Die ersten zarten Versuche eines Alltags

Der nächste Morgen war ein Montag. Unser gemeinsamer Alltag begann.

Sowohl mein Freund als auch ich mussten arbeiten. Der erste Home-Office-Schulungstag zwischen Kopenhagen und Mannheim war geplant. Der Internetzugang in der neuen Wohnung stand allerdings noch auf sehr wackeligen Füßen. Die Laptop-Anbindung funktionierte ebenfalls nur sporadisch. Meine Kollegin in Deutschland und ich kämpften uns mit unseren Telefonen tapfer durch den Tag. Das Arbeiten gestaltete sich an diesem Tag als äußert anstrengend. Sehr unbefriedigend. Nach dem geplanten halben Arbeitstag legten wir beide frustriert auf. Wie sollte das die nächste Zeit nur funktionieren? Die ersten zarten Versuche eines Alltags weiterlesen

Ankommen

Nach einigen Stunden Schlaf wachte ich auf. Mein erster Tag als Ausgewanderte begann. Ein Sonntag. Es war frühmorgens, stockdunkel und mein Däne schlief noch tief und fest auf dem Matratzenlager. An Weiterschlafen war bei mir nicht mehr zu denken, daher stand ich auf und zog mich an.

Ich inspizierte die Wohnung, machte im Kopf eine Prioritätenliste für die anstehenden Aufgaben und krempelte die Ärmel hoch. Ich begann damit, das Bad gründlich zu putzen. Als ich fertig war, öffnete ich meinen riesigen Koffer und räumte meine sämtlichen Beauty-Produkte, Zahnbürste & Co. mit größter Sorgfalt in die sauber gewischten Schränke ein. Zum Schluss legte ich meinen importierten, flauschigen Badezimmerteppich auf die glänzenden Fliesen und wies meiner alten deutschen Waage einen Ehrenplatz zu. Zufrieden betrachtete ich mein Werk. Im Badezimmer fühlte ich mich schon wie zuhause 🙂 Das Bad – meine erste Basis im neuen Land. Ankommen weiterlesen

Entwurzelt…. die erste Nacht in der Fremde

Mein Däne holte mich an der Station in Lyngby ab.
Erstmals standen wir uns unter ganz neuen Voraussetzungen gegenüber. Unsere 1000-Kilometer-Fernbeziehung war vorüber. Stattdessen begannen unsere Probezeit für ein gemeinsames Leben. Ein merkwürdiges Gefühl.

Wir machten uns auf den Weg und schleppten mein Gepäck durch die stockdunkle Nacht. Mein Freund war sehr aufgeregt, wie ich „unsere“ neue Wohnung finden würde.

Er war der Ansicht, dass eine neue gemeinsame Wohnung genau das Richtige für unseren gemeinsamen Start in Dänemark war. Ich würde nicht in eine bestehende Wohnung mit einziehen, sondern konnte unsere gemeinsame Wohnung von Anfang an mit aufbauen und nach meinem Geschmack einrichten. Auch wenn ich selbst nicht so begeistert davon war, zum Zeitpunkt meiner Umsiedlung auch noch in eine ganz neue Wohnung ziehen zu müssen und damit völlig entwurzelt zu sein, hätte der Zeitpunkt für diese neue Wohnung seiner Ansicht nach passender nicht sein können. Er ging davon aus, dass ich auf diese Weise viel schneller ein „Zuhausegefühl“ aufbauen konnte. Er war da sehr optimistisch und sicher in seiner Sache. Generell sein Markenzeichen! Entwurzelt…. die erste Nacht in der Fremde weiterlesen

13. Oktober – One way to Copenhagen!

Der große Tag war da: Heute Abend würde ich mein One-Way-Ticket nach Kopenhagen einlösen!

Ich war aufgeregt und abgeklärt zugleich. Den Tag verbrachte ich mit letzten Vorbereitungen und geriet sogar – trotz der guten Planung im Vorfeld – ins Schwitzen, um alles noch zu schaffen.

Schließlich war es soweit. Mein Vater holte mich ab, und fuhr mich mitsamt meinem Auswanderungsgepäck an den Frankfurter Flughafen.

Ursprünglich hatte ich geplant, dass eine Freundin den Transfer an den Flughafen übernehmen sollte. Ich wollte einem eventuellen Abschiedsschmerz am Flughafen am liebsten entgehen, und der Abschied von einer Freundin erschien mir leichter als der von meinem Vater. Die Vereinbarung mit meiner Freundin hatte auch bereits bestanden. Doch mein Vater bestand darauf, dass ER mich fahren wollte. Ganz egal, wie der Abschied aussehen würde. Meiner Freundin sagte ich daraufhin wieder ab und sie hatte natürlich Verständnis. 13. Oktober – One way to Copenhagen! weiterlesen

Endspurt und Abschiede…

Offiziell war die letzte, zweieinhalb Wochen lange Etappe nur ein „Besuch“ in Deutschland! Denn am 20. September hatte ich mich mit meiner Aufenthaltsgenehmigung bereits als Einwohnerin in Lyngby registrieren lassen und meine CPR-Nummer beantragt.

In Dänemark erhält jeder Einwohner eine sogenannte CPR-Nummer, d.h. eine persönliche Nummer des zentralen Personenregisters (Det Centrale Personregister). Ohne CPR-Nummer kann man in Dänemark NICHTS, aber auch GAR NICHTS tun. Bevor die Babys in Dänemark einen Namen bekommen, was laut Gesetz bis zu 6 Monate nach der Geburt warten kann, haben sie schon längst ihre CPR-Nummer. Diese wird sofort am Tag der Geburt vergeben!

In Dänemark ist man eine Nummer, und diese Nummer spiegelt irgendwann alle wesentlichen Bereiche des Lebens wieder. Alle Konten sind über diese Nummer gemeldet, Telefonanschlüsse, Versicherungen, Jobs, Steuerpflicht, Finanzen, Kredite, Immobilien, Verträge mit Energieversorgern, Kabelfernsehen, Internetanschluss, Kinderbetreuung, Schule. ALLES. Der dänische Staat kann dadurch theoretisch sehr leicht detaillierten Einblick in das Leben eines jeden Einwohners in Dänemark erhalten. Und dadurch seine Schäfchen gezielter „führen“ als das in anderen Ländern möglich ist, meinen die Anhänger dieses Systems.

Für mich als Deutsche war das natürlich etwas „strange“.
1984! „Big brother is watching you!“ Endspurt und Abschiede… weiterlesen

Die letzten Wochen in Deutschland

Die letzten Wochen in Deutschland waren angebrochen.

Ich hatte die verbleibende Zeit gedanklich in Etappen eingeteilt, die jeweils von einem kurzen Aufenthalt in Kopenhagen beendet wurden.

August bis Anfang September war ich noch massiv im Job eingespannt und arbeitete bis zum Umfallen, um alle Themen fertigzustellen. Danach flog ich einige Tage nach Kopenhagen und begann, die Einwanderung zu organisieren.

Ich beantragte bei der zuständigen Behörde (Statsforvaltning) eine Art Aufenthaltserlaubnis/Registrierung („bevis for registrering“). Ich musste hierzu meine deutschen Konten offenlegen und durfte auf dieser Basis 5 Jahre in Dänemark wohnen und arbeiten. Sollte ich in dieser Zeit nicht allzu unangenehm auffallen, war ich sicher auch über diesen Zeitraum hinaus als steuerzahlender Einwohner willkommen. Nur wenige Tage nach der Beantragung lag der „bevis for registrering“ schon im Briefkasten. Meine Einwanderung wurde langsam offiziell. Die letzten Wochen in Deutschland weiterlesen

Brücken abbrechen

Die Zeit verging wie im Fluge.

Jedes Jahr im Sommer standen im Job zusätzliche Themen an, die viele Überstunden forderten. Ich arbeitete immer noch an Samstagen, manchmal auch stattdessen an einem Sonntag. Wenn ich abends geschlaucht heimkam, wartete die To-Do-Liste auf mich mit all ihren Erledigungen rund um die geplante Auswanderung nach Dänemark.

Begonnen hatte ich damit, sämtliche Papiere und Finanzen zu ordnen, um einen Überblick zu erhalten. Daraufhin mussten verschiedene Behörden informiert, Banken angeschrieben, Verträge gekündigt, Nebenkosten-Pauschalen bei den Versorgungsbetrieben gesenkt sowie Telefon-, Handy- und Internetverträge gekündigt werden. Die Liste wurde immer länger.

Ich ging systematisch meine Wohnung durch, entsorgte unnötiges, räumte auf und überlegte mir, was ich im ersten Schritt für meine Auswanderung mitnehmen wollte. Ich würde mit einem Gepäckstück nach Kopenhagen fliegen, das 20 Kilogramm wiegen durfte. Dazu 1-2 Handgepäck-Stücke und das wars auch schon. Auswandern mit leichtem Gepäck. Ich konnte somit nur das Allernötigste für die ersten Monate mitnehmen und das wollte geschickt gewählt sein. Brücken abbrechen weiterlesen