Dänische „Hygge“ und Kamin-Tuning

In der dänischen Sprache gibt es ein ganz besonderes Wort, das man nicht zu 100% ins Deutsche übersetzen kann. In diesem Wort steckt eine ganze Kultur. Ein Wahrzeichen dieses kleinen Landes.

Die „danske hygge“ – die dänische „Hygge“.

Das deutsche Wort, das die dänische „Hygge“ noch am Treffendsten beschreibt, ist „Gemütlichkeit“. Und doch umfasst das Wort „Gemütlichkeit“ nicht alle Facetten der dänischen „Hygge“.

„Hygge“ ist eine ganz besondere Atmosphäre in diesem Land. Etwas, was dieses Land ausmacht. Ein Zusammentreffen mit netten Menschen in einem gemütlichen heimischen Ambiente im dänischen Design, Dinner bei Kerzenlicht und mit gutem Rotwein, im Kamin prasselt ein gemütliches Feuer, draußen pfeift der Wind um die Backsteinmauern, es ist diesig, die Luft riecht frisch und salzig, Möwen kreisen am Himmel und rufen in die weite Dünenlandschaft hinaus und in der Ferne sind die unruhigen Wellen der rauen See zu hören.

DAS ist beispielsweise dänische „Hygge“ für mich. Für jemand anderen ist es vielleicht etwas ganz anderes. Aber es lebt in Dänemark.

Wer noch etwas mehr Einblick in die Facetten der dänischen Hygge haben möchte, dem kann ich ganz besonders diesen Blog hier empfehlen, den ich als ersten Blog in meine Blogsammlung aufnehme (siehe Blogroll rechts im Menü). Ein wunderbarer, sehr professioneller Blog mit sehr treffenden Impressionen über den Lifestyle in Dänemark.

http://www.amalielovesdenmark.com/

Jeder Dänemark-Liebhaber und jeder Einwohner des Landes kennt diese besondere „hyggelige“ Atmosphäre, die einfach zu diesem Land gehört.

Wir leben die dänische „Hygge“ so gut es geht auch in unserem geschäftigen Alltag. Nette Menschen haben wir um uns herum, das gemütliche Heim ebenfalls. Dinner bei Kerzenlicht ist auch nicht ganz ausgeschlossen und Rotwein kommt bei besonderen Gelegenheiten sowieso auf den Tisch. Der Wind pfeift auch jeden zweiten Tag um unsere Backsteinmauern und die Luft riecht frisch und salzig. Möwen hören wir oft am Himmel kreisen und ihre charakteristischen Rufe sind unverkennbar. Dünen haben wir hier nicht, aber dafür weite Felder. Die See liegt vielleicht etwas ferner als in meinem Bild der „Hygge“, 45 Minuten nördlich von uns. Dafür können wir aber mit einem Fjord aufwarten: dem Roskilde Fjord, der hier um die Ecke liegt.

Was fehlt noch zur perfekten, dänischen „Hygge“?

Richtig. Das prasselnde Kaminfeuer!

Wir haben vor einigen Jahren ein älteres Häuschen am Rande von Kopenhagen gekauft, was wir seitdem mit viel Liebe, wenig Zeit und großer Freude renovieren. Das Haus hatte einen alten, gemauerten, offenen Kamin. Im letzten Winter haben wir ihn erstmals in Betrieb genommen und uns über das offene Feuer im Haus gefreut.

Ein offener Kamin hat was. Es ist sehr beruhigend, in das offene Feuer zu schauen und dabei die Seele baumeln zu lassen. Aber eines fehlt zur dänischen „Hygge“: die wohlige Wärme. So ein offener Kamin ist eine kalte Angelegenheit. Man muss sich mit maximal 10  Zentimeter Abstand vor den Kamin setzen, um überhaupt Wärme zu verspüren. Der Raum an sich wird eher kälter als wärmer. Das Holz brennt weg wie Zunder und man muss ständig nachlegen.

Also haben wir vor einigen Monaten beschlossen, dass unser Haus auf seinem jetzigen Renovierungsniveau langsam auch reif für „Luxus-Projekte“ ist. Wir bestellten also bei einem renommierten Kamin- und Brennofen-Center in Roskilde ein „Kamin-Tuning“ für unseren alten Kamin.

In neueren Häusern baut man direkt einen Brennofen ein, denn der hat die beste Beheizungsfunktion. Auch diese Möglichkeit hatten wir kurz in Betracht gezogen, aber schnell wieder verworfen. Denn für den Brennofen hätten wir den Kamin in unserem Kaminzimmer komplett abreißen müssen, inklusive der säuberlich gemauerten Backsteinwand. Wir hätten die ursprüngliche Persönlichkeit der Räumlichkeiten komplett verändert und das wollten wir nicht.

Also haben wir uns für einen Kamineinsatz entschieden. Das ist eine Art kleiner Brennofen, genau in der Größe des offenen Kamins. Dieser Einsatz wird in den Kamin eingesetzt und schließt ihn komplett ab. In der professionellen Variante wird gleichzeitig ein Rohr vom Kamineinsatz durch den gemauerte Schornstein nach oben geführt, was den Beheizungseffekt weiter erhöht.

Wie sieht so etwas aus?

Unser Kamin vor und nach dem Tuning:

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Zugegebenermaßen war dies eine der teureren Investitionen in unser dänischen Häuschen.

Aber schon der erste Abend beweist ohne Umschweife, dass sich – zumindest für mich persönlich – die Investition bereits gelohnt hat und dass diese sich ab sofort Tag für Tag ein Stück amortisieren wird.

Ein „hyggeliges“ Feuer prasselt im getunten Kamin und verbreitet ein warmes, freundliches Licht im Kaminzimmer. Ich sitze auf der Couch mit meinem Mann und meinem Glas Rotwein. Ich habe KEINE 3 Pullis an. Und noch nicht mal eine Strumpfhose unter meiner Hose. Und siehe da: Ich friere trotzdem nicht. Ein Novum!!

Herbst, Winter und Frühjahr in Dänemark: Ich friere. 8 Monate lang. Und oft auch in unseren 4 Wänden. Denn unser Haus ist aus den 70ern, dänische Energieklasse D (A ist die beste, G oder H die schlechteste), mit riesigen weitläufigen Fensterpartien, in die wir uns bei der Besichtigung auf Anhieb verliebt haben.

Aber durch die Fenster entweicht die Wärme sehr schnell, und bei den derzeitigen Ölpreisen beheizen wir daher die weitläufigen, offenen Wohn- und Essbereiche nicht auf angenehme deutsche 22 Grad. Und wahrscheinlich nicht mal auf die dänischen 20 Grad Zimmertemperatur. Nein, wir halten uns warm, indem wir unseren Zwergen in erzieherischen Tätigkeiten hinterherrennen oder indem wir uns – nachdem die Zwerge abends ins Bett gehen und sich daraufhin Ruhe auf unser Häuschen senkt – in mehrere zusätzliche Kleidungsschichten einpacken.

Habe ich jedoch beispielsweise einen Home-Office-Tag, dann wickele ich mich an besonders kalten Tagen tatsächlich noch zusätzlich in eine Decke ein. Denn unbewegliches Sitzen am Schreibtisch über mehrere Stunden hinweg lässt meine Körpertemperatur derart absinken, dass meine Hände sowie meine Nase irgendwann eiskalt werden. Die Alternative hierzu ist jedoch, alle 3 Heizkörper auf Maximum zu stellen, um gegen die 10 Meter lange Fensterfront und gegen den rauen Wind anzukämpfen, der hier am Feldrand direkt an unserem Hause zerrt.

Was das kosten würde, muss ich keinem erzählen.

Es stellt daher für mich eine ganz neue Lebensqualität dar, trotz Temperaturen um den Gefrierpunkt in ganz gewöhnlicher Kleidung ruhig auf dem Sofa zu sitzen und mich dennoch durch und durch wohlig warm zu fühlen.

Jetzt ist meine dänische „Hygge“ tatsächlich perfekt!

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8 Kommentare zu “Dänische „Hygge“ und Kamin-Tuning”

  1. Aber Achtung!
    Mein Sohn hat ein Niedrig-Energiehaus und dadurch ist die Heizkassette sehr gut abgedichtet. Wenn beim Anfeuern die Zuluft nicht schnell genug nachkommt, fliegt die Kassette – respective der Glaseinsatz – in die Luft. Habe ich selbst erleben müssen und bin echt froh, dass niemand zu Schaden gekommen war – die Glassplitter waren wie Dolche und sind durch den gesamten Raum geflogen.

    Seitdem habe ich etwas Angst vor diesem Teil….

    1. Hallo Sigrid,
      das hört sich ja wirklich sehr erschreckend an.
      Wurde der Kamineinsatz im Zusammenhang mit dem Haus usw. nicht professionell abgenommen?
      Bei uns wurden diese ganzen Werte (wir haben kein Niedrigenergiehaus sondern ein älteres) und Raumquadratmeter und Leistung des Ofens alle einbezogen, darauf basierend die Empfehlung des Herstellers, welcher Ofen für unseren Bedarf geeignet ist usw.

      Und dann musste der Kamineinsatz noch vom Schornsteinfeger extra freigegeben werden, der Rußentwicklung, Abzug usw. auch alles checkte.

      Und wir wurden in die Befeuerung eingewiesen.
      Der Schornsteinfeger kam dann auch kurz drauf nochmal und zeigte uns, dass wir nicht ganz richtig feuern.

      Das ist ja lebensgefährlich, wenn so ein Ding in die Luft geht!

      Gut, dass nix passiert ist.

      LG
      Mary

      1. Liebe Mary,
        das Haus war gerade fertig gestellt worden und insofern war auch die Kassette geprüft worden, der gesamte Einbau wurde nur von Fachleuten vorgenommen. Es war uns schleierhaft, warum das dann passiert ist. Die Firma hat das Glas auf Kulanz erneuert, weil alles noch neu gewesen ist. Aber meine Schwiegertochter und ich, wir haben seitdem immer Angst, wenn der Kamin in Betrieb ist.

        Ich selbst habe ein uraltes Haus aus den Fünfzigern mit einem Kachelofen, hier gibt es keinen luftdichten Abschluss und insofern habe ich auch keine Probleme. Den ganzen Winter heize ich mit Holz dazu um Öl zu sparen. Darauf mag ich nicht mehr verzichten, es ist eine so mollige Wärme und im Bayerwald ist es im Winter wirklich sehr kalt.

        Aber im Moment haben wir schon sommerliche Temperaturen und jeden Tag strahlenden Sonnenschein.

        Liebe Grüße
        Sigrid

      2. Liebe Sigrid,
        das kann ich allerdings gut verstehen, dass Ihr Euch nicht mehr wirklich sicher fühlt – nach DEM Erlebnis. Konnte denn aber niemand von den Fachleuten sagen, was die Ursache hierfür war??
        Das ist mir ein Rätsel.

        Da lobe ich mir allerdings auch mein altes Häuschen mit den vielen Ritzen und der riesigen Fensterfront, durch die ständig etwas Wärme entweicht.

        Unser Maler sagte auch: Lieber so ein leicht undichtes Häuschen als die total abgeschotteten Kästen, die heutzutage gebaut werden. Auch so im Hinblick auf Schimmel usw.

        Wir sind auch super zufrieden mit unserem Kamin – der wärmt endlich so schön. Ich habe vorher wirklich richtig oft gefröstelt zuhause. Ein ganz neues Wohngefühl hatten wir diesen Winter. Und so kann ich auch die künftigen Winter in DK besser aushalten.

        Alles Gute
        Mary

  2. Hallo Mary!

    Jaja, die „dänische Hygge“ ist einfach nicht zu erklären!!
    Mein Mann und ich machen seit fast zehn Jahren zweimal im Jahr an der Westküste Urlaub und wenn wir gefragt werden, warum immer Dänemark und nicht mal ein anderes Land, kommentiere ich immer so: Man kann es nicht erklären, man muss es erleben!!!
    So wie wir in Flensburg über die Grenze fahren, ist automatisch Entspannung da, obwohl man nicht anders fährt, aber es ist was anderes. In Deutschland ist man immer gehetzt!!
    Die nächste Sache ist, wenn man im Supermarkt an der Kasse steht und 20 Leute vor einem sind, schreit niemand nach einer zweiten Kasse. Alles läuft total entspannt ab!!!
    Wo bitte gibt es dass in einem Supermarkt in Deutschland??
    Da wird schon bei vielleicht 5 Leuten mit vollem Wagen vor einem energisch nach einer zweiten Kasse gerufen.

    Viele, die Dänemark nicht kennen gucken dann immer total skeptisch 😃!!

    Man muss es erlebt haben, diese „dänische Hygge“!!!

    LG Martina

    1. Hallo Martina,
      ja, die dänische Hygge ist schwer in Worte zu fassen.
      Es ist eher ein Gefühl der Gemütlichkeit, Gelassenheit, gepaart mit der dänischen Mentalität. Zufriedenheit, wenig Sorge, alles wird irgendwie gut, egal wie.
      DK-Urlauber, Besucher und Einwohner erleben das regelmäßig hier oben.

      Wobei die Dänen schon auch extrem ungeduldig sein können. Das Beispiel mit der Kasse kann ich so nicht unterschreiben. Hier im Kopenhagener Umland rufen die Dänen auch sehr schnell nach einer zweiten Kasse. Der Ton ist auch schon etwas schnippisch, wobei ich als Deutsche den Ton ganz oft etwas ruppig finde (ich komme aber auch aus Hessen und finde die Norddeutschen sehr ruppig – ich glaube, der Ton im Norden ist generell etwas abgehackter, schneller, zackig halt).

      Lieben Gruß
      Mary

    1. Lieber André,
      Hygge ist ja für jeden etwas anders –
      aber für mich war Hygge seit jeher ein dänischen Sommerhaus mit Brennofen oder Kamin, in dem man sich nach einem langen Spaziergang an der rauen Nordsee aufwärmt 🙂
      So hat jeder seine eigene Hygge.
      Mary

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