Archiv der Kategorie: SERIE: Ausgewandert nach Dänemark

Müde Beine und lange Arme

Das straffe Programm forderte seinen Tribut. Seit meinem Umzug nach Dänemark waren wir ausschließlich mit Putzen, Einrichten, Aussortieren und Umzugsarbeiten in den beiden Wohnungen beschäftigt. Wir waren mittlerweile beide gereizt und genervt. Da für mich auch schon das halbe Jahr vor der Auswanderung sehr anstrengend gewesen war, ging mir langsam die Puste aus.

Gleichzeitig waren wir mit all den notwendigen Erledigungen sehr weit gekommen und munterten uns gegenseitig immer wieder auf, dass es nicht mehr lange dauern könne bis zum gemütlichen gemeinsamen Dasein.

Zwischenzeitlich hingen in der neuen Wohnung auch endlich überall Lampen. Sehr von Vorteil in einer Jahreszeit, in der es mittags ab 16 Uhr schon dunkel wurde. Morgens wurde es erst ab 9 Uhr „hell“.  Hell hatte ohnehin eine neue Definition. Hell war sehr oft diesig und grau. Und meist auch ein bisschen nass. Müde Beine und lange Arme weiterlesen

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Auf dem Weg zur „Privatperson“

Nur kurz nach dem Umzug in die neue Wohnung fand der Besichtigungstermin für den Verkauf der alten Wohnung statt. Mein Däne war – im Gegensatz zu mir – überzeugt, dass sich schnell ein Käufer finden würde. Und er behielt natürlich recht. Die Wohnung wurde über die Warteliste der Genossenschaft sofort verkauft.

Damit fiel ein großer Punkt auf unserer To-Do-Liste weg. Wir machten die Wohnung endgültig übergabefertig und waren zwei volle Tage mit dem Umzug des kleinen, völlig zugestellten Kellerraumes beschäftigt. Als wir die Schlüssel endlich an den neuen Wohnungsbesitzer übergeben hatten, atmeten wir beide auf.

Ein weiterer Punkt auf meiner To-Do-Liste war ein Termin bei der Bank. Ich benötigte schnellstmöglich ein dänisches Konto, damit ich an meine Ersparnisse in Deutschland herankommen konnte. Schließlich hatte ich ja Vater Staat in Dänemark „versprochen“, mich selbst zu finanzieren und ihm nicht auf der Tasche zu liegen.

Ich bekam bei der Hausbank meines Dänen einen Termin für ein Beratungsgespräch. Der junge Berater stellte sich mit Brian vor und duzte mich, wie das in Dänemark üblich war. Auf dem Weg zur „Privatperson“ weiterlesen

Die weibliche Hand im Haushalt

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Nach den roten Sofakissen und kuscheligen Fleece-Decken folgten meinerseits weitere Eingriffe in den männlich-spartanischen, dänischen Haushalt.

Mit weiblichem Geschick bewegte ich meinen Dänen dazu, gemeinsam mit mir neue Bettwäsche zu kaufen, die trotz ihrer dezenten Farben eine willkommene Abwechslung zur bisher vorhandenen, natürlich weißen Bettwäsche darstellte.

Die neue Bettwäsche kauften wir in der IKEA um die Ecke. Da Frauen die IKEA generell niemals mit nur einer einzigen Ware verlassen würden, nahm ich bei dieser Gelegenheit noch mehrere Topfpflanzen, Dekorationen und selbstverständlich verschiedenartige Kerzen mit in unser neues Heim.

Die bisherigen Topfpflanzen nahm ich vertrauensvoll unter meine Obhut. Was diese auch bitter nötig hatten. Munter verteilte ich meine Dekorationen in der Wohnung. Mein Däne fand es sehr gemütlich und ließ mich gewähren.

Bei einem weiteren Streifzug durch die Innenstadt Lyngbys entdeckte ich ein nettes Haushaltswarengeschäft. Dort erstand ich Eierbecher und eine Erstausstattung an Tupperdosen. Dinge, die im Männerhaushalt meines Freundes bislang nicht existierten. Zu meinem großen Erstaunen, denn ein Haushalt ohne Tupperdosen ist kein Haushalt. Die weibliche Hand im Haushalt weiterlesen

Alles weiß und schwarz – der skandinavische Einrichtungsstil

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Ich gehöre nicht zu den glücklichen Frauen, die scheinbar mühelos und mit sicherem Händchen ihre Wohnung stilvoll und dekorativ einrichten. Was ich auch probiere, welche Möbel und Dekorationen ich auch kaufe und wieviel Zeit und Geld ich auch investiere: Niemals sieht es in den Räumen, in denen ICH lebe, aus wie bei „Schöner Wohnen“ oder „Living at home“. Auch wenn diese Einrichtungsmagazine Frauen wie mir vorgaukeln, dass dies möglich sei.

Mit der Begrenzung dieses Talentes habe ich leben gelernt, wie so viele andere Normalsterbliche auch. Es gibt schließlich wichtigeres im Leben als stilreine Wohnräume.

Bei meiner Auswanderung hatte ich meine 2-Zimmer-Wohnung in der alten Heimat fast unverändert zurückgelassen. Diese Wohnung war viele Jahre lang mein geliebtes, gemütliches Reich gewesen. Ich würde sie erst aufgeben, wenn ich festgestellt hatte, dass ich für ein Leben im hohen Norden geeignet war.

In meinen Augen hatte ich meine kleine Wohnung über die Jahre hinweg funktionell und hübsch eingerichtet. Bei den Möbel war meine Wahl auf „Buche furniert – mit Anthrazit-Elementen“ gefallen. Massivholz war rein preislich für die Wenigsten schon in den 20ern drin. Mein Futon-Bett war aus diskretem, matten Stahl. Mein Kleiderschrank hatte Spiegeltüren. Die Wohnzimmer-Schrankwand war abwechselnd mit thematisch zusammengehörigen Büchern und dekorativen Kerzenarrangements befüllt. Abgerundet wurde das Gesamtbild von einem riesigen, blitzeblauen Sofa, auf dem es sich herrlich fläzen ließ. Die  Teppiche waren je nach Bereich in blau, beige und hellgrau gehalten. Ich fühlte mich äußerst wohl in meinem kleinen Reich!

Als mein Däne mich zum ersten Mal besuchte, zeigte ich ihm voller Stolz meine Wohnung.

„Du hast es ja recht bunt“, war sein Kommentar. Nach ein paar Sekunden fügte er überrascht an: „Ui! Ein blaues Sofa!“ Alles weiß und schwarz – der skandinavische Einrichtungsstil weiterlesen

Anmeldung in der dänischen Sprachschule II

Schließlich fand ich den Eingang. Ich stieg die Treppen hinauf. In den Gängen der ersten Etagen roch es nach Krankenhaus. Ich runzelte die Stirn. HIER sollte ich Dänisch lernen? Zögernd ging ich weiter. Schließlich kam ich zu einer Etage mit dem Schild „Sprogcenter Hellerup“. Als ich das Sprogcenter betrat, wurde ich zuversichtlicher. Hier roch es nicht nach Krankenhaus. Von den Gängen zweigten Klassenräume ab, an den Wänden hingen Plakate, schwarze Bretter mit Zetteln und eine riesige Weltkarte. Auf den Gängen gingen geschäftig Menschen verschiedener Nationalitäten umher.

Zaghaft meldete ich mich im Sekretariat. Kurz darauf wurde ich von einer etwas streng aussehenden Lehrerin abgeholt und den Gang entlang geführt. Die Dame öffnete ein kleines Zimmer, und ließ mich eintreten. Wir setzten uns gemeinsam an einen Tisch. Die Lehrerin erklärte mir auf englisch, dass ich erst einen schriftlichen Test machen würde, woraufhin eine Unterhaltung auf dänisch folgte.

Der schriftliche Test bestand aus einigen Fragen zu mir, meinem Umfeld sowie zu meiner Wohnung. Die Lehrerin verließ den Raum. Eifrig schrieb ich los, hoch motiviert, mein selbst erlerntes Dänisch endlich an den Mann bringen zu können. Bzw. an die Frau in diesem Falle. Anmeldung in der dänischen Sprachschule II weiterlesen

Anmeldung in der dänischen Sprachschule I

Gleich in der ersten Woche meiner Ankunft hatte ich einen wichtigen Punkt auf meiner To-Do-Liste: Ich wollte mich bei einer dänischen Sprachschule anmelden.

Dazu musste ich bei meiner Kommune (Stadtverwaltung) zunächst die Genehmigung und Bestätigung der Kostenübernahme einholen. Ich nahm all meinen Mut zusammen und fragte in holprigem, ungeübtem Dänisch, wie die Vorgehensweise für die Aufnahme an einer Sprachschule war. Die wahnsinnig schnell gesprochene Antwort der Dame am anderen Ende der Leitung – ebenfalls auf Dänisch – ließ mich erkennen, dass die Sprachschule wohl bitter nötig war. Ich hatte nämlich kein einziges Wort verstanden! Seufzend wiederholte ich meine Frage auf Englisch und erhielt schließlich die Antwort auf meine Frage.

Die Kommune würde mir eine Bestätigung zuschicken und ich konnte mich parallel an einer beliebigen Sprachschule vorstellen. Bereits vor meiner Auswanderung hatte ich mich für das „Sprogcenter Hellerup“ entschieden. Diese Sprachschule lag in einem schicken Vorort von Kopenhagen, nur 5 Kilometer von Lyngby entfernt, und war von uns aus perfekt mit dem Bus zu erreichen.


http://www.sprogcenter-hellerup.de

Den Großteil der Kosten für die Sprachintegration eines lernwilligen Ausländers übernahm die Kommune, während der Sprachschüler pro Modul nur jeweils 500 Kronen aus eigener Tasche beisteuern musste.  Anmeldung in der dänischen Sprachschule I weiterlesen

Die ersten zarten Versuche eines Alltags

Der nächste Morgen war ein Montag. Unser gemeinsamer Alltag begann.

Sowohl mein Freund als auch ich mussten arbeiten. Der erste Home-Office-Schulungstag zwischen Kopenhagen und Mannheim war geplant. Der Internetzugang in der neuen Wohnung stand allerdings noch auf sehr wackeligen Füßen. Die Laptop-Anbindung funktionierte ebenfalls nur sporadisch. Meine Kollegin in Deutschland und ich kämpften uns mit unseren Telefonen tapfer durch den Tag. Das Arbeiten gestaltete sich an diesem Tag als äußert anstrengend. Sehr unbefriedigend. Nach dem geplanten halben Arbeitstag legten wir beide frustriert auf. Wie sollte das die nächste Zeit nur funktionieren? Die ersten zarten Versuche eines Alltags weiterlesen