Skiurlaub voraus

Im Sommer 2006 fragte mein Bruderherz, ob ich nicht Lust habe, ein halbes Jahr später mit ihm und seiner Freundin in den Skiurlaub zu fahren. Es waren auch noch ein paar andere Freunde dabei, und offenbar war noch ein Bett in der geplanten Ferienwohnung frei. Spontan sagte ich zu – mein letzter Skirurlaub war ein paar Jahre her und ich hatte mal wieder Lust auf Winterurlaub und Skifahren. Und auf unbeschwertes Feiern mit netten Leuten.

Der Zeitpunkt war für den Jahreswechsel angesetzt. Eher unoptimal für einen Vertriebscontroller, da nach einem Jahreswechsel alle vorhandenen Statistiken gleichzeitig anfallen. Monatliche, quartalsweise, halbjährliche und jährliche Auswertungen. Aber das würde schon irgendwie gehen, dachte ich mir und sagte zu.

Der Zeitpunkt rückte näher, und wenige Wochen vor dem Urlaub wurde mir klar, dass die Idee mit etwas Abstand im Sommer doch besser ausgesehen hatte als jetzt im Winter. Neben dem ganz normalen statistischen Wahnsinn zum Jahreswechsel hatte sich auch noch eine Auflagenprüfung angekündigt (der IVW-Prüfer lässt grüßen), und es war wieder mal klar, dass ich als Einzelkämpfer auf meinem Posten für diese Woche Urlaub sehr büßen müssen würde. Wie eigentlich bei fast jedem Urlaub, den ich nicht zu 100% nach den zeitlich sehr begrenzten Prämissen eines Statistiker-Jobs ausrichtete.

Mit den Jahren hatte ich mich zwangsläufig sehr auf die Restriktionen des Jobs eingestellt, aber ganz leise machte sich eine wachsende Frustration sowie der Wunsch nach mehr Freiheit und Spontanität breit, den ich lange sehr erfolgreich unterdrückt hatte.

Meine Stimmung und Vorfreude sank mit jeder Woche, und gleichzeitig ärgerte ich mich darüber, dass mein Leben so eingeschränkt gestrickt war und ich mich aufgrund der Job-Restriktionen nicht mehr richtig auf eine bevorstehende private Abwechslung freuen konnte. Ich grübelte hin und wieder über die Situation nach und erwog zeitweise die Absage des Urlaubs.

Aber gebucht war gebucht! Und ich hatte meinem Bruder zugesagt! Wie konnte es sein, dass mein Leben so eingefahren verlief? Mir wurde das in den Tagen vor dem Urlaub erstmals richtig deutlich. Mir war schleierhaft, was ich mit diesen Gedanken anfangen sollte, aber eins war klar: Es gefiel mir so nicht (mehr)!

Kurz vor Silvester war es dann soweit: Mit dem Auto voll beladen fuhren wir sehr früh morgens Richtung Österreich/Wagrain. Es war noch stockdunkel, und die Autobahnen frei. Wir kamen gut voran. Nach 1-2 Stunden Fahrt beschlossen wir, ein frühes Frühstück an einer Raststätte einzunehmen.

Während dieses Frühstücks machte ich zum ersten Mal spontan meinem Unmut über mein derzeitiges Leben Luft und erzählte zu meiner eigenen Überraschung, dass ich mich in einer Sackgasse befinde und am liebsten auswandern würde. Neue Dinge erleben, andere Menschen treffen, in einem anderen Land leben.

Ernst nahm das keiner, und am wenigsten ich 🙂

Meine Schwägerin kommentierte meinen spontanen Ausbruch mit dem Satz: „Na, dann aber am Besten was im Süden, Spanien oder so, damit wir auch ein nettes Ausflugsziel haben! 🙂 )

Ich entgegnete, dass ich den Norden vorziehe und eher nach Skandinavien auswandern möchte. Am liebsten nach Schweden oder Norwegen. Dem Bildband nach.

Davon war keiner so recht begeistert… ist ja auch viel zu kalt 🙂

Nach diesem etwas wirren, frühmorgendlichen Gespräch über einem lauwarmen Raststätten-Kaffee und einem trockenen Käsebrötchen ging es weiter nach Österreich.

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