Frühlingsprojekte

Vor genau einer Woche deklarierte ich die Jahreszeit im Kopenhagener Umland offiziell als „Frühling“. Die Dänen sprachen wahrscheinlich schon wochenlang vom „Frühling in Dänemark“, aber mir waren die Windstärken noch deutlich zu hoch und somit keinerlei Frühlingsgefühle in Sicht.

Vergangenes Wochenende dann der Umschwung: Wir verließen am Vormittag das Haus und wurden erstmals seit sieben Monaten nicht von Windstößen angeschoben, gebremst oder gar umgeworfen. Wir konnten uns sogar in unserem Garten am Feldrand aufhalten, ohne dass uns Plastikschaufeln und Mützen davonflogen. Ganz ohne Hindernisse schien die Sonne auf unsere winterbleiche Haut.

Das tolle Wetter hielt sich das ganze Wochenende. Der Wettergott in Dänemark schien uns zeigen zu wollen, dass noch anderes Wetter als Wind und bleigrauer Himmel existiert. Doch leider ging er sehr sparsam mit diesem kleinen Vorgeschmack um. Die Einwohner des Nordens sollen schließlich nicht gleich größenwahnsinnig werden… Der Wettergott ruderte daher vergangene Woche wieder zurück und präsentierte uns die übliche Suppe. Und Wind. Extra scharf. Was sonst!

Da ich übermütigerweise nach dem ersten Frühlingswochenende gleich eine Monatskarte für die Bahn gekauft habe und statt mit dem Auto wieder mit S-Bahn und Fahrrad zur Arbeit pendele, verfluchte ich mehr als einmal den Gegenwind, der es aus mystischen Gründen hier in Dänemark stets schafft, aus allen Richtungen gleichzeitig zu kommen. Frühlingsprojekte weiterlesen

Kindermund – Leben nach dem Tod

Ein dunkler Dienstagmorgen, 6.30 Uhr. Ich sitze am Frühstückstisch und versuche, meine Lebensgeister zu wecken. Meine Tochter (zu dem Zeitpunkt 4) setzt sich neben mich. Ihr Gesicht sieht ernst aus. Eine dunkle Ahnung beschleicht mich. Sie hat etwas wichtiges auf dem Herzen…

Und schon legt sie los: „Mama, wann werden wir gegraben?“

Ich ziehe die Augenbrauen hoch. Mein Gesicht ähnelt sicherlich einem einzigen Fragezeichen.

„Gegraben?“

„Ja, Mama!“ Meine Tochter tritt von einem Bein aufs andere und rollt mit den Augen. „G-E-G-R-A-B-E-N! Wenn wir alt sind, werden wir gegraben!“

Bei mir fällt der Groschen.

„Ah, begraben meinst du,“ rufe ich erleichtert auf, „Wir werden irgendwann einmal B-E-graben.“

Ich seufze. Nicht gerade mein bevorzugtes Thema morgens um 6.30 Uhr. Und natürlich habe ich Google noch gar nicht befragt, wie man mit Kindern über Begräbnis und Tod spricht. Ich werde mich wieder einmal durchmogeln und auf meine Intuition setzen müssen. Kindermund – Leben nach dem Tod weiterlesen

10 (weitere) untrügliche Anzeichen, dass Du Dich in Dänemark befindest! – Teil 4 –

  1. Du hast einen Job gefunden und bist das erste Mal krank. Nervös erklärst Du Deinem Chef am Telefon, dass Du natürlich schnellstmöglich zum Arzt gehen wirst, um Deine Arbeitsunfähigkeit in Form eines Attestes oder einer Krankmeldung zu beweisen. Zu Deiner Überraschung erfährst Du, dass Deine Firma keinen Arztbesuch Deinerseits wünscht. Dein Chef glaubt Dir offenbar ganz ohne ärztliche Krankmeldung, dass Du diese Woche krank bist…
    Leicht verwundert legst Du Dich wieder ins Bett und kurierst Deine Grippe aus. Einfach so. Ganz ohne den obligatorischen (und bei Krankheitssymptomen wie Fieber und Gliederschmerzen immer wieder mühsamen) Arztbesuch, bei dem Du bisher immer Deine Viren an den Rest des Wartezimmers verteilt hast.
  2. Als Du wieder zur Arbeit gehst, erklärt Dir Dein Chef, dass ein ärztliches Attest vom Arbeitgeber gezahlt werden muss und cirka 500 Kronen (70 Euro) kostet. Diese Summe wird nur investiert, wenn ein Arbeitgeber Zweifel an der Krankheit eines Arbeitnehmers hat… was scheinbar sehr selten vorkommt.
    Zuerst kommt das Vertrauen – und nur bei Missbrauch des Vertrauens das Misstrauen.
  3. Du gehst in den Supermarkt und bezahlst das erste Mal mit der Dankort, die Du Dir bei Deiner Bank hart erkämpft hast. Die Dame an der Kasse nennt Dir den zu zahlenden Betrag. Du schielst sicherheitshalber nach den Zahlen auf dem Kassendisplay, denn Dänisch gehört nun wirklich nicht zu den leicht verständlichen Sprachen. Jetzt willst Du der Kassendame die Plastikkarte in die Hand geben, doch sie nimmt sie einfach nicht. Stattdessen guckt sie Dich verständnislos an. Nach ein paar Sekunden geht Dir auf, dass Du hierzulande als Kunde Deine Karte ganz alleine in den Automaten stecken darfst!
  4. Dir kommt ein Bus entgegen, an denen die Landesfahnen fröhlich im Wind flattern… Du grübelst mal wieder vergeblich darüber nach, warum heute ein besonderer Tag ist. Du überlegst Dir, ob es nicht von Nutzen sein könnte, endlich mal sämtliche Geburtstage der (nicht gerade kleinen) Königsfamilie auswendig zu lernen.
  5. Aus Gewohnheit machst Du hin und wieder (einige spärliche) Überstunden. Du wunderst Dich, dass dieser Umstand nicht lobend erwähnt wird. Ganz im Gegenteil! Zuerst wirst Du von Deinen Kollegen gefragt, ob Du nicht langsam nach Hause zu Deiner Familie und den Kindern gehen solltest/möchtest. Kurz darauf wirst Du mit spöttischem Unterton gefragt, ob Du den Tag über getrödelt hast, weil Du ja ganz offensichtlich Deine Arbeit in der hierfür vorgegebenen Zeit nicht geschafft hast. Hinter vorgehaltener Hand wird Dir zu guter letzt mitgeteilt, dass Du bei häufigeren Überstunden womöglich als ineffiziente und ineffektive Arbeitskraft eingestuft wirst.
    Du beschließt, keine Überstunden mehr zu machen und gehst wie alle anderen pünktlich nach Hause 😉
  6. Du hast im langen Winter hin und wieder so trübe Stimmung wie das Wetter selbst und fährst zum Vertreiben Deiner eigenen dunklen Wolken ans Meer. Hierbei hast Du die Qual der Wahl und kannst zwischen mindestens 5-10 Stränden am Meer oder an diversen Fjorden entscheiden. Nach einer Stunde am Wasser sieht die Welt schon nicht mehr so grau aus wie der Himmel und die Wolken sind wie weggeblasen.
  7. Du überlegst jedes Jahr wieder von Neuem, ob es sich überhaupt rentiert, Deine Sommerklamotten aus dem Schrank von hinten nach vorne zu räumen. Für die paar Einsätze kann man auch in die Tiefen des Schranks greifen. Du setzt die Klamotten trotzdem nach vorne. Mit Optimismus kommt man im Leben schließlich weiter als mit Pessimismus.
  8. Du gehst das erste Mal in die Sauna und liest in allerletzter Minute ein Schild, dass in diesem Etablissment in BADEKLEIDUNG SAUNIERT wird. Du liest das Schild 16 Mal und der Satz steht immer noch da. Dir geht auf: Die meinen das ernst, die Dänen. Du gehst immer noch leicht entsetzt vom Gelesenen in die Sauna und bist angesichts der Anwesenden in bunten Badeanzügen und Badehosen froh, dass Du das Schild noch vor dem Eintritt gelesen hast. Mit hochgezogenen Augenbrauen beobachtest Du, dass ein Großteil der Gäste ohne Handtuch auf den Holzbänken verweilt und verschiedenartiger Schweiß munter ins Holz trieft. Du setzt Dich verkrampft auf den letzten freien Platz auf einer Holzbank und fragst Dich, wer hier alles schon seine Spuren hinterlassen hat. Merkwürdigerweise will sich das entspannte Wohlgefühl, das Du aus Deinen bisherigen Saunabesuchen sonst kennst, einfach nicht bei Dir einstellen.
  9. Nach dem Saunabesuch und einer eiskalten Dusche gehst Du frierend mit der klatschnassen Badekleidung unter Deinem flauschigen Bademantel durch die (leider sehr kleine) „Saunalandschaft“ und suchst einen Ruheraum. Du möchtest dringend eine Viertelstunde die Füße hochlegen und Dein Buch lesen. Dir fällt auf, dass Du die Einzige bist, die ein Buch dabei hat. Schließlich findest Du einen kleinen Raum, der eine Art Ruheraum darstellen könnte. Dieser hat insgesamt 6 (!) Massagestühle und eine Warteliste!! Du blickst Dich um und schätzt die gesamte Besucheranzahl des „Wellnessbereiches“ auf cirka 50. Du fragst an der Information nach, wo die Ruheräume sind und wirst verständnislos angeschaut. Schließlich setzt Du Dich notdürftig auf einen kleinen Holzstuhl im Eingangsbereich und versuchst, zu entspannen. Du definierst die Einheimischen insgeheim als „Saunakultur-Banausen“ und sagst „farvel“ zu einem liebgewonnenen, entspannten Hobby.
  10. Du schleppst das erste Mal Deinen einheimischen Freund in eine „richtige“ Sauna in Deiner eigenen Heimat. Dein Freund ist sichtlich pikiert, dass er ohne Badekleidung saunieren soll, springt dann aber über seinen eigenen Schatten und schafft es 🙂 Nach dem Saunagang willst Du Dich in den Ruheraum legen, Dein Freund möchte sich aber noch „ein wenig umsehen“. Als er nach 30 Minuten immer noch nicht aufgetaucht ist, suchst Du ihn und findest ihn etwas müde in einem Whirlpool liegend. Er verkündet Dir stolz, dass er zwischenzeitlich schon die Aromasauna, die Orangensauna, das Hamam und die finnische Blocksauna ausprobiert hat! Du erklärst ihm, dass es sich hier nicht um einen Sauna-Wettlauf handelt und fragst Dich, wo in diesem Bereich bei den Dänen wohl die landesübliche Gelassenheit und „Hygge“ abgeblieben ist…

 -> Fortsetzung folgt

Nochmal tief durchatmen… am Fjord

Die Zeit rast…. Es ist schon wieder Mitte März!
Nun kann der Frühling wirklich nicht mehr weit sein… In den letzten Tagen hatten wir hier oben im hohen Norden erstmals Temperaturen bis 10 Grad. Ohne Nachtfrost!

Letztes Wochenende war davon jedoch noch nichts zu spüren. Die Tage waren grau in grau, wie die 100 Tage zuvor.

Samstag vor einer Woche, als die Wände unseres Häuschens mal wieder enger zu rücken schienen, flüchteten wir spontan ans Wasser. Gummistiefel an, zehn Minuten im Auto Richtung Frederikssund und wir waren am Roskilde Fjord.

Am Wasser sieht die Welt nie wirklich grau aus…

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In der Wintersonne am Liseleje Strand, Seeland, Dänemark

Damit das gestrige Naturschauspiel nicht gleich wieder in Vergessenheit gerät, gibt es heute „sonnige“ Fotos von einem Ausflug an den Liseleje Strand im November letzten Jahres.

In dieser Zeit bekam ich Besuch von meiner lieben Freundin aus Deutschland. Ihr Wunsch: Ein paar Stunden ans Meer fahren! Kraft tanken. Ich suchte auf der Landkarte also nach einem neuen Strand, den ich noch nicht kannte, und entschied mich für Liseleje Strand im Norden Seelands. Meinen Schätzungen zufolge lag  dieser Strand eine knappe Stunde entfernt. Für spontane Familienausflüge war uns dies meist zu weit und wir hatten uns bis zu diesem Zeitpunkt eher mit dem Roskilde Fjord und Isefjord zufrieden gegeben.

Umso erstaunter war ich, als meine Freundin und ich nach nur 35-40 Minuten das Ziel erreicht hatten. Das Meer ist näher als gedacht 🙂

Und Meer ist eben doch was anderes als Fjord…..

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Ein unbekanntes Himmelsobjekt!

Gestern wurde ich Zeuge eines verwirrenden Ereignisses. Am Nachmittag, nach getaner Arbeit, stieg ich in mein Auto und machte mich auf dem Weg, raus aus den Kopenhagener Vorstädten, in Richtung meiner gemütlichen „Schlafstadt“ auf dem Lande.
Es war 16 Uhr.
Und es war hell.
Um nicht zu sagen gleißend hell.
Aua! Was war das? Ich kniff die schmerzenden Augen zusammen und schielte zum Himmel. Ein weißglühender Ball schwebte über der Stadt. Welch ungewöhnliches Naturschauspiel. Ich konnte mich jedenfalls nicht daran erinnern, in den letzten Monaten etwas derartiges gesehen zu haben.

Nachdem ich eine Weile in den Tiefen meines Gedächtnisses gegraben hatte, fiel mir schließlich der Name dieses unbekannten Himmelsobjekts ein. Das musste die sogenannte „Sonne“ sein. Zufrieden mit mir selbst und halb blind fuhr ich nach Hause. Denn die Automobilbranche hat bei der Entwicklung der Sonnenblenden nicht an die kleinen Persönchen unter uns gedacht, die mit Ach und Krach übers Lenkrad blicken können. Kilometerlang schien mir die Sonne direkt in meine armen Augen, die deutlich von den zurückliegenden skandinavischen Wintermonaten gezeichneten sind. Deren täglicher Höhepunkt ein Lichtniveau zwischen hellgrau und mausgrau darstellte. Zuhause kramte ich somit als allererstes hektisch nach einer Sonnenbrille und deponierte diese im Auto. Sicher ist sicher. Könnte ja sein, dass sich das Naturschauspiel bald wiederholt.

Laut dänischem Wetterbericht können sich unsere skandinavisch geprägten Augen jedoch erst nochmal ein Weilchen beruhigen. In den nächsten Tagen soll es nämlich munter weitergehen mit dem dänischen Winter. Schneeregen, Temperaturen zwischen null und 5 Grad und Nachtfrost sind angesagt.

Um das bemerkenswerte Naturschauspiel „Sonne am Himmel“ nicht gleich wieder zu vergessen, werde ich morgen noch ein paar Fotos herauskramen – aus einer Zeit, in der wir die Sonne hier in Dänemark noch regelmäßig zu Gesicht bekamen. Dazu muss ich in den November 2014 zurückgehen…

In diesem Sinne allen ein schönes Wochenende – hoffentlich mit ein wenig Sonne!

Mary

Fortsetzung folgt:
In der Wintersonne am Liseleje Strand, Seeland, Dänemark

10 weitere sprachliche Highlights Dänisch/Deutsch

Die Dänen sind ja so herrlich modern! In diesem Zusammenhang lassen sie auch gerne mal durchblicken, für wie altmodisch sie ihre deutschen Nachbarn halten.

Ein dänischer Bekannter amüsierte sich neulich darüber, dass wir Deutschen nicht „weekend“ sagen sondern das englische Wort eingedeutscht haben. Wochenende. Wir Deutschen seien so hoffnungslos altmodisch, so seine Aussage. Wir hätten schließlich auch einfach das englische Wort übernehmen können. So wie die Dänen.

Ich gestehe, darüber habe ich mir noch nie Gedanken gemacht. Das Wochenende ist und bleibt ein Wochenende, und das ist gut so. Meinetwegen bin ich altmodisch. So what?

Kurz darauf stolperte ich in der Mittagspause über einen Artikel in einer dänischen Zeitung. Es ging um die Zunahme der bequemen Menschen im schönen Dänemark. Um diejenigen, die abends nach der Arbeit ihren Allerwertesten auf dem Sofa parken, die Füße hochlegen und sich den Rest des  Abends vom TV-Programm berieseln lassen. Über die letzten Jahre hinweig scheint es von dieser Sorte hier oben mehr und mehr zu geben.

Aha, ein Artikel über die „Couch Potatoes“ dieser Welt, war mein spontaner Gedanke. Mein Blick fiel auf die Überschrift und ich stutzte.
„Sofakartofler i Danmark“.
Ich blinzelte und las nochmal.
Tatsächlich.
Sofakartofler.

Ich verschluckte mich an meiner heißen Schokolade, die ich kurz vorher aus dem Automaten geholt hatte, und begann, unkontrolliert zu kichern. Meine neuen Kollegen sahen mich seltsam an. Ich schüttelte grinsend den Kopf und las weiter, suchte den Rest des Textes ab. Das musste Satire sein. Die modernen Dänen würden doch nicht etwa die englische „Couch Potatoe“ zur Sofakartoffel demontieren? 10 weitere sprachliche Highlights Dänisch/Deutsch weiterlesen