Phase 2 in Dänemark

Phase 1 war gestern. Jetzt ist Phase 2.

Letzte Woche einigten sich die Parteien des dänischen Parlaments „folketinget“ auf einen „großen Plan zur Wiedereröffnung Dänemarks“, in mehreren Etappen. Genauer: Dänemark asphaltiert den Weg in die Normalität in 4 Etappen.

Phase 1 leben wir hier seit Mitte April schon und schlossen diese vor zwei Tagen, am 10. Mai, ab. Pünktlich dazu wurde heute die daraus resultierende aktuelle Reproduktionszahl bekannt gegeben: Lag die Ansteckungsrate vor Beginn der Öffnungen dank  Lockdown auf einem Niveau von 0,6 und stieg sie die ersten 2 Wochen nach den Öffnungen dann zunächst auf 0,9 an, so ist sie zwischenzeitlich wieder auf einen Wert von 0,7 abgesunken.

Seit Montag geht es somit also weiter mit Phase 2. Hier wurde der gesamte restliche Einzelhandel geöffnet, im Wesentlichen die Geschäfte in überdachten Einkaufszentren. Die Geschäfte in „meinem“ nahegelegenen Einkaufszentrum beispielsweise, das keine Überdachung hat, sowie in den Einkaufsstraßen der Städte, waren größtenteils nie geschlossen worden. Nun ist Shoppen überall wieder möglich. Mit Abstandsregelungen und stellenweise auch mit einer Obergrenze an Kunden, die sich gleichzeitig in einem Geschäft aufhalten dürfen, aber ansonsten bekommen wir wohl tatsächlich unser Einkaufsfeeling aus Pre-Corona Zeiten zurück.

Des weiteren läuft seit Montag das Outdoor-Sport- und Vereinsleben wieder an, allerdings nach wie vor unter den Vorschriften des bestehenden Versammlungsverbotes von maximal 10 Personen. Fußballspiele im Amateurbereich sind somit nicht erlaubt. Wobei die Fußball-Superliga eine Ausnahme darstellt und sofort wieder starten darf.  Ohne Zuschauer natürlich. (Wieso ist Fußball eigentlich so ein wichtiges Thema 😉 )

In einem 2. Schritt der Phase 2 öffnen eine Wochen später, ab Montag 18. Mai, dann auch Cafés und Restaurants. Darauf freuen wir uns alle! Lecker essen gehen als neuen Luxus!

Zu diesem Zeitpunkt dürfen auch alle Schulklassen ab der 7. Klasse wieder in die Schule zurückkehren. Ausnahme: Die 11. und 12. Klassen der Gymnasien dürfen wohl erst wieder nach dem Sommer in die Schulen zurück. Warum ausgerechnet diese 2 Jahrgänge von der Rückkehr ausgenommen wurden, hat sich mir noch nicht ganz erschlossen…

Stattdessen werden die beliebten „efterskoler“, die dänischen Internate, in denen viele Schüler nach bzw. am Ende der „folkeskole“ ein Jahr verbringen (z.B. die 10. oder 11. Klasse) und sich hier in einem bestimmten Lernzweig weiterentwickeln können (z.B. Fußball, Reiten, Musik, Handwerk, Design, Theater, Outdoor-Life usw….), ihre Schüler für die letzten Wochen des Schuljahres zurückholen. Das „efterskole“-Jahr erlebt man schließlich nur einmal.

Bibliotheken werden ab Montag wieder Besucher persönlich empfangen, Kirchen sowie Glaubensgemeinschaften sind ebenfalls offen. Große Zoos, in denen die Besucher mit ihrem Auto auf Besichtigungsfahrt gehen, dürfen ebenfalls wieder für Autofahrer  öffnen.

Parallel zu diesen umfassenden Lockerungen reduzierte das dänische Gesundheitsamt SST „die magischen 2 Meter“ auf einen Meter obligatorischen Abstand. Die Hygienevorschriften seien sehr viel entscheidender als die Abstandsregeln, und daher könne man die Distanz ab sofort halbieren.

Das erntet durchaus Kritik und Zweifel im Lande. Ein Virologe meinte beispielsweise, die Reduktion des Abstands auf die Hälfte der bisherigen Vorgabe sei definitiv ein weiteres Experiment im Kampf gegen Corona. Man sollte zunächst das Experiment „Phase 2“ anlaufen lassen, ohne gleich ein weiteres Experiment in den Ring dazu zu werfen.


Quelle: TV 2 Grafik / Christoffer Laursen Hald

Aber kein Zweifel – für die Schulen, Cafés und Restaurants bedeutet der verbliebene Meter natürlich einen gewaltigen Kapazitätsunterschied im Vergleich zur bisherigen Vorgabe. Und bei Aktivitäten, wo aufgrund von „kraftvoller Sprache“ Mundpartikel weiter als einen Meter ausgestoßen werden, z.B. beim Kirchengesang oder Sport, gelten die magischen 2 Meter nach wie vor.

Warten wir also mal ab, wie sich beide Experimente zusammen in circa 3 Wochen so auswirken werden!

Phase 3 soll – sofern das Virus weiterhin unter Kontrolle verbleibt – ab 8. Juni starten. Inhalte der Phase 3 sind Kinos, Zoos, Indoor-Sport und die vermehrte physische Präsenz von Mitarbeitern des öffentlichen Sektors, die bislang immer noch größtenteils im Home Office arbeiten.

Auch eine vierte Phase ist umrissen worden. Diese beginnt ab August und öffnet Bereiche des Nachtlebens (Bars, Discos), Fitness-Studios, Schwimmbäder und Badeländer.

Die vielerseits heiß ersehnte Grenzöffnung war bislang noch kein offizielles Thema, was der Reisebranche natürlich – wie in nahezu allen Ländern derzeit – große Planungsprobleme bereitet. Ein solch kleines Land wie Dänemark kann eine Epidemie mit konsequenter Innenpolitik natürlich gut und schnell kontrollieren – aber wie Dänemark die Ansteckungsrisiken aus dem Ausland betrachtet, das wird noch sehr spannend. Bisher agiert Dänemark an dieser Stelle sehr vorsichtig, wie beispielsweise auch Norwegen und Neuseeland.

Die dänische Regierung will jetzt bis zum 1. Juni ein Statement über die Grenzen abgeben.

 

Quelle Beitragsbild: www.borsen.dk

 

 

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