Reaktionen

Erwartungsgemäß änderte der erste gemeinsame Urlaub nichts an meiner Entscheidung! Wir verbrachten 2 tolle Wochen zusammen und es dauerte nach einem fürchterlichen Abschied ein paar Tage, bis ich mich wieder gefangen hatte. Danach rappelte ich mich auf und machte meine Kündigung offiziell.

Mit meinem Chef handelte ich eine Halbtagsstelle bis zum Ende des Jahres aus. Per Home Office aus Kopenhagen sollte ich den oder die Nachfolger/in nach einer persönlichen Einarbeitung noch einige Monate begleiten und unterstützen.

Ich beschloss, die Auswanderung danach für eine Auszeit zu nutzen und mir einige Monate „Pause“ zu gönnen. Viel zu lange schon lebte ich mit Stress-Symptomen. Das erste Mal in meinem Leben würde ich ganz mein eigener Herr sein. Das wollte ich auskosten und ein Weilchen ohne täglichen Arbeits- und Leistungsdruck leben. Mal wieder den „Luxus“ der Langeweile verspüren.  Und das so lange, bis aus der Langeweile heraus neuer Elan und Energie entstand, sich in eine neue Herausforderung zu stürzen. Den Gedanken an diese Auszeit fand ich phantastisch.

Ich informierte meine Familie, Freunde und Kollegen über die geplante Auswanderung nach Kopenhagen. Die Reaktionen waren gemischt. Reaktionen weiterlesen

Was ist faul im Staate Dänemark?

Wenige Minuten nach meiner spontanen Kündigung rief ich meinen Freund an. Dieser hatte meine Entwicklungen und den Wettstreit zwischen meinen Kopf und Herz aus der Ferne natürlich sehr interessiert mitverfolgt. Er fand die generelle Bereitschaft, mein Heimatland zu verlassen, sehr bewundernswert. Ganz traute er der Sache aber nicht. Die Worte „Ich wandere aus“ kamen schließlich einfach über die Lippen. Die Umsetzung dagegen war eine große Sache. Er war sich daher nicht 100%ig sicher, ob ich wirklich genug Mut besaß und meinen Worten Taten folgen ließ. Oder ob ich nicht doch bald kalte Füße bekam. Was ist faul im Staate Dänemark? weiterlesen

Kündigung!

Noch 4 Wochen bis zur geplanten Kündigung!

Eines Morgens wachte ich auf und fühlte mich merkwürdig nervös. Ich war fahrig und zerstreut. Vor mir lag ein gewöhnlicher Arbeitstag, und es gab überhaupt keinen Grund, nervös zu sein.

Beim Frühstück brachte ich kaum einen Bissen hinunter. Ich machte mich fertig, fuhr zur Arbeit und wurde dabei immer nervöser. Mein Herz klopfte und meine Hände waren feucht.

Etwas verwundert über mich selbst begann ich, den an diesem Vormittag anstehenden Routinetermin mit meinem Chef vorzubereiten. Alle 2 Wochen hatte ich eine „Audienz“ bei ihm und präsentierte alle Statistiken und Werte, die er für die Vertriebssteuerung und für die Leitung der konzerneigenen Post- und Zustellfirma benötigte.

Die meisten Zahlen waren bereits erstellt. Ich musste sie lediglich nochmals checken und kurz meine Erklärungen sowie Analysen durchgehen. Die Zahlen verschwammen vor meinen Augen. Ich musste mich wirklich zusammenreißen, denn ich konnte mich kaum auf die Vorbereitungen konzentrieren.

Schließlich hatte ich es jedoch gerade noch rechtzeitig geschafft! Mit einem dicken Papierstapel unter dem Arm und einem Taschenrechner bewaffnet, machte ich mich pünktlich auf den Weg zum Büro meines Chefs. Kündigung! weiterlesen

Revolution

Ich würde kündigen.
Anfang Juli, d.h. in 4 Wochen, würde ich meinen Chef hierüber informieren. Damit wäre mein Arbeitsvertrag zum 30.9. beendet. Im Oktober konnte ich dann nach Kopenhagen umsiedeln und mit meinem Dänen leben.

Mein Bauch fühlte sich mit diesem Gedanken sehr wohl. Die 4 verbleibenden Monate erschienen mir viel zu lange.

Mein Kopf war von den Entwicklungen jedoch zunächst überfordert. Ich hatte eine ordentliche Portion Respekt davor zu kündigen, obwohl es sich so klar und richtig anfühlte. Revolution weiterlesen

Durchbruch

Wie ich gehofft hatte, kam ich meiner Entscheidung eines Tages ganz von alleine näher.

Mit meinen spannenden, neuen Visionen im Hinterkopf fühlte sich mein Leben und insbesondere mein Job mit jedem Tag weniger richtig an. Es fiel mir mittlerweile sehr schwer, einfach weiterzumachen wie bisher. Jeden Tag auf die Arbeit zu fahren. Ich war unglücklich. Die Abneigung gegen meinen Job wurde größer. Ich musste permanent dagegen ankämpfen. Der innere Druck wurde immens. Ich war überrascht von der Intensität dieser plötzlich aufgekommenen, negativen Gefühle. Und ich war ängstlich. Denn würde ich ihnen nachgeben, kamen große Veränderungen auf mich zu. 

An einem Wochenende in dieser Zeit besuchte ich meine Familie. Wir kamen auf meine Situation zu sprechen, und ich versuchte, meine plötzliche Abneigung gegen den Job zu erklären. In den Augen meiner Familie musste es natürlich so aussehen, als verblendete meine aktuelle Verliebtheit meine Sicht auf den bis dato eigentlich stets zufriedenstellenden Job beim Verlag. Denn nie hatte ich in diesem Ausmaß über den Job geklagt. Und plötzlich erklärte ich von jetzt auf nachher, dass sich alles falsch anfühlte. Das wirkte nach außen hin nicht gerade fundiert, geschweige denn vernünftig.

Meine Familie war dementsprechend überrascht und hatte natürlich die Sorge, ich würde eine übereilte und falsche Entscheidung treffen. Durchbruch weiterlesen

Lyngby See und Angeln in Helsingør

Unsere häufigsten Ausflüge ging an den See in Lyngby (Lyngby Sø). Wir spazierten 15 Minuten quer durch Lyngbys Wohnviertel und schon waren wir im Grünen. Im Sommer fährt hier ein kleines Schiff (Bådfarten), das zu verschiedenen Rundfahrten über den Lyngby Sø , Bagsværd Sø, Furesø und Vejlesø einlädt.

Am See gibt es ein kleines Kiosk und Bänke zum Sitzen, nebenan 2 Kanu-Clubs. Boote kann man auch mieten.

Lyngby-2007-04 016

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Die ich rief, die Geister, werd ich nun nicht los, Teil II

Johann Wolfgang v. Goethe, „Der Zauberlehrling“

Fortsetzung

Als EU-Bürger konnte man generell sehr einfach nach Dänemark einreisen, inklusive Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis. Man musste lediglich entweder einen festen Job in Dänemark nachweisen, oder alternativ finanzielle Mittel in einer bestimmten Höhe aufweisen. So zeigte man dem Staat, dass man sich mit seinen Ersparnissen auch ohne Job in Dänemark selbst finanzieren konnte und dem Staat nicht nutzlos auf der Tasche liegen würde. Und schon war man willkommen.

Bei der Einwanderung auf der Grundlage eigener Ersparnisse gab es 2 Beträge. Brachte man den geringeren Betrag auf, bekam man einen „bevis for registrering“ für 1 Jahr und musste danach erneut auf dem Amt erscheinen. Konnte man den höheren Betrag aufweisen, durfte man sich 5 Jahre in Dänemark aufhalten. Inklusive Arbeitserlaubnis. Und nach 5 Jahren im Lande, in denen man nicht ausgewiesen wurde, durfte man für immer bleiben. Die ich rief, die Geister, werd ich nun nicht los, Teil II weiterlesen