Sprachliche Highlights Dänisch/Deutsch

Dieser Blog wird schon sehr bald ein Jahr alt und deckt mittlerweile zahlreiche Bereiche und Facetten des Lebens in Dänemark ab. Einer fehlt noch:

Die dänische Sprache.

Dies ändert sich ab heute! In der neuen Kategorie „Dänisch – Sprachliche Highlights“ werde ich aus der Sicht einer deutschen Auswanderin im Lande hin und wieder ein paar lustige oder denkwürdige Highlights der dänischen Sprache  beleuchten.

Dänisch und Deutsch liegen in derselben Sprachfamilie. Einige Wörter sind komplett identisch, viele Wörter sind sich sehr ähnlich. Als Deutscher hat man somit den Vorteil, viele Wörter direkt zu kennen, obwohl man die Vokabel noch nicht „gelernt“ hat. Dies kann gleichzeitig ein Nachteil sein! Man liest beispielsweise irgendwo ein dänisches Wort, leitet die deutsche Bedeutung ab und jongliert stolz mit dem „neu erlernten“ Wort im dänischen Alltag herum, bis einem eines Tages aufgeht, dass man das Wort unter falschen Prämissen angewendet hat…

Um die positiven und negativen Seiten der Sprachverwandtschaft Deutsch/Dänisch zu veranschaulichen, zeige ich an dieser Stelle ein paar Beispiele.

Viele Wörter sind genau identisch, mal abgesehen von der Groß- und Kleinschreibung:

lampe                                                        -> Deutsch: Lampe

telefon                                                      -> Deutsch: Telefon

produkt                                                    -> Deutsch: Produkt

Für uns Deutsche eine der leichtesten Übungen.

Kommen wir zur nächsten Kategorie. Bei den folgenden dänischen Beispielen erkennen wir Deutschen sofort die Bedeutung des Wortes. Das dänische Wort schreibt sich zwar anders, ähnelt dem deutschen jedoch noch so stark, dass die Assoziation problemlos und automatisch erfolgt:

kvalitet                                                        -> Qualität

papir                                                             -> Papier

kollega                                                         -> Kollege

billed                                                            -> Bild

Auf diese Weise erweitert sich der dänische Wortschatz eines deutschen Sprachschülers nahezu automatisch, ohne dessen Zutun.

Mit Übung und etwas mehr Mut erkennt man bald auch schon Wörter mit etwas größeren Abweichungen:

fisk                                                                 -> Fisch

sikkerhed                                                   -> Sicherheit

stjerne                                                          -> Sterne

Spätestens an dieser Stelle reiben wir Deutschen uns die Hände. System erkannt, denken wir. Gar nicht so schwer, dieses Dänisch! Und schon tappen wir in die ersten Fallen.

ejer
Wie einfach, denken wir, „Eier“ natürlich! Was sonst?
Und liegen falsch.
„Eigentümer“ wäre die korrekte Antwort gewesen.

øl
Ein bisschen merkwürdig geschrieben, denken wir, zweifeln aber nicht daran, dass es sich hier um „Öl“ handelt.
Und liegen wieder falsch.
Denn die richtige Antwort lautet „Bier“.
Wir runzeln die Stirn, sind aber immer noch guter Dinge, dass es sich hier um einige wenige Ausnahmen handelt. Und gehen über zum nächsten Versuch.

kyst
Er „küsst“, vermuten wir.
Doch kyst bedeutet „Küste“. Was ja ebenfalls ziemlich ähnlich klingt.

Eine erste Verzweiflung macht sich breit. Woher zum Henker sollen wir denn wissen, ob wir unsere deutschen Assoziationen verwenden dürfen oder nicht? Manchmal darf man, manchmal nicht.

DAS ist DIE Herausforderung überhaupt bei der Erlernung einer Sprache, die dicht an Deiner Muttersprache liegt. Du glaubst, Wörter zu (er)kennen, deren Bedeutung Du noch nicht gelernt hast. Diese Herausforderung zieht sich im Übrigen viele Jahre hin, denn erst mit den Jahren klären sich einige hartnäckige Missverständnisse langsam auf.

Ich fand zum Beispiel meine dänischen Landesgenossen jahrelang ausgesprochen unhöflich und grob, wenn sie ständig polnische Bürger völlig ungerührt als „polakker“ bezeichneten. Ist das nicht die Höhe, fragte ich mich insgeheim, bis mir eines Tages die Hutschnur platzte und ich übellaunig meine dänischen Kollegen mit ihrer Unfreundlichkeit und verbalen Entgleisung konfrontierte. Woraufhin diese mich erstaunt anblickten und einen vielsagenden Seitenblick austauschten. Meinen Unmut in Bezug auf das Unwort „Polack“ konnten die Dänen nicht nachvollziehen. Erst bei einemdarauffolgenden sachlichen Gespräch über die exakten Wortbedeutungen fand ich einerseits heraus, dass „Pole“ auf dänisch einfach ganz lieb und nett „polak“ heißt, während die Dänen andererseits erstmals davon hörten, dass „Polacke“ im Deutschen ein ordentliches Schimpfwort für unsere Nachbarn darstellt.

Dies sind kleine, aber feine Unterschiede zwischen den beiden Sprachen, die oft weder den Dänen noch den Deutschen bewusst sind. Hierdurch entstehen unter der Oberfläche interessante Missverständnisse, Vorstellungen und Konflikte.

Man lernt zum Beispiel in der dänischen Sprachschule das Wort „kone“ = Ehefrau. Vor wenigen Wochen habe ich die Frau meines neuen Kollegen mit „kone“ bezeichnet. Das Wort verwende ich seit Jahren, völlig ohne Hintergedanken. Ich erntete dieses Mal leichte Entrüstung. Und wurde direkt danach gleich aufgeklärt. Bei vielen Dänen hat „kone“ einen altmodischen, negativen Beigeschmack. „Kone“ bedeutet ganz exakt eigentlich „Weib“ und wird gerne etwas abfällig verwendet.

Gut, dass ich mich nicht mehr daran erinnern kann, wieviele Damen ich auf diese Weise in den letzten 7 Jahren ungewollt abgewertet habe.

Im Folgenden noch ein paar weitere lustige und falsche Assoziationen für uns Deutsche:

dyne
Man könnte meinen: Düne. Davon hat Dänemark ja genug. Doch dyne heißt Bettzeug und die Düne heißt „klit“.

legende
Legende? Oder liegende?
Nein, „spielende“ (z.B. Kinder)

smuk
Schmuck?
Nein, der heißt „smykke“.
Wer smuk ist, ist schön 🙂
Und wer schöne Zähne hat, hat „smukke bisser“ 🙂
Oder auch „flotte bisser“!

Kleine Lektion:
tisse heißt „Pipi machen“.
mand heißt „Mann“

Was heißt dann also in der Kombination:
tissemand?
Der pinkelnde Mann?
Jaaaa, so ähnlich. Gemeint ist: der „Penis“!
Eine sehr treffende Übersetzung, wie ich finde.

Für Fortgeschrittene dann die Überleitung zu:
tissekone
Das pinkelnde „Weib“????
Nein.
Wer aufgepasst hat, erkennt das weibliche Geschlechtsteil wieder.

Ich bin nach dem neuerdings vorhandenen Wissen um die abfällige Bedeutung des Wortes „kone“ allerdings immer noch am Grübeln, ob wir deutschen Frauen uns mit dieser Benennung unserer Geschlechtsteile diskriminiert fühlen sollten oder nicht…

Das männliche Pendant heißt ja schließlich auch nicht
„der pinkelnde Pantoffelheld“…

 

Quelle Beitragsbild: memephoto / http://www.pixelio.de

Advertisements

13 Kommentare zu “Sprachliche Highlights Dänisch/Deutsch”

  1. Wie immer sehr unterhaltsam geschrieben, Cousinchen. So schmeckt der Morgenkaffee gleich doppelt so gut.

    „Kyst“ hab ich tatsächlich direkt mit „Küste“ in Verbindung gebracht. Bin ich jetzt gut? 😀 Und „smukke bisser“ klingt auch einfach herrlich – ausgesprochen bestimmt noch besser.

    Irgendwo hab ich auch schon „schmucke“ im Sinne von „schön“ in Deutschland gehört… vermutlich Norddeutschland?!

    Mach weiter so. 🙂

    1. Ja, lieber Matthias, wenn Du „kyst“ schon richtig assoziierst, bist Du ein dänisches Naturtalent 🙂
      Freut mich, dass ich den Morgenkaffeegenuss verdoppelt habe.
      Smukke bisser ist auch bei meinem lieben Bruder Jürgen der Renner 🙂 Das haben wir irgendwann mal bei einem Glas Wein festgestellt 🙂
      Schmucke ist tatsächlich ein deutscher Begriff, er ist nur eher altmodisch, bzw. wird nur ganz speziell verwendet.
      Ich meine, dass z.B. „schmucke Häuserfassaden“ deutschlandweit verwendet wird?
      Oder denke ich schon zu dänisch?? Keine Ahnung, sag Du es mir.
      Ich werde die Serie auf jeden Fall fortführen – jetzt, wo der Startschuss gefallen ist, fällt es sicher einfacher.
      LG

  2. Ah, das ist ja lustig. Ich wollte einen ähnlichen Beitrag schreiben, allerdings über die Verwirrungen, die einem mit Bärndütsch passieren können. Du inspirierst mich 🙂
    LG
    Schnipseltippse

  3. Oh je… und wie viele Fehler denkst du habe ich vor Jahren gemacht? Als Dänin in Hessen – da wird ja nur gebabbelt…. Das war schwierig!! Heute unterrichte ich in Folkeskolen deutsch 😀

    1. Danke für den Link!!! Das war ja sehr interessant. Ich scheine zur „jüngeren“ Generation zu zählen, denn in meinem Umfeld sagen alle tissekone 🙂
      Kusse auf gar keinen Fall 😉
      Lustig
      Mary

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s