Anmeldung in der dänischen Sprachschule II

Schließlich fand ich den Eingang. Ich stieg die Treppen hinauf. In den Gängen der ersten Etagen roch es nach Krankenhaus. Ich runzelte die Stirn. HIER sollte ich Dänisch lernen? Zögernd ging ich weiter. Schließlich kam ich zu einer Etage mit dem Schild „Sprogcenter Hellerup“. Als ich das Sprogcenter betrat, wurde ich zuversichtlicher. Hier roch es nicht nach Krankenhaus. Von den Gängen zweigten Klassenräume ab, an den Wänden hingen Plakate, schwarze Bretter mit Zetteln und eine riesige Weltkarte. Auf den Gängen gingen geschäftig Menschen verschiedener Nationalitäten umher.

Zaghaft meldete ich mich im Sekretariat. Kurz darauf wurde ich von einer etwas streng aussehenden Lehrerin abgeholt und den Gang entlang geführt. Die Dame öffnete ein kleines Zimmer, und ließ mich eintreten. Wir setzten uns gemeinsam an einen Tisch. Die Lehrerin erklärte mir auf englisch, dass ich erst einen schriftlichen Test machen würde, woraufhin eine Unterhaltung auf dänisch folgte.

Der schriftliche Test bestand aus einigen Fragen zu mir, meinem Umfeld sowie zu meiner Wohnung. Die Lehrerin verließ den Raum. Eifrig schrieb ich los, hoch motiviert, mein selbst erlerntes Dänisch endlich an den Mann bringen zu können. Bzw. an die Frau in diesem Falle.

Nach 20 Minuten kam die Lehrerin zurück. Sie setzte sich wieder zu mir und las sich meine Antworten durch. Schließlich sah sie auf und nickte.
„Og nu taler vi lidt dansk“, sagte sie. Der mündliche Rest begann. Sie stellte mir ein paar Fragen. Wie ich nach Dänemark gekommen sei. Auf welche Weise ich mir Dänisch angeeignet hatte. Was meine Familie zu meiner Auswanderung sagte. Sie sprach sehr langsam und deutlich, und ich verstand sie meist recht gut. Meine Antworten waren langsam und zögerlich. Mein Gehirn formte zwar sehr schnell passende Antwortsätze, aber mein Mund brachte die Worte nur mühsam hervor. Die Muskeln um meinen Mund herum wollten einfach nicht so recht, wie ich wollte. Ein merkwürdiges Gefühl, wenn das Gehirn schneller arbeitete, als die Umsetzung möglich war. Ich schwitzte und mühte mich ab. Nach einer Weile erlöste mich die Lehrerin aus meinem Übel.

Sie zeigte mir ein Übersichtsblatt über den Studienverlauf. Es gab 5 Module, erklärte sie mir. Dann wollte sie wissen, ob ich vor diesem Gespräch überhaupt schon einmal mit jemandem dänisch gesprochen habe. Ich verneinte. Sie nickte. Das hatte sie sich gedacht.

Meine mündliche Leistung war dennoch bereits auf dem Niveau von Modul 2, erklärte sie mir.

Und nach der schriftlichen Leistung zu urteilen, würde sie mich sogar direkt in Modul 4 einordnen. Ich hatte kaum Fehler gemacht, die Grammatik war korrekt bis auf wenige Schnitzer und mein Wortschatz sehr umfassend.

Ihre Empfehlung lautete , im Modul 4 einzusteigen! Ich riss erstaunt die Augen auf. Modul 4? Ihrer Erfahrung nach holte man beim Sprechen äußerst schnell auf, sofern man zuhause zusätzlich lernte und übte. Und da mir nur die mündliche Praxis fehlte, ging sie davon aus, dass ich schnell auf den Stand der anderen Schüler des Moduls 4 gelangen könnte.

Dies behagte mir jedoch ganz und gar nicht. Ich wollte Dänisch hier im Lande nochmal von der Pieke auf lernen. Ich war unsicher, ob in meinem mir selbst angeeigneten Wortschatz nicht einige wesentlichen Grundlagen fehlten, die nur an einer richtigen, einheimischen Dänisch-Schule auf dem Lehrplan stand. Und die ich mit dem Überspringen von 3 Modulen somit für immer verpassen würde.

Darüber hinaus hatte ich einen Halbtagsjob. Ich stellte es mir bereits stressig vor, den Job und gleichzeitig den Dänisch-Intensiv-Kurs mit Unterrichtsstunden an 3 Tagen pro Woche plus Hausaufgaben, Lesetraining und Aussprachetraining wahrzunehmen. Müsste ich dann auch noch zusätzlich dazu extra büffeln, um mündliche Fertigkeiten von 3 Modulen aufzuholen, dann würde das Stressniveau meines neues Lebens in Dänemark das Niveau meines bisherigen Lebens in Deutschland sogar noch übertrumpfen.

DAS war nun wirklich nicht Sinn und Zweck meiner Auswanderung nach Dänemark.

Ich lehnte den Vorschlag kurzerhand ab und entschied mich für einen gemütlicheren Einstieg ins Modul 2. Funktionierte dies gut, konnte ich möglicherweise zu einem späteren Zeitpunkt immer noch ein Modul überspringen. Ende des Jahres lief mein Arbeitsvertrag ohnehin aus. Ab dann konnte ich mich nur auf die Sprache konzentrieren. 

Die Lehrerin nahm meine Entscheidung zur Kenntnis und teilte mir mit, dass derzeit ein Modul 1-Kurs abgehalten wurde. Dieser endete in 3 Wochen. Die Schüler, die dieses Modul erfolgreich bestanden, bildeten die nächste Modul 2 – Klasse. Meine zukünftigen Klassenkameraden!

Ich war aufgeregt. Beschwingt trat ich den Heimweg an. In 3 Wochen würde ich die Schulbank drücken, zusammen mit Menschen aus aller Welt. 

Der erste wichtige Schritt zur Integration in meine neue Heimat war unter Dach und Fach!

 

 

1. Teil Anmeldung in der dänischen Sprachschule:

https://4nordlichter.com/2007/10/22/anmeldung-in-der-danischen-sprachschule/

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