Was führt jemanden dazu, auszuwandern?

Wie kommt jemand dazu, seinem Heimatland den Rücken zu kehren und auszuwandern?

Jemand, der eigentlich ein sehr gutes Leben im Heimatland führt? Jemand, der einen guten Job hat inkl. nettem, kooperativem Chef und noch netteren, kooperativen Kollegen? Jemand mit einer großen, lieben Familie im direkten Umfeld? Mit mit einem Haufen guter Freunde und einem sozial aktiven Handballverein? Mit einer gemütlichen Wohnung in der Glockenwiese 🙂 ? Jemand, der Veränderungen generell eher ängstlich entgegenblickt anstelle sie im Leben willkommen zu heißen?

Die Antwort ist wahrscheinlich ganz simpel.

Schicksal.

Oder Zufall. Je nachdem, an was von diesen beiden Dingen man glaubt!

Im Herbst und Winter des Jahres 2006 habe ich mich zunehmend öfter insgeheim gefragt, ob meine gepflegte, oben geschilderte „Comfort Zone“ eigentlich schon alles gewesen sein kann. Nach ein paar größeren und kleineren persönlichen Krisen fühlte ich mich trotz funktionierendem Umfeld ein bisschen wie ein „Einsiedler“. Die letzten Monate hatten mich nach der Trauer über den Verlust meiner Mutter im Vorjahr wieder in eine emotionale Stabilität zurückgebracht. Irgendetwas fehlte dennoch. Eine passende Liebe war weit und breit nicht in Sicht.

Mein Job begann mich zunehmend zu langweilen und zu stressen. Mir hatte die Stelle beim Mannheimer Morgen immer viel Spaß gemacht und ich fühlte mich im Kollegenumfeld äußerst wohl! Nichtsdestotrotz stressten und langweilten mich die als Vertriebscontroller immer wiederkehrenden, zahlreichen, monatlichen, quartalsweisen, halbjährlichen und jährlichen Deadlines mehr und mehr.  Zahlen den lieben langen Tag, und die Adressaten waren stets intern. Kein Kundenkontakt. An manchen Tagen sprach ich nur mit meinen geliebten Statistiken 🙂 Oder wahlweise mit Excel 🙂 

DAS war meine Ausgangssituation. Gar nicht so ungewöhnlich. Es gibt sicher noch mehr, die bereits mit 30 Jahren eine Art erste Midlife-Crisis haben 🙂

Eines Nachmittags war ich zu einem Termin nach Bensheim gefahren und stöberte noch ein bisschen im Weltbild-Laden am Marktplatz. Es war schon weihnachtlich geschmückt und alle Welt bereitete sich auf das große Fest vor. Neben all den Weihnachtartikeln fing ein großer, hübscher Bildband mein Interesse: Skandinavien.

Der Bildband wechselte den Eigentümer.
Zuhause auf meiner Couch, beim Blättern in den wunderschönen Landschaftsbildern des hohen Nordens, wurde der Gedanke wach, dass es schön sein müsste dort zu leben. Besonders Schweden und Norwegen hatten es mir angetan. Je nördlicher, je besser. Am liebsten der Polarkreis. Natürlich ein völlig verrückter und ziemlich abwegiger Gedanke, besonders für mich, die ihre Comfort Zone selten verließ, und wenn, dann nur gezwungenermaßen.

Aber trotzdem irgendwie ein schöner Traum.

Wer konnte ahnen, dass sich auf diese Weise ein ganz neuer Weg zu ebnen begann…

 

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17 Kommentare zu “Was führt jemanden dazu, auszuwandern?”

    1. Hallo Petra,
      dankeschön – ich fühlte mich allerdings damals nicht so sehr mutig – sondern eher mitgerissen von den Ereignissen, die ich ja so vorher nicht geplant hatte.
      Ich war nur irgendwie „bereit“ für was neues.
      LG Mary

  1. Hallo,
    ich habe ein paar Fragen an dich.
    Wie lebt es sich derzeit, angsicht der Weltpolitischen Lage dort?
    Hast du Haustiere? Und wie nimmst du
    den Umgang mit Tieren dort wahr?
    Muss ein Tierbesitzer dort Angst haben das Hund oder Katze erschossen werden? Willkürlich?
    Wie ist due Versorgung der Krankenkassen dort? Kann ein Deutscher dort Immobilien erwerben oder muß man dann auch die dänische Staatsbürgerschaft haben?
    Vielen Dank:)

    1. Liebe Petra,
      aus Zeitgründen kann ich derartige Detailfragen zu einer eventuellen Auswanderung nicht beantworten und verweise daher in diesen Fällen immer an zwei Foren:

      http://www.dk-forum.de
      http://www.danforum.de

      Dort habe ich mir bei meiner eigenen Auswanderung auch alle Informationen geholt.

      Viel Spaß beim Stöbern.

      Mary:

      PS: Das mit den Tieren war eine Geschichte, die von den (deutschen) Medien und Touristen unglaublich hochgespielt wurde. Ich bin zwar kein Tierbesitzer und habe mich auch nicht weiter mit dem merkwürdigen Thema beschäftigt, aber in meiner Straße leben haufenweise Hunde und Katzen und die leben alle noch 🙂 Seit Jahren und Jahrzehnten. Wie es sich verhält, wenn ein Hund einen anderen aggressiv und unkontrolliert anfällt, weiß ich nicht. Da hat der Staat jetzt womöglich mehr Möglichkeiten als vorher. Aber dazu findest Du bei Google bzw. in den Foren sicher viele Infos.

    1. Liebe Annie,
      das weiß ich leider gar nicht 🙂
      Ich bin ja EU-Bürgerin und habe damit andere Richtlinien.
      Aber Du kannst sicher einige Adressen googeln, wie man nach DK kommen kann.
      Probiere mal borger.dk, da gibt es sicher auch englischsprachige Versionen, vielleicht gibts da was.
      Mary

  2. Liebe Mary, wir waren nun erst 2 mal in DK. Aber das Land hat uns so sehr beeindruckt, dass wir ernsthaft mit dem Gedanken spielen, unsere Zelte in Deutschland abzureissen und für immer in DK zu leben. Aber ich habe sehr große Angst , dass wir nicht akzeptiert werden und keinen Anschluss finden. Wie stehen die Dänen zu Deutschen Einwanderern? LG Cathleen

    1. Liebe Cathleen,
      das ist eine grosse Entscheidung – Du wirst Dich sicher noch viel im Internet einlesen, es gibt ja sehr gute Foren zum Thema, in dem Auswanderer berichten.

      Auf Deine Frage gibt es auch keine pauschale Antwort. Es kommt sicher auch sehr auf den Ort an, an dem man wohnen möchte.

      Ich persönlich habe nur gute Erfahrungen gemacht, ich habe auch guten Anschluss, wobei ich mir gerade am Anfang eher deutsche Freundinnen gesucht habe, das fand ich entspannender.
      Mittlerweile, wo die Sprache nicht mehr ständig Energie zieht, habe ich das auch freiwillig auf Dänen ausgeweitet 🙂
      Insofern war es bei mir eher anders herum. Ich hatte durch Arbeit und meinen Dänen aber sowieso genug Dänen um mich herum.
      Und wenn man dann Kinder hat/bekommt, ist man sowieso schnell in den Elternkreisen drin.

      Alles Gute für Eure Entscheidung
      Mary

      1. Ich danke dir! Wir lernen erstmal die Sprache und werden sehen, was die Zeit bringt. Dieses wunderschöne Land werden wir so oft, wie es nur geht besuchen. Und vielleicht, wenn es das Schicksal so will, für immer dort bleiben! Nochmals ❤lichen Dank für deine Zeilen LG Cat

  3. Hallo maryleen. Mein Mann und ich sind jetzt 56 Jahre und spielen mit dem Gedanken nach DK zu gehen. Haben wir denn noch Aussichten auf Arbeit, Sprachkenntnisse sind nicht vorhanden.

    1. Liebe Conny, ohne Sprachkenntnisse geht im Moment nicht viel in Dänemark – das ist seit einigen Jahren ein Muss. Ich würde also damit auf jeden Fall beginnen.
      Alles Gute
      Mary

  4. Hallo
    Ich lese nun schon geraume Zeit deine Erlebnissberichte und finde sie immer sehr interessant und aufschlussreich .Dänemark fasziniert mich schon seit vielen Jahren . Leider war ich erst einmal urlaubsbedingt dort . Sonst durcheile ich das Land immer nur um nach Hirtshals zu kommen . Meine Schwester lebt seit 10 Jahren in Kristiansand .
    Dieses Abenteuer AUSWANDERN treibt mich seit Jahren um .
    Es scheitert aber meist ,weil man meint das jetzt gerade kein guter Zeitpunkt wäre die Kinder aus der Schule zu reißen oder weil wir auch mit unseren Jobs so nicht ganz unzufrieden sind .
    Und trotzdem kreist dieses Thema ständig um uns.
    Da sind deine Erfahrungs und Erlebnissberichte immer sehr belebend zu lesen . Bitte weiter so .
    Wir bleiben dran .

    Thomas aus Dresden

    1. Lieber Thomas,
      ja… der liebe Zeitpunkt… so eine Auswanderung ist ein riesiger Schritt. Ich hatte es damals – so ungebunden – natürlich vergleichsweise einfach.

      Ich steckte jobmäßig sowieso in einer Krise, der richtige (deutsche) Mann war auch nicht in Sicht und dann traf ich einen netten Dänen.

      Dennoch war es schwer, die Brücken abzubrechen, und im neuen Lande sein Glück zu versuchen. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie groß die Entscheidung sich anfühlen mag, wenn man auch für andere Familienmitglieder (Kinder) die Brücken abbricht und gleich 3-4 Lebensrhythmen komplett über den Haufen wirft.

      Aber wo ein Wille, da ein Weg.
      Und manchmal bleibt es auch einfach bei einem schönen Traum, denn das Heimatland ist ja bekanntlich auch gar nicht so schlecht 😉

      Liebe Grüße und alles Gute
      Mary

  5. Hallo Mary! Ich bin 2008 mit meiner Tochter nach Dänemark ausgewandert und 2011 wieder zurück nach Hamburg. Mittlerweile spiele ich wieder stark mit dem Gedanken zurückzugehen. Ich bin ohne jemals zuvor in DK gewesen zu sein und ohne jegliche Sprachkenntnisse ausgewandert und habe erstmal einen Monat in der Sprachschule verbracht. Haben sich die Gesetze dahingehend geändert? Meine Tochter und ich haben noch unsere CPR-Nummern, mein Mann und mein Sohn nicht. Könnte mein Mann ohne ausreichende Sprachkenntnisse Schwierigkeiten bekommen?
    Med venlig hilsen
    Sabrina

    1. Hallo Sabrina,
      ohne es genau zu wissen, haben sich die Gesetze bzgl. der Sprachintegration jedenfalls nicht weitgehend geändert. Ich bin in einer ähnlichen Zeit ausgewandert wie Du, und das, was sich geändert hat (ganz generell) ist definitiv, dass die Sprache heute ein Muss ist.
      Jedenfalls immer dann, wenn sich auch Dänen auf die Stellen bewerben oder andere, die Dänisch sprechen. Wenn Ihr natürlich so spezielle und hier benötigte Ausbildungen habt, dass andere Bewerber nicht mithalten können, könnte es auch ohne Sprache klappen. Aber so wie früher, dass man so gut wie ohne Dänisch an vielen Stellen durchkommt, so ist es nicht mehr. Die Arbeitslosenquote ist ja in D. mittlerweile geringer als in DK, wobei sie auch in DK immer noch relativ klein ist.
      Die Empfehlung lautet daher immer: Erst Sprache lernen und Job suchen.
      Viel Glück bei Euren Plänen
      Mary

  6. Ach und übrigens, deine 10 Gründe auszuwandern bzw. nicht auszuwandern kann ich zu 100% bestätigen. Ich habe ganz genau die gleichen Erfahrungen gemacht…..

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