Durchbruch

Wie ich gehofft hatte, kam ich meiner Entscheidung eines Tages ganz von alleine näher.

Mit meinen spannenden, neuen Visionen im Hinterkopf fühlte sich mein Leben und insbesondere mein Job mit jedem Tag weniger richtig an. Es fiel mir mittlerweile sehr schwer, einfach weiterzumachen wie bisher. Jeden Tag auf die Arbeit zu fahren. Ich war unglücklich. Die Abneigung gegen meinen Job wurde größer. Ich musste permanent dagegen ankämpfen. Der innere Druck wurde immens. Ich war überrascht von der Intensität dieser plötzlich aufgekommenen, negativen Gefühle. Und ich war ängstlich. Denn würde ich ihnen nachgeben, kamen große Veränderungen auf mich zu. 

An einem Wochenende in dieser Zeit besuchte ich meine Familie. Wir kamen auf meine Situation zu sprechen, und ich versuchte, meine plötzliche Abneigung gegen den Job zu erklären. In den Augen meiner Familie musste es natürlich so aussehen, als verblendete meine aktuelle Verliebtheit meine Sicht auf den bis dato eigentlich stets zufriedenstellenden Job beim Verlag. Denn nie hatte ich in diesem Ausmaß über den Job geklagt. Und plötzlich erklärte ich von jetzt auf nachher, dass sich alles falsch anfühlte. Das wirkte nach außen hin nicht gerade fundiert, geschweige denn vernünftig.

Meine Familie war dementsprechend überrascht und hatte natürlich die Sorge, ich würde eine übereilte und falsche Entscheidung treffen.

Ich selbst war zu diesem Zeitpunkt zu emotional, um die unterschiedlichen Einflüsse voneinander trennen zu können. Logisch Argumentieren war auch nicht drin. Ich war ein Nervenbündel im Kampf zwischen den alten und neuen Einflüssen. 

Plötzlich brach ich vor meinem bestürzten Vater und seiner Lebensgefährtin in Tränen aus. Einmal damit begonnen, konnte ich mich kaum mehr beruhigen. Als der Gefühlsausbruch nach einer Weile langsam wieder abebbte, wusste ich auf einmal mit Klarheit:
Der Job musste weg! Ich war fertig mit meiner Arbeit beim Mannheimer Morgen.
Ich würde kündigen, zum nächstmöglichen Termin (30.9.). 

Meine Liebesbeziehung war nicht einmal die Ursache hierfür, auch wenn das auf den ersten Blick nach außen hin so aussah. Sie war nur der Auslöser. Auch wenn das zu diesem Zeitpunkt wenig überzeugend klang. Mit Hilfe meiner neuen Liebe hatte ich lediglich die Sackgasse erkannt, in der ich mich schon länger befand. Vorher hatte ich aus Bequemlichkeit und aus Angst vor den Konsequenzen meine Unzufriedenheit nicht weiter hinterfragt sondern meinen Kopf in den Sand gesteckt. 

Für mich stand fest: Ich würde schnellstmöglich kündigen!

Meine Familie war im ersten Augenblick verständlicherweise nicht begeistert. Dieser Ausbruch passte nicht zu meiner bisherigen Persönlichkeit. Und würde ich meine Worte wahr machen, käme es tatsächlich zu einer Auswanderung. 1000 Kilometer. Es geschah alles viel zu schnell.

Als ich jedoch an diesem Abend müde und ausgelaugt wieder in meine eigene Wohnung fuhr, fühlte ich mich besser. Klarer. Der Druck begann von mir abzufallen.

Ich konnte den Weg sehen und fühlen. Einladend lag er vor mir.
Ich musste nur den ersten Schritt gehen.

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