Julefrokost? Mit dem Schiff von Kopenhagen nach Oslo und zurück…

Die Dänen feiern Weihnachten bereits wochenlang, bevor das Ereignis Weihnachten überhaupt eingetreten ist – mit ihrem berüchtigten „Julefrokost„. Diese Weihnachtsfeiern, die u.a. mit den Firmenkollegen, mit der Familie oder in diversen Freundeskreisen stattfinden, sind meist feucht-fröhlich und gerne etwas ungezügelt.

Die dänischen Arbeitgeber lassen sich beim Julefrokost alles andere als lumpen und stellen mit geeigneten Etablissements (und Budgets) sicher, dass das Fest ein richtiges Fest wird. Beide dänische Firmen, in denen ich bisher gearbeitet habe, buchten meist schicke Restaurants und interessante Locations für das große Event. Ich war jedes Jahr von Neuem beeindruckt, wieviel an dieser Stelle für die Personalpflege getan wird, kam ich doch in Deutschland aus einem Unternehmen, in dem eine Weihnachtsfeier für die gesamte Mitarbeiterschaft gar nicht existierte.

Doch dieses Jahr durfte ich einen Julefrokost erleben, der selbst das mir bisher bekannte dänische Niveau in den Schatten stellte: Die kleine Firma, in der mein Mann seit einem halben Jahr arbeitet, lud zum „Julefrokost“ Ende November 2015 alle Mitarbeiter zu einem Mini-Cruise von Kopenhagen nach Oslo ein. Inklusive Partner!

DAS war etwas ganz Neues für mich! Nach einigen organisatorischen und logistischen Herausforderungen hatten wir schließlich die Kinder gut untergebracht und saßen  an einem trüben Freitag gegen 15 Uhr mit etwa 25 anderen Personen in einem Bus, auf dem Weg von der Firma in Brøndby nach Nordhavn in Kopenhagen, dem Hafen der Schiffsgesellschaft DFDS Seaways.

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Um 16 Uhr waren wir auf dem Schiff eingecheckt, um 16.30 Uhr legte das „Oslo Båd“ auch schon ab.

 

Quelle: DFDS Seaways

Wir bezogen unsere Kajüte, eine minikleine Kabine, wie das auf Schiffen eben so ist,  die aber Gott sei Dank ein Fenster hatte, was bei mir gegen klaustrophobische Anwandlungen und Anflüge von Seekrankheit hilft.

Die Dämmerung in Kopenhagen war weit fortgeschritten, als das Schiff gegen 16.30 Uhr ablegte. Es wehte eine steife Brise, aber das brachte mich bestimmt nicht vom Deck herunter. Ich LIEBE einfach dieses raue Klima, den heftigen Wind und die Meerluft, die mir um die Nase weht. Und für den eisigen Wind gibt es schließlich passende Kleidung 🙂 (die mein Däne – mir völlig unbegreiflich – „vergessen“ hatte…)

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Nachdem es auch mir auf dem Deck zu wild wurde, gingen wir in unsere Kabine und zogen uns für die offizielle Weihnachtsfeier um. Diese fand in geschlossener Gesellschaft in einem Gourmet-Restaurant des Schiffes statt! Die Firma hatte ein edles 4-Gänge-Menü gebucht. Das Essen war sehr exlusiv und mir in der Zusammensetzung vollkommen unbekannt. Eine interessante Geschmacksexplosion 🙂

Zu diesem Zeitpunkt wurde es draußen bereits sehr stürmisch. Von den etw 25 festlich gekleideten Menschen saßen plötzlich vier mit leicht grünlichen Gesichtern und offenbar verknoteten Mägen vor ihren Vorspeisetellern und brachten keinen Bissen herunter. Wie ärgerlich angesichts der herrlichen Speisen. Zum Hauptgericht mussten drei Personen das Handtuch werfen und sich seekrank aufs Zimmer verziehen, für den Rest des Abends…

Wir anderen genossen das leckere Essen und die dazu passenden Weine. Das Schiff schaukelte gewaltig! Ich saß dem Meer zugewandt vor einer großen Fensterfront, draußen tiefschwarze Dunkelheit und sah zu, wie sich das Restaurant heftig auf und ab bewegte. Der Wein dämpfte meine Ängstlichkeit, die andernfalls bei diesem Seegang sicherlich aufgekommen wäre!

Nach Mitternacht verließen wir schließlich die Feier und wackelten zu unserer Kabine – drei Schritte nach links, zwei nach rechts, drei wieder nach links, vier nach rechts – und am Wackeln war nicht unbedingt der Wein schuld. Das Schiff ist mit 11-12 Decks ein Labyrinth für Menschen wie mich, die noch nie auf einer Kreuzfahrt waren. Wir fanden unser „Zimmer“ jedoch irgendwann und versuchten dann, in all dem Auf und Ab einzuschlafen.

Am Morgen sah die Welt schon wieder anders aus. Als wir aufwachten, befanden wir uns in ruhigerem Gewässer, nur zwei Stunden von Oslo entfernt. Wir frühstückten mit Blick in die Dämmerung, aufs Meer und auf Norwegen. Wenig später zog es mich wieder aufs Deck!

Mein Däne fror erbärmlich und ich fragte mich insgeheim, wer von uns zweien eigentlich schon zu Lebzeiten im kalten Skandinavien lebte…). Es ging jedoch kein Weg daran vorbei: Die dargebotene Aussicht musste man einfach auf dem Deck genießen. Kälte und Wind hin oder her.

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Wer Lust hatte, konnte die herrliche Aussicht auch in einem Whirlpool auf sich wirken lassen… Auf dem Spa-Deck gab es gleich zwei davon! Ich habe mal diesen hier fotografiert, kann aber verlauten lassen, dass sich im Whirlpool nebendran tatsächlich ein paar Herren befanden, bepackt mit Sixpacks, sowohl am Körper (=Bierbäuche) und in der Hand…

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Etwa um 10 Uhr erreichten wir Oslo.

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In Oslo hat man bei diesem Wochenend-Cruise mit dem Oslo-Båd etwa 6 Stunden Aufenthalt.

Da die Firma meines Dänen diese kleine Kreuzfahrt offenbar schon mehrmals gebucht hat, kannten die meisten Beteiligten Oslo bereits wie ihre Hosentasche. Daher hielten wir uns (zu unserem persönlichen Leidwesen) nicht länger mit der norwegischen Hauptstadt auf sondern wurden mit einem Bus aufs norwegische Land kutschiert.

Das Ziel war Hadeland Glassverk, etwa 1,5 Stunden von Oslo entfernt. Wir nahmen an einer Führung in der Glaserei teil und bestaunten die Kunstwerke aus Glas, jedes davon ein Einzelstück und handgefertigt. Und jedes norwegisch teuer!

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Die Fahrt durch Norwegen war herrlich – und das war gut so, denn wir brachten insgesamt drei Stunden im Bus zu!

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Lieber hätte ich in den verfügbaren sechs Stunden in Norwegen natürlich Oslo gesehen. Ich will mich jedoch nicht beschweren, die Fahrt durch Norwegen war auch sehr gemütlich. Wir hatten vor dem Einchecken dann auch noch eine knappe Stunde Gelegenheit, uns in Oslo aufzuhalten. Diese nutzten mein Däne und ich ganz alleine und in aller Ruhe. Wir schlenderten am Hafen entlang zum Schiff zurück und schlugen ein paar Umwege ein.

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Während unseres Aufenthaltes in Norwegen schien sogar die Sonne und tauchte alles in ein warmes Licht. Die Temperaturen und der Wind waren allerdings alles andere als warm. Typisch Skandinavien…

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Um 16 Uhr checkten wir wieder auf unser Schiff ein und genossen den letzten Ausblick auf die „Oslo Skyline“ von unserem „Bullauge“ aus.

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Schon legten wir wieder ab mit Kurs auf die Heimat.

Am zweiten Abend aßen wir im Schiffrestaurant „7 Seas“ und genossen ein leckeres, traditionelles Julefrokost-Buffet! An diesem Abend steuerte das Schiff in die Schlecht-Wetter-Front hinein, die draußen auf dem Meer bereits auf uns wartete. Die Anzahl der Seekranken in unserer Gruppe erhöhte sich leicht, und sie wäre wahrscheinlich exlodiert, wäre da nicht die Schiffs-Rezeption gewesen, die an alle Risikopatienten gratis Pillen gegen die Seekrankheit verteilte.

Mein Mann und ich hatten Gott sei Dank keine Probleme. Ich wurde lediglich einmal kurz von heftiger Übelkeit überfallen, als ich mit knurrendem Magen im Duty-Free-Shop stand und versuchte, das Kleingedruckte auf ein paar potentiellen Mitbringseln zu lesen. Ich verließ den Laden zügig und ging an Deck, um frische Luft zu schnappen.

Der Besuch an Deck dauerte exakt fünf Minuten. Aufgrund der heftigen Windböen stellte es sich als vollkommen unmöglich dar, sich dort aufzuhalten. Mit aller Kraft mussten wir uns an der Reling festhalten, auch im Windschatten. Der Wind raubte uns außerdem den Atem, wenn wir nicht mit dem Rücken zu ihm standen. Ein wahnsinniges Erlebnis, inmitten der Naturgewalten zu stehen und das wilde Wetter hautnah zu spüren!!

Aus Sicherheitsgründen und da uns langsam die Kräfte verließen, gingen wir schließlich ins schützende Innere zurück. Die Übelkeit war wie weggeblasen und wir konnten den Abend und das  leckere Buffet genießen.

Das Schiff schaukelte heftig. Die norwegische Kellnerin jonglierte geschickt mit Tellern und Gläsern und beruhigte uns, dass dieser Seegang noch relativ harmlos sei. Ich wagte mir gar nicht auszumalen, wie das Ganze in einem richtigen Sturm aussah…  Mir reichte schon dieses Wetter. Geradeauslaufen war vollkommen unmöglich. Es war mir ohnehin ein Rätsel, dass im Restaurant so gut wie keine Unfälle beim Hin und Zurück zum Buffet geschahen.

Das Schlafen bei diesem Seegang war dann auch wieder eine Wissenschaft für sich, so dass wir am nächsten Morgen gegen 10 Uhr etwas müde wieder in Kopenhagen anlegen, froh darüber, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben. Der Seegang verfolgte uns alle natürlich den gesamten restlichen Tag. Das Gehirn scherte sich offenbar nicht darum, dass die Füße längst wieder auf festem Boden standen.

Kopenhagen erwartete uns stürmisch und mit eiskaltem Platzregen. Gegen Abend zog dann endgültig ein vorhergesagter Sturm über Dänemark – mit vollen Programm, gesperrten Brücken, Stillstand des gesamten öffentlichen Verkehrs im Land und mit geschlossenen Flughäfen! Gut, dass wir zu diesem Zeitpunkt längst wieder in unserem Häuschen waren – denn das Oslo-Båd hatte trotz Sturm abgelegt 🙂 Das liegt bei Stürmen offenbar auf offener See sicherer als im Hafen, weil es sich dort geschickter gegen den Wind positionieren kann… Gut, dass ich diese Theorie nicht am eigenen Leib ausprobieren musste.

Julefrokost 2015 auf dem Oslo-Båd – mal ein ganz anderes und absolut phantastisches Erlebnis!! Sehr empfehlenswert für alle, die das raue Gesicht von Skandinavien nicht scheuen!

 

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10 Kommentare zu “Julefrokost? Mit dem Schiff von Kopenhagen nach Oslo und zurück…”

  1. Seit unserem letzten Urlaub in Dänemark lese ich voller Begeisterung deinen Block! Ich bin durch Zufall darauf gestoßen. Ich beneide dich, wir lieben Dänemark und haben schon oft vom auswandern dorthin geträumt. Aber die Sprache schreckt uns ab und auch sonst gab es bisher den ein oder anderen Grund, der uns davon abhielt und hält.
    Schade, dass du nicht mehr so oft neue Geschichten in deinem Block schreibst.
    Leider hast du auch eine lange Zeit übersprungen. Deine Berichte lesen sich so toll! Ich war richtig enttäuscht, als es plötzlich Jahre später weiterging.
    Ich freue mich schon auf deine nächsten Beiträge!
    Ganz liebe Grüße aus dem schmuddeligen Berlin!

    1. Liebe Katrin,
      danke für das Lob!
      Ja, ich würde gerne mehr schreiben, aber mit Vollzeitjob, 2 kl. Kindern, Haus, Garten und Ehemann ist die Zeit stets knapp.
      Ich schreibe ja nun auch ein Buch über Dänemark – so langsam sollte ich mich mal klonen 🙂

      Kann sein, dass ich nach dem Buchprojekt als nächstes Buch die Auswandergeschichte angehe und diese dann auch endlich weiterschreibe.

      Es ist ja schon ein hohes Interesse dran, also vielleicht schreib ich das mal irgendwann und veröffentliche es. Aber eins nach dem anderen.

      Ganz liebe Grüße nach Berlin.

      Mary

      1. Hallo Mary,

        ich muss auch sagen, dein Blog ist wirklich toll!
        Deine Auswandergeschichte würde auch mich wirklich reizen. Ich überlege nämlich auch auszuwandern. Zwar nicht nach Dänemark (auch wenn es ein tolles Land ist), aber ich würde mir gerne eine der vielen, tollen Mallorca Immobilien kaufen 🙂
        Du hast bestimmt auch einige allgemeine Tipps, über die man sich sonst nicht so die Gedanken macht.
        Ich würde mich freuen, sie einmal zu lesen 🙂

        Liebe Grüße
        Marina

      2. Liebe Marina,
        ja, wer weiß, vielleicht schreibe ich eines Tages daran weiter.
        Ich müsste sie aber nochmal von vorne so richtig umkrempeln, denn mein Erzählstil hat sich dank meinem Dänemark-Buch sehr verändert. Je mehr man schreibt, je besser wird man, und wenn ich die ersten Einträge meiner Auswanderergeschichte lese bzw. auch den Erzählstil, da fällt mir nun auf: Könnte man alles viel besser und frischer machen.
        Nun ja, mal schauen… Ideen habe ich viele, es fehlt nur an der Zeit 🙂
        LG und alles Gute für Deine Pläne
        Mary

  2. Wenn es Dir auf dem Schiff gefällt:
    Das Schönste was man mit der Fähre machen kann ist Helsinki-Stockholm. Jaja ist nicht Dänemark,und jaja erst mal nach Helsinki kommen, aber vielleicht erwischt Ihr beide mal ein tolles Angebot, das Euch diese Fahrt ermöglicht. Aber nicht im Winter, sondern im Sommer, denn das Schöne und Beeindruckende ist die langsame Fahrt dieser Riesenfähren durch die Schären.

    Liebe Grüße
    von

    Karin aus Frankfurt

    1. Danke, liebe Karin,
      Du wirst lachen, aber meine Cousine (die mit einem Finnen verheiratet ist) hat mir dieselbe Route empfohlen.
      Ja, das schreib ich mir gleich mal hinter die Ohren. Das würde mich auch reizen.
      LG
      Mary

    2. Dem kann ich nur zustimmen. Hsven wir vor 2 Jahren im Juni gemacht – einfach nur genial. Toll ist auch Stockholm – Turku. Da ist der Schärengurtel nixh ausgeprägter.

      1. Hallo Coco Nossi,
        die Tour Schweden-Finnland habe ich auch schon empfohlen bekommen. Das machen wir eines Tages vielleicht auch noch einmal.
        LG Mary

  3. Herrlich und erfrischend zu lesen….danke schön.
    Sicherlich wie ich diesen Trip auch machen, aber sicher nicht in dieser kalten Jahreszeit. Aber sicherlich beeindruckend und wunderschön, was die Fotos bereits Versprechen.

    Interessant wäre vielleicht auch einmal über diese feudale Jule-Frokost zu berichten. Es hat ja deiner Beschreibung nach alle vorherigen Veranstaltungen überboten.
    Dann darf ich mal gespannt sein.
    Liebe Grüße 😉

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