7 Jahre in Dänemark

Gestern war ein großer Tag: Seit exakt 7 Jahren lebe ich in Dänemark!

Siebenstriche

Gestern vor 7 Jahren zog ich mit fahrigen Fingern am Flughafen in Frankfurt mein One-Way-Ticket hervor, schluckte vor meinem Vater die Abschiedstränen so gut es ging herunter und stieg mit einem kleinen Köfferchen ins Flugzeug nach Kopenhagen, voller Ungewissheit, was die Zukunft bringen würde.

Während des Fluges geisterten mir 1000 Fragen durch den Kopf:

Würde ich in Dänemark glücklich leben können, 1000 Kilometer von meiner Familie und Heimat entfernt?

Würde die Beziehung zu meinem dänischen Freund, der Auslöser für meine Auswanderung in den Norden, die Herausforderungen des Alltags bewältigen und daran wachsen?

Würde ich einen Job finden und mich in einem fremden Land etablieren können?

Würde ich in Dänemark ein Zuhause finden?

7 Jahre, 2 Jobs, 2 Kinder, eine Heirat und ein Häuschen später kann ich die meisten Fragen, die mir auf dem Flug am 13. Oktober 2007 durch den Kopf geisterten, mit Ja beantworten.

Ich habe mich gut eingelebt im Norden und eine Familie gegründet. Ich habe mich in den dänischen Arbeitsmarkt integriert und mein deutsches BWL-Studium mit internationalen Skills erweitert. Das dänische Lebensmodell passt zu mir. Ich fühle mich wohl hier oben. Alles paletti also.

Nichtsdestotrotz fehlt mir auch nach 7 Jahren meine Familie in Deutschland. Das wird sich auch nicht ändern.
Und das muss es auch nicht!

Dank Internet und aktuell Whatsapp lösen sich die 1000 Kilometer oft in Luft auf. Trotz der Entfernung ist es möglich, auch am Alltagsleben der in der alten Heimat Gebliebenen teilzunehmen. Es ist mir gelungen, sowohl die Familienbande als auch einige wertvolle Freundschaften zu bewahren.

Eine neue Heimat muss nicht zwangsläufig die alte Heimat ersetzen. Vielmehr können beide nebeneinander bestehen. Natürlich nur, wenn man sich darum bemüht und auch das Glück hat, Familie und Freunde zu haben, denen ebenfalls daran gelegen ist.

„Heimat“ ist für viele Ausgewanderte ein zwiespältiger Begriff. In der alten Heimat ist man nach vielen Jahren im Ausland nicht (mehr) ganz zuhause, in der neuen wird man ebenfalls nie ganz zuhause sein. Ich lebe zwischen den Welten und habe mein Zuhause mittlerweile an anderer Stelle gefunden: In mir selbst!

Nach 7 Jahren in Dänemark könnte ich die dänische Staatsbürgerschaft annehmen. Die Voraussetzungen (u.a. auch die dänische Sprachintegration, die ich in der Sprachschule erworben habe) erfülle ich seit gestern.

Nicht, dass dies je mein Plan war.

Aus bürokratischer Sicht hätte die dänischen Staatsbürgerschaft zwar definitiv Vorteile. Jeder, der einmal Kontakt mit deutschen Behörden hatte und zum Vergleich eine dänische Behörde ausprobiert, wird mir zustimmen.

Ich bin und bleibe jedoch Deutsche, mit südhessischen Wurzeln. Daran werden auch die nächsten 7 Jahre nichts ändern.

Ich bin und bleibe eine nach Dänemark ausgewanderte Deutsche, die im einen Lande lebt, das andere im Herzen trägt und die für sich die Vorteile beider Länder zu vereinen sucht.

Auf geht´s in die nächsten 7 Jahre!

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4 Kommentare zu “7 Jahre in Dänemark”

  1. Glückwunsch zu deinem Jubiläum!! 🙂 Ich denke gerade innerhalb der EU braucht man nicht wirklich die Staatsangehörigkeit wechseln, bzw. eine zweite dazu nehmen. Außer das Wahlrecht macht es ja eigentlich keinen Unterschied und im Endeffekt ist es nur ein Dokument und hat nichts über einen selber auszusagen. 🙂

    1. Hallo Lara, danke für Deine Glückwünsche.
      Ich sehe es wie Du.
      Die Behördengänge wären als dänischer Staatsbürger jedoch tatsächlich einfacher.
      Als Dänin heiraten ist einfacher (gut, ich habe ja bereits geheiratet und hoffe, es bleibt bei dem einen Mal :-). Ich muss beispielsweise noch irgendwann auf der deutschen Botschaft meine Verheiratung darlegen, damit auch Deutschland kapiert, dass ich geheiratet habe. Pass dann auch gleich mit ändern.
      Das wird kein Spaß. Ich brauche hierzu mindestens 6-8 verschiedene Dokumente, deswegen habe ich es bisher rausgeschoben.

      Es ist also nicht nur das Wahlrecht, sondern aller möglicher anderweitiger Behördenkram, wo man als Deutsche im Ausland leider auch von den deutschen Behörden krass getriezt wird mit aus Meiner Sicht unnötigen Dingen.
      In DK gehts ja auch ohne diese Verkomplizierung der Dinge…. Nun ja 🙂

      Dennoch bleibe ich Deutsche und nehme halt irgendwann den Botschaftskampf Wieder mal auf mich.

      LG
      Mary

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