Noch ein Niesen oder schon ein „Symptom“? …weitere Schul-Regeln

HATSCHI!

Wo war ich? Schlaftrunken richtete ich mich auf. Nur mühsam fand ich in die Wirklichkeit zurück. Ich wischte mir eine feuchte Strähne aus der Stirn. Offenbar hatte ich etwas äußerst anstrengendes geträumt. Ein paar Bruchstücke fielen mir ein. Ein Supermarkt. Rema1000, nur einen Ort weiter. Ich wollte heute Abend Lachslasagne zaubern (das will ich tatsächlich) und mir fehlte offenbar Sahne (die gar nicht in meinem Rezept enthalten ist…), weswegen ich eine zweite Runde in den Supermarkt drehen musste (sehr suboptimal!). In der Kühlabteilung wollte ich gerade schnell die Sahne aus dem Regal holen und so schnell als möglich wieder verschwinden, als plötzlich viele Menschen in den Raum strömten. Viele, viele Menschen. Keiner schien sich um den vielfach gepredigten Abstand zu scheren. 2 Meter, zum Teufel! Seid Ihr alle des Wahnsinns? Mit schreckgeweiteten Augen sah ich mit an, wie sie näher kamen. Und näher. Schon bald hatten sie das Sahneregal erreicht…
In diesem Moment hatte das Sandmännchen ein Einsehen mit mir und ich wachte auf. Meine Güte. Was für ein Alptraum, in diesen Zeiten.

Ich sah mich um. Neben mir lag Sohnemann. Hatte er eben wirklich geniest? Tatsächlich, er wischte sich mit dem Ärmel über die Nase. Oh nein. Verschmitzt grinste er mir zu. „Darf ich aufstehen?“ Fit wie ein Turnschuh. Wie üblich.

Ich sah auf die Uhr. 6.15 Uhr. Eigentlich viel zu früh. Da die Schule seit neuestem erst um 9 Uhr beginnt, könnten wir gut noch eine Stunde länger schlafen. Aber die hellen Nächte halten klammheimlich ihren Einzug in Skandinavien und die Sonne strahlte bereits vom Himmel. Schier unmöglich, unter diesen Umständen hartnäckige A-Menschen länger im warmen Bett zu halten, obwohl die B-Mensch-Mutter das äußerst gemütlich finden würde.

Seufzend nickte ich, woraufhin mein Sohn umgehend aus dem Schlafzimmer stürzte. Seine große Schwester stand ebenfalls auf und folgte ihm. Ich schloss für ein paar Minuten die Augen. Doch an Schlaf war nicht mehr zu denken. Ich setzte mich auf und lauschte argwöhnisch in die Stille. Ob mein Sohn nochmal niesen würde?

Nichts. Gut. Ich stand auf, ging in die Küche hinunter und begann, Pausenbrote zu schmieren. Und Äpfel aufzuschneiden. Und ein kleines Frühstück zuzubereiten. You know the story.

Plötzlich hörte ich ein Husten. Es kam aus dem Zimmer neben mir. Dem meiner Tochter. Ich hielt den Atem an. Da! Noch ein Husten! Hektisch riss ich die Tür zum Zimmer meiner Tochter auf.

„Hast Du gehustet??“, fragte ich.
Verwirrt sah sie zu mir auf. „Ja, ich hab mich aber nur verschluckt.“

Gut. Ich trottete in die Küche zurück und schmierte weiter.

Nicht, dass ich persönlich besonders hysterisch wäre in diesen neuen Zeiten. Naja gut. Nach fünf Wochen in fast völliger Selbstisolation vielleicht ein ganz klitzekleines bisschen. Mir ist aber durchaus klar, dass die Wahrscheinlichkeit, gleich am 1. Schultag Corona in den Haushalt einzuschleppen, ziemlich gering ist.

Mein argwöhnisches Beobachten jedes einzelnen Husters und Niesers hat jedoch einen ganz anderen Grund!

Eine der wichtigsten Neuerungen im Rahmen der neuen Schulordnung ist nämlich, dass Eltern ihre Kinder nicht mehr in die Schule schicken dürfen, sofern sie das geringste Krankheitssymptom aufweisen. Und damit nicht genug. Die Kinder müssen nicht nur an dem Tag jeweiligen Tag zuhause bleiben, an dem sie Symptome aufweisen, sondern darüber hinaus noch weitere 48 Stunden.

Ein bisschen zuviel Husten oder Niesen kann somit ab sofort mindestens 3 Tage schulische Abwesenheit bedeuten. Mit damit einhergehendem Homeschooling und Co.

Das ist eine gewaltige Umstellung hier in Dänemark, einem Land, in dem eine Erkältung ja „nur eine Erkältung ist, und keine Krankheit“. In dem man hustend und schnupfend munter in Schule und Arbeit rennt und in dem diejenigen Menschen belächelt werden, die tatsächlich mit gewöhnlichen Erkältungssymptomen zuhause bleiben.

Aber jetzt ist auf einmal alles anders. Und das gilt künftig auch ganz generell für alle Erwachsenen, nicht nur für Schulen und Kindergärten. Aber hier eben ganz besonders.

Insofern stellt sich uns Eltern in Dänemark ab sofort täglich die Frage:
War das noch ein Husten oder doch schon ein „Symptom“?

Da müssen wir wohl künftig alle umdenken.

Im aktuellen Fall heute, bei den zwei kleinen Nordlichtern, konnte jedenfalls keine Wiederholung der aufgetretenen Begebenheiten festgestellt werden, so dass dem 2. Tag in der Schule nichts im Wege stand.

Neben Mütze, Handschuhen und Sitzkissen habe ich heute sogar daran gedacht, Sonnencreme auf die kleinen Gesichter zu schmieren. Wenn 90% des Unterrichts draußen stattfinden, scheint dies auch bei nur 7 Grad und eisigem Wind nicht ganz unwichtig zu sein… wie ich gestern Abend mit einem Anflug von schlechtem Gewissen beim Anblick der leicht rötlichen Gesichter meiner Minis feststellen musste. Wir Eltern müssen das halt auch erst noch etwas üben, das mit der neuen Schule.

 

Quelle Beitragsbild: Vestermølle Danske Skole , TV Syd

 

5 Kommentare zu „Noch ein Niesen oder schon ein „Symptom“? …weitere Schul-Regeln“

  1. Man-o-Man – so gut wieder von dich zu hören – alles gute für dich und deinen beiden !!wir Dänen haben deine Betrachtungen vermisst –

    1. Hey Jesper, wie schön auch von Dir zu lesen 🙂 Ja in diesen Zeiten hat mich die Langeweile überkommen und da fiel mir der Blog wieder ein 🙂 Dir auch alles Gute und pass schön auf Dich auf!! Knus

  2. Es ist sooo schön wieder von Dir zu hören. So hat die „Corona-Langeweile“ doch etwas gebracht😊. Deine Beiträge sind sehr unterhaltsam und interessant. Ich finde es sehr spannend welchen Weg Dänemark zur Rückkehr zum Unterricht nimmt Draußen-Unterricht finde ich sehr schöne Variante 😊, aber auf so eine Idee würde bei uns keiner kommen. Ich wünsche dir und deinen kleinen Nordlichter alles Gute und bleibt bitte gesund.
    Liebe Grüße aus Irxleben und hoffentlich können wir bald wieder nach Dänemark. Ich habe schon Entzugserscheinungen 🙂

    1. Liebe Birgit,
      ja, ungewöhnliche Situationen erfordern ungewöhnliche Lösungen. Hoffen wir, dass es bald wieder möglich ist, sich frei zu bewegen. Dir alles Gute. LG aus Dänemark

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