Was ist faul im Staate Dänemark?

Wenige Minuten nach meiner spontanen Kündigung rief ich meinen Freund an. Dieser hatte meine Entwicklungen und den Wettstreit zwischen meinen Kopf und Herz aus der Ferne natürlich sehr interessiert mitverfolgt. Er fand die generelle Bereitschaft, mein Heimatland zu verlassen, sehr bewundernswert. Ganz traute er der Sache aber nicht. Die Worte „Ich wandere aus“ kamen schließlich einfach über die Lippen. Die Umsetzung dagegen war eine große Sache. Er war sich daher nicht 100%ig sicher, ob ich wirklich genug Mut besaß und meinen Worten Taten folgen ließ. Oder ob ich nicht doch bald kalte Füße bekam.

Als ich ihm von meiner Kündigung berichtete, freute er sich daher sehr und glaubte mir nun, dass ich ernst machen würde. Nun stand fest: Wir würden in absehbarer Zeit ein gemeinsames Leben in Kopenhagen wagen. Aufregend! Und auch etwas unwirklich!

Nun freuten wir uns jedoch erst mal auf unseren ersten gemeinsamen Urlaub. Und die letzten 3-4 Monate würden wir wie bisher mit einigen Malen hin- und herfliegen überbrücken. Und parallel dazu meine Ablösung aus Deutschland und unser gemeinsames Leben in Lyngby organisieren.

An diesem Tag im Büro ging mir vor lauter Aufregung nicht mehr viel von der Hand. Passenderweise hatte ich noch einen Arzttermin und musste früh Feierabend machen.

Wenig später saß ich im Wartezimmer der Ärztin. Meine Gedanken fuhren Achterbahn. Ich versuchte, still zu sitzen und mich auf eine Zeitschrift zu konzentrieren. Am liebsten hätte ich dem kompletten Wartezimmer meine spannenden Neuigkeiten vorgesungen. Natürlich beherrschte ich mich so gut es ging. Das freudige Lächeln, das hin und wieder über mein Gesicht huschte, konnte ich jedoch nicht unterdrücken. Ob man mir ansah, dass in meinem Leben eine riesige Veränderung anstand und ich heute den wichtigsten, ersten Schritt gegangen war?

Nach einer Ewigkeit wurde ich endlich aufgerufen und meine nette Ärztin ließ mich in ihr Behandlungszimmer ein.

Sie schaute mich an, gab mir die Hand und lächelte mich freundlich an.

„Hallo, Frau Gärtner“ begrüßte sie mich gutgelaunt. „Na, und was ist los im Staate Dänemark?“

Ich hatte mich gerade hinsetzen wollen und hielt inne. Verwirrt starrte ich sie an. Hatte ich meiner Ärztin etwa von meiner Fernbeziehung nach Dänemark erzählt? Wann hatte ich sie überhaupt zuletzt gesehen? Und hatte ich eigentlich der ganzen Welt meine Auswanderungsvisionen mitgeteilt? Ich konnte mich auf die Schnelle an nichts erinnern.

„Äh… wie bitte?“ stammelte ich und ließ mich ratlos auf meinen Stuhl sinken.

Sie setzte sich mir gegenüber und wiederholte: „Na was es Neues gibt im Staat Dänemark, habe ich gefragt“.

Ich runzelte die Stirn. „Woher wissen Sie das denn?“

Nun sah sie verwirrt aus. „Was weiß ich?“

Ich klärte sie darüber auf, dass ich nach Dänemark auswandern würde und am heutigen Vormittag den ersten Schritt umgesetzt hatte.

Sie lachte und sagte: „Was ein lustiger Zufall! Kennen Sie denn nicht die Redewendung ´Was ist faul im Staate Dänemark`? Mit dieser begrüße ich manchmal meine Patienten. Von Ihrer Auswanderung wusste ich bisher noch nichts“

Nein, die Redewendung kannte ich noch nicht.

Aber schon waren wir mitten im Gespräch, und ich erzählte der Ärztin als einer der ersten Personen, dass ich nun Nägel mit Köpfen gemacht hatte und im Oktober nach Kopenhagen auswandern würde.

Während der Untersuchung erzählte sie mir, dass sie mit ihrem Mann auch einmal Auswanderungspläne geschmiedet hatte. Damals hatte sogar ebenfalls Skandinavien auf dem Programm gestanden. Schweden. Medizinisches Personal war in Skandinavien sehr gesucht. Dann waren sie jedoch wieder davon abgekommen und hatten sich fest in Deutschland niedergelassen.

Wirklich ein lustiger und passender Zufall an diesem denkwürdigen Tag. Und für einen kurzen Moment hatte ich tatsächlich geglaubt, dass mir die Auswanderung nach Dänemark auf der Stirn geschrieben stand 🙂

Something is rotten in the state of Denmark
(William Shakespeare, „Hamlet“)

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Ein Kommentar zu “Was ist faul im Staate Dänemark?”

  1. ah, ich kenn auch nur „was ist faul im Staate Dänemark“ – gar nicht so unpassend als Ärztespruch. Und sehr lustig, dass sie es gearde da sagte!

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