Anmeldung in der dänischen Sprachschule I

Gleich in der ersten Woche meiner Ankunft hatte ich einen wichtigen Punkt auf meiner To-Do-Liste: Ich wollte mich bei einer dänischen Sprachschule anmelden.

Dazu musste ich bei meiner Kommune (Stadtverwaltung) zunächst die Genehmigung und Bestätigung der Kostenübernahme einholen. Ich nahm all meinen Mut zusammen und fragte in holprigem, ungeübtem Dänisch, wie die Vorgehensweise für die Aufnahme an einer Sprachschule war. Die wahnsinnig schnell gesprochene Antwort der Dame am anderen Ende der Leitung – ebenfalls auf Dänisch – ließ mich erkennen, dass die Sprachschule wohl bitter nötig war. Ich hatte nämlich kein einziges Wort verstanden! Seufzend wiederholte ich meine Frage auf Englisch und erhielt schließlich die Antwort auf meine Frage.

Die Kommune würde mir eine Bestätigung zuschicken und ich konnte mich parallel an einer beliebigen Sprachschule vorstellen. Bereits vor meiner Auswanderung hatte ich mich für das „Sprogcenter Hellerup“ entschieden. Diese Sprachschule lag in einem schicken Vorort von Kopenhagen, nur 5 Kilometer von Lyngby entfernt, und war von uns aus perfekt mit dem Bus zu erreichen.


http://www.sprogcenter-hellerup.de

Den Großteil der Kosten für die Sprachintegration eines lernwilligen Ausländers übernahm die Kommune, während der Sprachschüler pro Modul nur jeweils 500 Kronen aus eigener Tasche beisteuern musste. 

Mir schwebte ein Sprachabschluss mit dem Namen „Dansk Prøve 3“ vor. Dies war eine Grundausbildung in Dänisch für Leute mit höherer Schulbildung (Minimum 12 Jahre Schulbildung plus Kenntnis einer Fremdsprache). Für diesen Abschluss waren 5 Module zu absolvieren. Die ersten Module dauerten offenbar nur wenige Wochen, während die letzten beiden Module dann einige Monate gingen.

Besonders motivierte Sprachschüler konnten nach der Dansk Prøve auch noch ein 6. Modul absolvieren. Der Abschluss nach dem 6. Modul, das cirka ein halbes Jahr dauerte, nannte sich „Studieprøve“. Diesen Abschluss benötigte man, wenn man in Dänemark eine Berufsausbildung absolvieren oder nochmal studieren wollte. Da ich in diese Richtung keine Pläne hatte, würde mir die Dansk Prøve als Einstieg in den dänischen Arbeitsmarkt hoffentlich genügen.

Von meiner bereits ausgewanderten deutschen Bekannten aus Kopenhagen hatte ich gehört, dass Deutsche auch mal ein paar Wochen oder sogar ein ganzes Modul überspringen konnten. Denn Deutsch und Dänisch gehörten zur Sprachfamilie der germanischen Sprachen und somit bestand eine gewisse Sprachverwandtschaft, die das Lernen beschleunigte. Bei einem durchschnittlich begabten Sprachschüler konnte man für das Absolvieren der „Dansk Prøve 3“ inklusive aller 5 Module beim Intensivkurs von einem guten Jahr Studiendauer ausgehen.

Nach dem Gespräch rief ich beim Sprogcenter Hellerup an. Noch eingeschüchtert von meinem ersten Kommunikationsversuch auf Dänisch trug ich mein Anliegen der Einfachheit halber gleich auf englisch vor. Die Sekretärin buchte sofort einen Termin für mich, an dem ich mich und meine bisherigen Kenntnisse im Einzelgespräch vorstellen konnte.

Ich schluckte! Nun geschah das Unvermeidliche: Ich würde mit der Sprachlehrerin dänisch sprechen müssen.

Die Nacht vor dem Termin schlief ich unruhig. Nervös machte ich mich am nächsten Vormittag mit dem Bus auf den Weg nach Hellerup. Fast wäre ich an der Sprachschule vorbeigegangen, denn sie lag etwas versteckt, in einem großen Gebäude der „Sankt Lukas Stiftelsen“. Ich dachte, das Gebäude sei eine Art Krankenhaus. Die Adresse stimmte jedoch. Zögernd ging ich durch den Haupteingang, ein geschwungenes Holztor. Eine Art Nonne kam mir entgegen. Ich runzelte die Stirn und sah ihr nach. Doch ich musste richtig sein, denn auf einem Schild stand „Sprogcenter Hellerup“. Merkwürdig.

Ich folgte dem Schild, ging einen Gang entlang und kam in einen kleinen Park. Noch ein Stück links, und dort waren mehrere Gebäude. Ein weiteres Schild wies mir den Weg zu einem weiteren Eingang. Hier musste sich die Sprachschule befinden, zusammen mit einigen nach Krankenhaus klingenden dänischen Bezeichnungen.

Erst später würde ich herausfinden, dass dies eine Diakonie-Einrichtung war und hier auch Schwestern/Nonnen ein- und ausgingen. Und noch etwas später würde mir aufgehen, dass hier auch das Diakonie-Hospiz lag. Eine sehr merkwürdige Mischung: Nonnen mit weißer Kopfbedeckung und strengen Kostümen, betroffene Angehörige auf Besuch und zwischenrein muntere Sprachschüler aus der ganzen Welt – in allen denkbaren Hautfarben und und teilweise mit fremdartigen Gewändern – die in einem munteren Sprachgewirr miteinander kommunizierten.

Fortsetzung:
https://4nordlichter.com/2007/10/22/anmeldung-in-der-danischen-sprachschule-ii/

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