedsfeier im Verlag geschenkt hatten. Ich blätterte die Zeitschrift über Kopenhagen durch und blieb an einem Bericht über einen „modernen Stadtstrand“ in Kopenhagen hängen, dem Amager Strandpark. Dieser Strand in Kopenhagen schien mir ein passendes Ausflugsziel für einen unendlich lang erscheinenden Tag zu sein.

DAS war es.
Ich würde einen neuen Ort für mich erobern und damit meine neue Heimat ein Stück erweitern. Kurzerhand verabredete ich mich mit meiner bislang einzigen Bekannten für einen langen Spaziergang am Amager Strandpark. Da meine Bekannte auch erst einige Monate in Kopenhagen lebte, war sie – wie ich – dankbar für jede Abwechslung. Und – ebenfalls wie ich – ein bisschen stolz  auf jede eigene Verabredung, die nichts mit unseren jeweiligen dänischen Partnern oder deren Freundeskreis zu tun hatte. Strohwitwe weiterlesen

Die ich rief, die Geister, werd ich nun nicht los, Teil II

Johann Wolfgang v. Goethe, „Der Zauberlehrling“

Fortsetzung

Als EU-Bürger konnte man generell sehr einfach nach Dänemark einreisen, inklusive Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis. Man musste lediglich entweder einen festen Job in Dänemark nachweisen, oder alternativ finanzielle Mittel in einer bestimmten Höhe aufweisen. So zeigte man dem Staat, dass man sich mit seinen Ersparnissen auch ohne Job in Dänemark selbst finanzieren konnte und dem Staat nicht nutzlos auf der Tasche liegen würde. Und schon war man willkommen.

Bei der Einwanderung auf der Grundlage eigener Ersparnisse gab es 2 Beträge. Brachte man den geringeren Betrag auf, bekam man einen „bevis for registrering“ für 1 Jahr und musste danach erneut auf dem Amt erscheinen. Konnte man den höheren Betrag aufweisen, durfte man sich 5 Jahre in Dänemark aufhalten. Inklusive Arbeitserlaubnis. Und nach 5 Jahren im Lande, in denen man nicht ausgewiesen wurde, durfte man für immer bleiben. Die ich rief, die Geister, werd ich nun nicht los, Teil II weiterlesen

Die ich rief, die Geister, werd ich nun nicht los, Teil I

Johann Wolfgang v. Goethe, „Der Zauberlehrling“

Einmal in Worte gefasst, waren die Gedanken über eine mögliche Auswanderung nicht mehr zu bremsen. Sollte ich wirklich mein bisheriges Leben komplett umkrempeln und den Sprung ins kalte Wasser wagen?

Die Gedanken folgten mir auf Schritt und Tritt. Kleine Geister, die ich gerufen hatte, und die nicht nun nicht mehr los wurde.

In der ersten Zeit nach dem Gespräch über eine mögliche gemeinsame Zukunft dachte ich nicht bewusst über die Frage einer Auswanderung nach. Eine Antwort hatte ich sowieso nicht. Dazu war das Thema zu groß und die Konsequenzen, die diese Entscheidung mit sich führte, zu weitreichend. Ich lebte weiter wie bisher und wartete darauf, dass sich allmählich irgendein Gefühl einstellte, das mir den richtigen Weg zeigen würde. Die ich rief, die Geister, werd ich nun nicht los, Teil I weiterlesen