10 (weitere) untrügliche Anzeichen, dass Du Dich in Dänemark befindest! – Teil 4 –

  1. Du hast einen Job gefunden und bist das erste Mal krank. Nervös erklärst Du Deinem Chef am Telefon, dass Du natürlich schnellstmöglich zum Arzt gehen wirst, um Deine Arbeitsunfähigkeit in Form eines Attestes oder einer Krankmeldung zu beweisen. Zu Deiner Überraschung erfährst Du, dass Deine Firma keinen Arztbesuch Deinerseits wünscht. Dein Chef glaubt Dir offenbar ganz ohne ärztliche Krankmeldung, dass Du diese Woche krank bist…
    Leicht verwundert legst Du Dich wieder ins Bett und kurierst Deine Grippe aus. Einfach so. Ganz ohne den obligatorischen (und bei Krankheitssymptomen wie Fieber und Gliederschmerzen immer wieder mühsamen) Arztbesuch, bei dem Du bisher immer Deine Viren an den Rest des Wartezimmers verteilt hast.
  2. Als Du wieder zur Arbeit gehst, erklärt Dir Dein Chef, dass ein ärztliches Attest vom Arbeitgeber gezahlt werden muss und cirka 500 Kronen (70 Euro) kostet. Diese Summe wird nur investiert, wenn ein Arbeitgeber Zweifel an der Krankheit eines Arbeitnehmers hat… was scheinbar sehr selten vorkommt.
    Zuerst kommt das Vertrauen – und nur bei Missbrauch des Vertrauens das Misstrauen.
  3. Du gehst in den Supermarkt und bezahlst das erste Mal mit der Dankort, die Du Dir bei Deiner Bank hart erkämpft hast. Die Dame an der Kasse nennt Dir den zu zahlenden Betrag. Du schielst sicherheitshalber nach den Zahlen auf dem Kassendisplay, denn Dänisch gehört nun wirklich nicht zu den leicht verständlichen Sprachen. Jetzt willst Du der Kassendame die Plastikkarte in die Hand geben, doch sie nimmt sie einfach nicht. Stattdessen guckt sie Dich verständnislos an. Nach ein paar Sekunden geht Dir auf, dass Du hierzulande als Kunde Deine Karte ganz alleine in den Automaten stecken darfst!
  4. Dir kommt ein Bus entgegen, an denen die Landesfahnen fröhlich im Wind flattern… Du grübelst mal wieder vergeblich darüber nach, warum heute ein besonderer Tag ist. Du überlegst Dir, ob es nicht von Nutzen sein könnte, endlich mal sämtliche Geburtstage der (nicht gerade kleinen) Königsfamilie auswendig zu lernen.
  5. Aus Gewohnheit machst Du hin und wieder (einige spärliche) Überstunden. Du wunderst Dich, dass dieser Umstand nicht lobend erwähnt wird. Ganz im Gegenteil! Zuerst wirst Du von Deinen Kollegen gefragt, ob Du nicht langsam nach Hause zu Deiner Familie und den Kindern gehen solltest/möchtest. Kurz darauf wirst Du mit spöttischem Unterton gefragt, ob Du den Tag über getrödelt hast, weil Du ja ganz offensichtlich Deine Arbeit in der hierfür vorgegebenen Zeit nicht geschafft hast. Hinter vorgehaltener Hand wird Dir zu guter letzt mitgeteilt, dass Du bei häufigeren Überstunden womöglich als ineffiziente und ineffektive Arbeitskraft eingestuft wirst.
    Du beschließt, keine Überstunden mehr zu machen und gehst wie alle anderen pünktlich nach Hause 😉
  6. Du hast im langen Winter hin und wieder so trübe Stimmung wie das Wetter selbst und fährst zum Vertreiben Deiner eigenen dunklen Wolken ans Meer. Hierbei hast Du die Qual der Wahl und kannst zwischen mindestens 5-10 Stränden am Meer oder an diversen Fjorden entscheiden. Nach einer Stunde am Wasser sieht die Welt schon nicht mehr so grau aus wie der Himmel und die Wolken sind wie weggeblasen.
  7. Du überlegst jedes Jahr wieder von Neuem, ob es sich überhaupt rentiert, Deine Sommerklamotten aus dem Schrank von hinten nach vorne zu räumen. Für die paar Einsätze kann man auch in die Tiefen des Schranks greifen. Du setzt die Klamotten trotzdem nach vorne. Mit Optimismus kommt man im Leben schließlich weiter als mit Pessimismus.
  8. Du gehst das erste Mal in die Sauna und liest in allerletzter Minute ein Schild, dass in diesem Etablissment in BADEKLEIDUNG SAUNIERT wird. Du liest das Schild 16 Mal und der Satz steht immer noch da. Dir geht auf: Die meinen das ernst, die Dänen. Du gehst immer noch leicht entsetzt vom Gelesenen in die Sauna und bist angesichts der Anwesenden in bunten Badeanzügen und Badehosen froh, dass Du das Schild noch vor dem Eintritt gelesen hast. Mit hochgezogenen Augenbrauen beobachtest Du, dass ein Großteil der Gäste ohne Handtuch auf den Holzbänken verweilt und verschiedenartiger Schweiß munter ins Holz trieft. Du setzt Dich verkrampft auf den letzten freien Platz auf einer Holzbank und fragst Dich, wer hier alles schon seine Spuren hinterlassen hat. Merkwürdigerweise will sich das entspannte Wohlgefühl, das Du aus Deinen bisherigen Saunabesuchen sonst kennst, einfach nicht bei Dir einstellen.
  9. Nach dem Saunabesuch und einer eiskalten Dusche gehst Du frierend mit der klatschnassen Badekleidung unter Deinem flauschigen Bademantel durch die (leider sehr kleine) „Saunalandschaft“ und suchst einen Ruheraum. Du möchtest dringend eine Viertelstunde die Füße hochlegen und Dein Buch lesen. Dir fällt auf, dass Du die Einzige bist, die ein Buch dabei hat. Schließlich findest Du einen kleinen Raum, der eine Art Ruheraum darstellen könnte. Dieser hat insgesamt 6 (!) Massagestühle und eine Warteliste!! Du blickst Dich um und schätzt die gesamte Besucheranzahl des „Wellnessbereiches“ auf cirka 50. Du fragst an der Information nach, wo die Ruheräume sind und wirst verständnislos angeschaut. Schließlich setzt Du Dich notdürftig auf einen kleinen Holzstuhl im Eingangsbereich und versuchst, zu entspannen. Du definierst die Einheimischen insgeheim als „Saunakultur-Banausen“ und sagst „farvel“ zu einem liebgewonnenen, entspannten Hobby.
  10. Du schleppst das erste Mal Deinen einheimischen Freund in eine „richtige“ Sauna in Deiner eigenen Heimat. Dein Freund ist sichtlich pikiert, dass er ohne Badekleidung saunieren soll, springt dann aber über seinen eigenen Schatten und schafft es 🙂 Nach dem Saunagang willst Du Dich in den Ruheraum legen, Dein Freund möchte sich aber noch „ein wenig umsehen“. Als er nach 30 Minuten immer noch nicht aufgetaucht ist, suchst Du ihn und findest ihn etwas müde in einem Whirlpool liegend. Er verkündet Dir stolz, dass er zwischenzeitlich schon die Aromasauna, die Orangensauna, das Hamam und die finnische Blocksauna ausprobiert hat! Du erklärst ihm, dass es sich hier nicht um einen Sauna-Wettlauf handelt und fragst Dich, wo in diesem Bereich bei den Dänen wohl die landesübliche Gelassenheit und „Hygge“ abgeblieben ist…

 -> Fortsetzung folgt

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14 Kommentare zu “10 (weitere) untrügliche Anzeichen, dass Du Dich in Dänemark befindest! – Teil 4 –”

  1. Du ziehst deine gelbe Gesundheitskarte durch den Scanner und leihst dir damit Bücher in der Bibliothek aus. Du bezahlst keinen Jahresbeitrag dafür.
    Oder noch toller finden wir das „du har fået digital post“ 🙂
    Mange venlige hilsner,
    Meermond, die ebenfalls nicht mehr so gerne sauniert 🙂

    1. Hallo Meermond,
      ich habe mir Deine Ideen gleich aufgeschrieben. 🙂
      Ganz richtig, das ist auch DK.
      Zum Saunieren müssen wir eben woanders hin…
      Schöne Grüße
      Mary

  2. Ich lache grade Tränen über deine 4 Beiträge :))) Ganz toll geschrieben. Genau das ist DK und genau das liebe ich so.

    Herzliche Grüße von der Dänischen Grenze
    Sandra 🙂

    1. Vielen Dank, liebe Sandra. Ich muss unbedingt noch ein paar weitere Beiträge dazu schreiben – Stoff habe ich noch genug in meinem Notizbuch 🙂
      Schöne Grüße zurück an die dänische Grenze
      Mary

  3. Dänemark wurde mir bei jedem Punkt sympathischer, trotz der teils großen Unterschiede zu Deutschland. 🙂
    Ich würde auch unglaublich gerne nach Dänemark auswandern sobald ich alt genug bin (18 scheint mir etwas zu früh) und daher freue ich mich, deine Seite gefunden zu haben. 🙂

    1. Liebe Svenja,
      es freut mich dass Du Dir bei mir Anregungen und Infos zum eigenen Träumen und Planen holen kannst.
      Ja, vieles ist anders hier, manches besser, manches schlechter.
      So wird es einem wohl mit jedem Land ergehen.

      Wie kommt es bei Dir zum Auswander-Traum?

      Schöne Grüße und alles Gute
      Mary

  4. Du bestellst ein „lille“ Softeis und fragst dich ob dich der Verkäufer falsch verstanden hat, weil das Softeis undgefähr so groß ist, wie du selbst ^^ toll geschrieben deine Beiträge….bin neu auf deinen Blog aufmerksam geworden und begeistert. weiter so!
    Maria

    1. Liebe Maria,
      DER fehlt allerdings noch 🙂
      Diese ausufernden Eiskonstruktionen!!
      Dass das dänische Eis kleine Kunstwerke darstellt, habe ich aber dafür in meinem Dänemark-Buch mit einbezogen.
      Das hatte einen Platz/Grund verdient.

      Schön, dass Du hierher gefunden hast.
      LG
      Mary

  5. Vielen Dank. Das alles war ganz herrlich ! Was für ein wundervolles Land. Mit 69 Jahren wechsle ich in die Heimat meines Herzens. ( Grenzbewohner aus NF )

  6. Bei unserem Urlaub auf Bornholm haben wir gerade festgestellt, dass man im Supermarkt sehr genau hinschauen muss, wenn man „normale“ Flips kaufen will. Sonst erwischt man garantiert welche mit Käsegeschmack.
    Da war die deutsche Supermarktkette, die sich nun auch auf Bornholm ausgebreitet hat, mal hilfreich…

    1. Oh, Ina, da hast Du recht. ich glaube, ich habe noch nie normale Flips gekauft, sondern immer nur mit Käsegeschmack. Die sind ja auch soooo lecker 🙂
      Ja, die deutschen Supermarktketten retten uns Ausgewanderte und Urlauber manchmal sehr.
      Es lebe der Lidl…. der hat wirklich ein tolles Sortiment hier in Dänemark… und bringt endlich gute Konkurrenz zu den dänischen Supermarktmonopolen.
      LG
      Mary

  7. Hallo Maryleen,
    ich hab Deinen Blog gerade erst entdeckt und amüsiere mich köstlich! So wahr! Ich lebe jetzt seit gut 1 Jahr in DK und bin völlig begeistert über Deine Beschreibungen gerade der Kleinigkeiten – es ist ja teilweise so merkwürdig und urkomisch, WIE anders die Dänen sind, zB. Sauna. Super beobachtet! Hätte man doch meinen können, die sind so aufgeklärt und frei im Geiste… und dann saunen sie im Badeanzug. aber eben ohne Handtuch.
    Da komme ich auf ein anderes Phänomen: findet ihr nicht, daß es unglaublich viele SEXOLOGER gibt? Da weiß ich auch nicht so genau, warum..😳😉
    Ach ja, noch was: sie haben ja ganz klar ihre Systeme (viel mehr wie wir, finde ich) zu Weihnachten gibt es in JEDER Familie entweder fleskesteg oder and oder fleskesteg und and. für smørbrød also einfach Brotzeit wie es in meiner süddeutschen Heimat (seufz) heißt, kann man ausschliesslich rugbrød verwenden – Baguette äh sorry: fluite ist schlicht keine Option dafür. Rostbeef darauf mit Rotkohl, leverposteg mit Essiggurke, Hering mit Majonaise und Ei, fiskefrikadeller mit Remoulade… da wird nicht experimentiert. Käse mit Marmelade.😂
    Kann Dir auch in Deinen kritischen Kommentaren zustimmen, und finde, der Blick über den eigenen Tellerrand würde unseren Wahllebensgenossen manchmal gut tun. Sie finden sich schon richtig gut.
    Ich bin ja nicht soo dk-verliebt und behaupte immer bösartig, daß die Dänen auch deshalb das zufriedenste Volk auf Erden sind, weil sie halt (((einfach/ leicht/ mit wenig))) zufrieden sind. Hat ja auch was sehr sympatisches.
    Ach, ich könnte auch noch lange weiterschreiben… wie schön, daß ich Deinen Blog gefunden habe!
    Ganz liebe Grüße,
    Annette aus Silkeborg, vormals München

    1. Liebe Annette, wie schön – noch eine DK-Auswanderin, die sich ganz in meinen Beschreibungen erkennt. Hast Du schon mein Buch gesehen? Da erkennst Du Dich bestimmt 111 mal wieder 🙂
      Ja, ich mag DK schon sehr, ich lebe hier deutlich entspannter als in Deutschland – insbesondere die Arbeitsmentalität liegt mir besonders mehr.
      Aber ich hab so auch die ein oder andere Freundin hier, die sehr über die Dänen schimpft 😉
      Und ja, die Dänen sind deswegen so glücklich, weil sie schneller glücklich sind als andere. Bescheidener.
      Das ist allerdings eine echte Gabe !! Da ist gar nichts dabei, wo man bösartig sein könnte 🙂 Ich wäre froh, wäre ich so schnell zufrieden wie die Dänen – und ich stelle auch fest: Es färbt Gott sei Dank ab!

      Schöne Zeit noch in DK!!

      Deine Punkte kann ich allerdings auch sehr gut erkennen, Käse mit Marmelade…. aaaaaah…. wie kann man nur 🙂

      LG
      Mary

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