Vorher – Nachher: 10 Eigenschaften einer Frau, die Mutter wurde – Teil II

Nach den ersten 5 Eigenschaften, die in meinem persönlichen “Mama-Bootcamp” der letzten Jahre nach und nach umgewandelt wurden, folgen hier die restlichen:

6. Das „weibliche Versorger-Gen“

VORHER:
Ich hatte keinen Spaß am Kochen und keine Lust, andere nahrungstechnisch zu verwöhnen. Generell fehlte mir das weibliche „Versorger“-Gen.

NACHHER:
Mit Hilfe der App „Chefkoch“ und einer kleinen privaten Facebook-Kochgruppe habe ich etwas mehr Freude am Kochen entwickelt. Das Koch-Gen ist jedoch nach wie vor sehr ausbaufähig.

In Bezug auf die Kinder setzt Gott sei Dank ganz generell ein offenbar Mutterinstinkt ein und übernimmt die Führung. Ich empfinde tiefste Zufriedenheit und Glück, wenn wir die Wildfänge nach einem ereignisreichen Tag abends fertigmachen, ins Bett bringen und den regelmäßig werdenden tiefen Atemzügen der beiden phantastischen Wesen lauschen. Dieses Gefühl kommt von ganz innen. Sind meine Kinder zufrieden, versorgt, umsorgt und glücklich, bin ich es auch 🙂

7. Planung & Kontrolle

VORHER:
Ich plante gerne im Voraus und wollte alles im Detail unter Kontrolle haben. Überraschungen waren nicht meins. Ich liebte Struktur und Vorhersehbarkeit.

NACHHER:
Eine meiner härtesten Übungen… Wer Kinder hat, und besonders ganz kleine, weiß: Planung, Vorhersehbarkeit und Struktur im Alltag werden zu Fremdworten. Das Chaos, das mit der Geburt des zweiten Kindes über mich hereinbrach, schockierte mich. Erst allmählich gelang mir so etwas wie Improvisation und Flexibilität. Mit viel, viel Übung und innerem Kampf wurde aus mir eine mittelmäßig flexible, immer noch äußerst strukturliebende, gelassenere und improvisierende Mama.

8. Schmerztoleranz & Kontrollverlust

VORHER:
Ich hasste unkontrollierbare Schmerzen! Meine Schmerztoleranzgrenze war äußerst niedrig. Eine natürliche Geburt war für mich schon immer unvorstellbar.

NACHHER:
Da die schmerzfreie Geburt leider noch nicht erfunden ist, musste ich mich – wie alle Frauen – dem Dilemma wohl oder übel stellen. Ich wählte für mich persönlich nach langem Nachdenken und Abwägen eine kontrolliertere Geburtsvariante, den geplanten Kaiserschnitt. Diese Geburtsform ist natürlich ebenfalls schmerzhaft. Aus meiner Sicht erlebt man die Schmerzen jedoch in einer kontrollierteren Form, womit ich persönlich besser umgehen kann. Und nein, mir fehlt kein schönes Geburtserlebnis, denn ich hatte zwei 🙂

9. Erziehungsurlaub – Austritt aus dem Arbeitsleben

VORHER:
Ich konnte mir nicht vorstellen, pro Kind zwischen 2 und 3 Jahren vollkommen aus dem Arbeitsleben auszutreten oder und nur stundenweise zu arbeiten.

NACHHER:
Das Schicksal scheint an dieser Stelle vorbeugend eingegriffen zu haben und entführte mich bereits vor meiner Kinderplanung nach Dänemark.
Ich war mit beiden Kinder jeweils ungefähr ein Jahr zuhause. Beim ersten Baby genoss ich dies auch sehr, denn nach vielen Jahren am Arbeitsmarkt war mir eine Abwechslung von der Arbeitswelt äußerst willkommen. Die letzten beiden Monate reduzierte sich mein „Genuss“ jedoch merklich. Ich wurde unausgeglichen, gereizt. Die Rückkehr zum Arbeitsplatz erfolgte für mich genau zum richtigen Zeitpunkt.

Als ich nur 10 Monate später den nächsten Mutterschutz antrat, war ich milde gesagt wenig begeistert. Natürlich wollten wir ein zweites Kind. Es war allerdings etwas schneller gegangen als erwartet. Mir gefiel nämlich das Leben als arbeitende Mama, die inspirierende Kombination aus Zeit mit Erwachsenen und Zeit mit einem kleinen Menschen, mit der Familie zuhause. Wieder komplett zuhause zu sein, ohne tägliche Struktur und Ansprache von Erwachsenen, behagte mir ganz und gar nicht. Ich kämpfte mich mehr schlecht als recht durch den zweiten Erziehungsurlaub, der sich aufgrund mangelndem Enthusiasmus´ meinerseits wie Kaugummi in die Länge zog. Die letzten beiden Monate begann darüberhinaus mein kleiner quirliger Sohn sich massiv mit mir zu langweilen. Er wollte Action, Programm, andere kleine Unruhegeister um sich herum. Sowohl Mama als auch Sohn waren in dieser Zeit mehr als unausgeglichen und zählten innerlich die Tage bis zur großen Umstellung. Schließlich kam der große Tag und Sohnemann durfte endlich in die Kita, in die wir jeden Morgen auch seine „große“ Schwester ablieferten. Nur wenige Tage später war Sohnemann wieder in glänzender Laune. Kurz darauf ging auch Mama wieder arbeiten und die Stimmung in der Familie pendelte sich wieder gut ein.

Im Nachhinein weiß ich: Zwei oder drei Babyjahre pro Kind wären für mich persönlich nicht machbar gewesen. Diese Aussage treffen in Dänemark fast alle Frauen, ohne Vorbehalte und mit voller Selbstverständlichkeit. Sie sind es seit Jahrzehnten so gewohnt. Ich finde mich hier in Skandinavien also in einer breiten Masse mit ähnlich eingestellten Frauen wieder.

10. Emanzipation & Haushalt & Kinderbetreuung

VORHER:
Ich hatte keinerlei Interesse daran, jahrzehntelang den Löwenanteil an Haushalt und Kinderbetreuung zu übernehmen.

NACHHER:
Ich habe das Glück, an einen (dänischen) Mann geraten zu sein, der dank der eigenen Kindheit bereits verinnerlicht hat, dass frau ebenfalls arbeitet, die Hälfte des Haushaltseinkommens beisteuert und somit auch nur einen Teil der häuslichen Pflichten übernehmen kann. Es ist für ihn somit eine Selbstverständlichkeit, Haushalt und Kinderbetreuung zur Hälfte mitzutragen.

**************

Nachdem also alle 10 Eigenschaften mehr oder weniger ans Mutter-Dasein angepasst wurden, stellt sich zum Abschluss eine drängende Frage. Andere Mütter, die bereits mit älteren Kindern gesegnet sind, können mir diese vielleicht beantworten.

Bleiben diese mühsam erkämpften Errungenschaften bestehen? Oder wird sich die hohe Belastbarkeit in den nächsten Jahren wieder heimlich aus dem Staub machen, wenn die Kinder mehr und mehr eigene Wege gehen, wenn sie mit jedem Jahr selbständiger werden, nicht mehr trotzig oder panisch in voller Lautstärke von einer Sekunde auf die nächste losbrüllen, wenn sie zu kleinen Menschen heranwachsen, mit denen man verbal Dinge ausdiskutieren kann, wenn sie wochenlang die ganze Nacht durchschlafen und tagsüber für ein paar Stunden zu Freunden verschwinden, so dass man plötzlich ganz allein im Haus ist, ohne Lärm und der Notwendigkeit, Essen zu kochen?

Ich wünsche mir jedenfalls, dass einige der Errungenschaften noch ein Weilchen anhalten, auch wenn ich mittlerweile (fast) wieder in meiner komfortablen, gemütlichen und sicheren Komfortzone angelangt bin.

Gelassene Grüße aus dem hohen Norden,

Mary

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