„großer Heultag“ in Dänemark

Heute findet in Dänemark ein besonderes Ereignis statt. Der „große Heultag“!

Passend zum Namen hat der Himmel seine Schleusen weit geöffnet und es regnet, regnet und regnet.

Um 12 Uhr gehts los! Das ganze Land ist auf verschiedenen Wegen vorgewarnt worden und wartet mit Spannung auf das jährliche Ereignis!

Und nein, am „großen Heultag“ ist keine kollektiver Austausch von Tränen geplant! Vielmehr wird das zentrale dänische Sirenensystem in voller und authentischer Lautstärke getestet.

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„Heultag“ wird hierbei vom Verb „hyle“ abgeleitet. Denn in Dänemark „heulen“ die Sirenen: Sirenerne hyler i Danmark.

Der Test wird von der dänischen Behörde „Beredskabsstyrelsen“ durchgeführt (deutsche Übersetzung: Bereitschaftsbehörde; englisch: Danish Emergency Management Agency), ein Unterbereich des dänischen Verteidigungsministeriums.

Dieser Test in voller Lautstärke erfolgt einmal im Jahr, am 1. Mittwoch im Mai. Darüber hinaus wird das Sirenenwarnsystem offenbar jede Nacht im Hintergrund ohne Ton getestet. Für einen Laien (wie mich) hört sich dies wenig sinnvoll an. Sicherlich hat der nächtliche Test jedoch ebenfalls seinen Sinn und Zweck.

Die Einwohner Dänemarks wurden darüber informiert, dass heute um 12 Uhr keinerlei Gefahr droht. Die Sirenen werden für einen etwaigen Katastrophenfall ausgetestet. Nebenbei lernt die Bevölkerung die verschiedenen Sirenensignale kennen.

Gibt es solch einen zentralen „Heultag“ auch in Deutschland? Ich kann mich an etwas derartiges nicht erinnern… Google findet auf die Schnelle nur heraus, dass wohl auch die Schweiz hin und wieder im ganzen Lande ein Sirenensystem zentral testet.

Die Signale werden bei der Vorab-Information schon genauestens vorgestellt:

Zuerst ertönt der gewöhnliche Sirenenalarm, dessen Tonlage schnell ansteigt und danach langsam abfällt. Dieser dauert 45 Sekunden und wird vier mal wiederholt. Nach drei Minuten wird dieser Alarmtyp in gleicher Form nochmals wiederholt.  Danach erfolgt das sogenannte ENTwarnungssignal, das ebenfalls 45 Sekunden dauert und aus einem einzigen langgezogenen Ton besteht.

Gleichzeitig mit dem Test wird die Bevölkerung natürlich auch darüber informiert, wie sie sich im Ernstfall zu verhalten hat:

  • Nach drinnen gehen, Türen und Fenster schließen, die Klimaanlage ausschalten.
  • Im Fernsehen die Programme DR oder TV2 sehen, auf denen die Polizei oder andere Behörden Informationen zur Katastrophe melden wird. Zusätzlich wird es auch auf dem Video-Text auf Seite 150 Informationen geben.
  • Wenn die Gefahr vorüber ist, wird das Entwarnungssignal zu hören sein. Die Medien geben dann ebenfalls Entwarnung.

Es wird hervorgehoben, dass weder bei dem heutigen Test noch im Ernstfall der Notruf 112 und 114 genutzt werden soll.  Denn unnötige Anrufe könnten den Notruf für lebenswichtige Anrufe blockieren.

Das System ist bis ins Detail durchdacht. Hörgeschädigte und taube Menschen können sich zum Beispiel via SMS warnen lassen.

Die Verantwortung über das Sirenensystem hat die Behörde „Beredskabsstyrelsen“. Kommt es zu einem Ernstfall, liegt die Entscheidung über den Einsatz der Sirenen allerdings direkt bei der Polizei.

Es können wahlweise alle Sirenen im Lande gleichzeitig eingesetzt werden oder nur die Sirenen in bestimmten Regionen. Auch nur  eine einzige Sirene kann ausgelöst werden.

Insgesamt existieren 1.078 Sirenen in Dänemark. Diese befinden sich Gebäuden und Masten in bewohnten Gebieten mit mehr als 1.000 Einwohnern. 80 % der Bevölkerung können mit diesem Sirenensystem erreicht werden. Die Reichweite einer Sirene liegt bei einem bis eineinhalb Kilometern. Außerhalb der Sirenen-Reichweite kann die Polizei mit mobilen Sirenen warnen.

Das Thema verursacht bei mir irgendwie ein merkwürdiges Gefühl.

Punkt 12 Uhr. Es ist nichts zu hören.

12.01 Uhr: Die Sirene ertönt.

Unheimlich. Ich bekomme tatsächlich Gänsehaut und  Endzeitstimmung. Wie muss das früher gewesen sein, als die Menschen regelmäßig Sirenen zu hören bekamen und genau wussten, dass es sich NICHT um einen „großen Heultag“ handelt…

12:10 Uhr: Der Entwarnungston erklingt. Wirklich beruhigend klingt dieser allerdings auch nicht.

Der Test ist vorbei. Die Sirenen haben zumindest in der Nähe meines Arbeitsplatzes einwandfrei funktioniert.

Und bei mir bleibt ein leises Gefühl zurück: Dankbarkeit.
Ich bin dankbar, im Heute zu leben.
Und dankbar, in einem Land zu leben, in dem man Sirenen nur im Rahmen eines Tests hört.

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Quelle: Homepage Beredskabsstyrelsen:
http://brs.dk/beredskab/sirener/Pages/Varsling.aspx

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4 Kommentare zu “„großer Heultag“ in Dänemark”

  1. Moin Mary,
    ja, Heultage gab es in meiner Kindheit auch – wir wohnten aber auch an der dänischen Grenze. Wann sie abgeschafft wurden, weiß ich nicht, hier geht ja nur noch samstags um 12 einmal die Sirene.
    Aber warum betonst du so, dass Sirenen HEULEN? Mir würde dafür kein anderes Wort einfallen.
    LG aus Sonderjylland

    1. Hallo Nordlicht,
      wie, bei Euch geht jeden Samstag um 12 einmal die Sirene?
      Das ist ja auch irgendwie gruselig.

      In meiner alten Heimat kann ich mich nur an sehr sporadische Sirenenübungen erinnern. Und das liegt lange, lange zurück.

      Habe nun lange drüber nachsinniert, ob bei uns an der Bergstraße die Sirenen auch „heulen“. Ich hätte die Kombination Sirene / heulen vorher tatsächlich nicht wirklich zusammengesehen.

      Da wir aber wenig Sirenenerfahrung haben, bin ich mir gar nicht sicher, was wir gesagt haben. Ich erinner mich an Sätze wie „Wenn früher die Sirene losging, dann….. “

      Heulen haben wir in dem Zusammenhang nicht verwendet.

      Aber Google findet auch ganz viele „heulende Sirenen“ 🙂

      Du hast also ganz recht.

      LG
      Mary

  2. Hej,

    bis Anfang der neunziger Jahre gab es auch in Deutschland zweimal im Jahr einen bundesweiten Sirenentest. Mit Ende des kalten Krieges wurde das Sirenennetz dann in weiten Teilen eingestampft – nur in den ländlichen Gebieten wurden bzw. werden die Sirenen noch zur Alarmierung der örtlichen Feuerwehr verwendet und daher dann in der Regel einmal im Monat getestet.

    Mittlerweile wird ein solches flächendeckendes Netz zur Warnung der Bevölkerung hierzulande schmerzlich vermisst – gut dass der dänischen Katastrophenschutz (sprich das Beredskabsstyrelsen) über diese Möglichkeit verfügt.

    1. Hallo Martin, interessant, denn ich kann mich daran überhaupt nicht erinnern. Ich habe ja die ersten 30 Jahre meines Lebens in D. gelebt.
      Nun ja, vielleicht gabs bei uns in der Nähe keine Sirenen (mehr).
      Aber wieso vermisst man in D. mittlerweile ein flächendeckendes Sirenensystem?
      LG
      Mary

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