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7 Jahre in Dänemark

Gestern war ein großer Tag: Seit exakt 7 Jahren lebe ich in Dänemark!

Siebenstriche

Gestern vor 7 Jahren zog ich mit fahrigen Fingern am Flughafen in Frankfurt mein One-Way-Ticket hervor, schluckte vor meinem Vater die Abschiedstränen so gut es ging herunter und stieg mit einem kleinen Köfferchen ins Flugzeug nach Kopenhagen, voller Ungewissheit, was die Zukunft bringen würde.

Während des Fluges geisterten mir 1000 Fragen durch den Kopf:

Würde ich in Dänemark glücklich leben können, 1000 Kilometer von meiner Familie und Heimat entfernt?

Würde die Beziehung zu meinem dänischen Freund, der Auslöser für meine Auswanderung in den Norden, die Herausforderungen des Alltags bewältigen und daran wachsen?

Würde ich einen Job finden und mich in einem fremden Land etablieren können?

Würde ich in Dänemark ein Zuhause finden? 7 Jahre in Dänemark weiterlesen

Strohwitwe

Inmitten meiner ersten ernsthaften Heimweh-Phase musste ich ein erstes Wochenende als Strohwitwe überstehen. Mein Däne hatte mit seinen Freunden eine längere Angeltour geplant. Mit Übernachtung. Die Tage vor dem Wochenende war ich nervös. Ich hatte ohnehin schon Heimweh und fühlte mich entwurzelt. Nun würde ich zwangsläufig zwei Tage alleine an einem Ort verbringen müssen, der erst allmählich auf dem Weg war, sich zu meinem Zuhause zu entwickeln.

„Mary allein zuhaus“!

Ich überlegte fieberhaft, was ich mir für das Wochenende vornehmen konnte, damit mir in der Wohnung nicht 48 Stunden lang die Decke auf den Kopf fiel und ich womöglich panische Abreiseentscheidungen traf. Mein Blick fiel auf das Regal mit den fein säuberlich einsortierten Magazinen über Dänemark und Kopenhagen, die mir meine lieben Zeitungskollegen bei der Abschiedsfeier im Verlag geschenkt hatten. Ich blätterte die Zeitschrift über Kopenhagen durch und blieb an einem Bericht über einen „modernen Stadtstrand“ in Kopenhagen hängen, dem Amager Strandpark. Dieser Strand in Kopenhagen schien mir ein passendes Ausflugsziel für einen unendlich lang erscheinenden Tag zu sein.

DAS war es.
Ich würde einen neuen Ort für mich erobern und damit meine neue Heimat ein Stück erweitern. Kurzerhand verabredete ich mich mit meiner bislang einzigen Bekannten für einen langen Spaziergang am Amager Strandpark. Da meine Bekannte auch erst einige Monate in Kopenhagen lebte, war sie – wie ich – dankbar für jede Abwechslung. Und – ebenfalls wie ich – ein bisschen stolz  auf jede eigene Verabredung, die nichts mit unseren jeweiligen dänischen Partnern oder deren Freundeskreis zu tun hatte. Strohwitwe weiterlesen

Heimweh und Hindernisse

Drei Wochen nach meinem Umzug nach Kopenhagen trat schließlich ein, wovor ich mich gefürchtet hatte:

Ich bekam Heimweh!

Es fühlte sich allerdings ganz anders an, als ich mir vorgestellt hatte. Ich verspürte keinen Drang, nach Deutschland zurückzukehren. Las ich jedoch eine E-Mail von meinem Vater oder Bruder, brach ich hinterher in Tränen aus. Es dauerte danach jedes Mal eine ganze Weile, bis ich mich wieder gefangen hatte. Mein Däne stand meinen plötzlichen Ausbrüchen ein wenig hilflos gegenüber.

In meinem neuen Alltag hatte ich weiterhin das Gefühl, auf der Stelle zu treten. Ständig gingen Kleinigkeiten schief. Überall gab es kleine Hindernisse zu bewältigen. Ich war neu in Dänemark und musste vieles neu erlernen. Dinge, die ich in Deutschland ganz selbstverständlich und ohne großes Nachdenken bewältigt hatte.  Heimweh und Hindernisse weiterlesen

Mobil im neuen Lande

Hatte ich mir etwas in den Kopf gesetzt, musste die Umsetzung jetzt und sofort erfolgen. Diese Eigenschaft lernte mein Däne gleich am Projekt „Fahrrad“ kennen. Von meiner Bedarfsanmeldung bis zum Kauf des begehrten Objektes vergingen weniger als 24 Stunden.

Wir gingen ins Internet und sahen die Anzeigen bei „Den Blå Avis“ durch („die blaue Zeitung“), die dänische „Sperrmüll-Zeitung“. Schnell wurden wir auch fündig. Einige Vororte weiter wurde ein günstiges, gebrauchtes Damenfahrrad zum Verkauf angeboten. Mein Freund rief für mich dort an und vereinbarte die Abholung am nächsten Tag.

Eine Schönheit war das Fahrrad nicht. Aber es erfüllte seinen Zweck, hatte zwei Körbchen und der Preis war in Ordnung (umgerechnet 70 Euro). Und schon war ich stolze Besitzerin eines dänischen Fahrrads.

Billed 138

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Müde Beine und lange Arme

Das straffe Programm forderte seinen Tribut. Seit meinem Umzug nach Dänemark waren wir ausschließlich mit Putzen, Einrichten, Aussortieren und Umzugsarbeiten in den beiden Wohnungen beschäftigt. Wir waren mittlerweile beide gereizt und genervt. Da für mich auch schon das halbe Jahr vor der Auswanderung sehr anstrengend gewesen war, ging mir langsam die Puste aus.

Gleichzeitig waren wir mit all den notwendigen Erledigungen sehr weit gekommen und munterten uns gegenseitig immer wieder auf, dass es nicht mehr lange dauern könne bis zum gemütlichen gemeinsamen Dasein.

Zwischenzeitlich hingen in der neuen Wohnung auch endlich überall Lampen. Sehr von Vorteil in einer Jahreszeit, in der es mittags ab 16 Uhr schon dunkel wurde. Morgens wurde es erst ab 9 Uhr „hell“.  Hell hatte ohnehin eine neue Definition. Hell war sehr oft diesig und grau. Und meist auch ein bisschen nass. Müde Beine und lange Arme weiterlesen