Was deutsche Zoo-Verantwortliche zum Thema sagen…

In Dänemark haben sich die Gemüter nach den umstrittenen Maßnahmen des Kopenhagener Zoos im Löwengehege wieder beruhigt. Die Einschläferung der Löwen hatte offenbar ohnehin in Deutschland zu weit mehr Aufregung  geführt als hierzulande.

Mir war in all dem Medientrubel schon bei der Aktion „Giraffe“ – und nachfolgend auch bei den Löwen – aufgefallen, dass sich die Medien in ihrer Berichterstattung fast ausschließlich auf die Vorgänge in Kopenhagenen stürzten.

Die Regularien des europäischen Zooverbandes wurden wieder und wieder geschildert, aber nirgendwo konnte ich im Anschluss daran die doch eigentlich ganz offensichtliche Frage lesen:

Wie wird das in Deutschland gehandhabt? Die Zoos dort gehören schließlich demselben Verband an wie der in Kopenhagen.  Wie stehen die Zoo-Verantwortlichen in Deutschland zu den Tötungen?

An dieser Front war es etwas still. Der Großteil der Medien konzentrierte sich auf den „Skandal in Dänemark“. Die meisten Medien schienen sich diese sehr spannende Frage gar nicht erst zu stellen.  

Als mir die Antwort auf diese Fragen trotz zweitem Medienspektakel immer noch verwehrt blieb, begab ich mich selbst auf die Suche.

Wie stehen die Zoos in Deutschland eigentlich zu der Tötung von Tieren aus Platz- und/oder Zuchtgründen? 

Es dauerte eine Weile, bis ich inmitten all der Sensationsschlagzeilen den ersten Artikel mit der Aussage eines deutschen Zoo-Direktors fand.

Auf Welt.de äußerte der Direktor des Frankfurter Zoos, Manfred Niekisch, seine Ansichten. Der Direktor erklärte lapidar, dass es in Frankfurt so etwas nicht gäbe. Junge Giraffen würden an andere Zoos weitergegeben.

Klingt grundsätzlich gut! Wäre dies jedoch tatsächlich so einfach, hätten auch die mehrfachen Versuche des Kopenhagener Zoos, für die junge Giraffe einen Platz in einem anderen europäischen Tierpark zu finden, von Erfolg gekrönt sein müssen. Es hatte jedoch kein Zoo Platz für eine Giraffe gehabt, mit der aus genetischen Gründen eine Zucht nicht möglich war. Wieso sollte das bei Frankfurter Giraffen mit einer ähnlichen Genproblematik anders sein?

Zum Artikel auf Welt.de

Ein dünner Artikel, der einige Antworten offen ließ.

Bei der Frankfurter Rundschau fand ich einen Artikel mit mehr Tiefgang. Der Artikel beginnt ebenfalls mit der bereits bekannten Information, dass Frankfurter Giraffen einfach an andere Tierparks in Europa weitergegeben würden.  Dass das für den Zoo in Kopenhagen gerade nicht so einfach war, wissen wir schon. Der Journalist scheint diese Unstimmigkeit jedoch nicht zu entdecken und steigt an dieser Stelle leider nicht tiefer ein.

Der Frankfurter Zoo-Direktor erklärt der Rundschau, dass in seinem Zoo kontrolliert gezüchtet wird. Die Giraffenzucht wurde aus Platzgründen „verlangsamt“. Das heißt wohl, dass der Zoo mit Geburtenkontrolle arbeitet.

Doch auch diese Vorgehensweise ist sehr umstritten. Manche Zoo-Verantwortliche halten die Geburtenkontrolle in europäischen Zoos zur Lösung des Übervölkerungsproblems  für die schlechtere Lösungsvariante im Vergleich zur Einführung einer „künstlichen Sterberate“.  Die künstliche Sterberate sei die tierfreundlichere der beiden vorhandenen Möglichkeiten. (Quelle: FAZ.net, Aussage des Frankfurter Zoo-Kurators Thomas Willms).

Klingt paradox,  finde ich.

Thomas Willms und der stellvertretende Direktor des Nürnberger Tiergartens, Helmut Mägdefrau, liefern ihre Argumente für diese Behauptung:

Geschlechtertrennung sei sehr belastend für Tiere in sozialen Verbänden. Und sowohl Empfängnisverhütung als auch die Geschlechtertrennung nähmen den Tieren die Möglichkeit des Familienlebens. Der Mensch greife auf diese Weise in ihr gesamtes Dasein ein. Darüber hinaus könne Verhütung – besonders bei Bären und Großkatzen – auch zu zeitweiliger oder dauerhafter Unfruchtbarkeit führen. Dies gefährde die weitere Erhaltung der Tierart. Also würden Zoos oftmals die künstliche Sterberate vorziehen.

Den Bericht der FAZ würde ich nochmal genauer unter die Lupe nehmen müssen.

Jedoch erst nochmal zurück zum Artikel der Frankfurter Rundschau. Der Bericht endet mit einer interessanten Information. Eine Giraffe würde den Frankfurter Löwen nicht zum Fraße vorgeworfen werden.

Die Löwen in Frankfurt bekämen Pferde!

Und zur Abwechslung mal ein Huhn oder Kaninchen. Rinder seien zu teuer. Die Tiere wurden vom Zoo bestellt.

Pferde!
Sind Pferde weniger wert als Giraffen?
Und haben sie keine Namen?
Werden sie nicht auch von Kindern angeschaut und gestreichelt?

Irgendwie bleibt ein schaler Nachgeschmack zurück.

Zum Artikel auf FR-Online

Ich wechselte nochmal auf FAZ.net und las den Artikel von A-Z, in dem ich die ersten Befürworter der Maßnahmen des Kopenhagen-Zoo entdeckt hatte. Die FAZ scheut sich scheinbar nicht, Stimmen deutscher Zoo-Verantwortlicher zu Wort kommen zu lassen, die die Tötung der Giraffe und der Löwe für vollkommen in Ordnung hielten.

Neben den bereits oben angeführten Informationen zu den Nachteilen der Geburtenkontrolle in Tierparks informiert der Frankfurter Zoo-Kurator Thomas Willms, dass das deutsche Tierschutzgesetz in Deutschland eine Tötung der Tiere zur Artenerhaltung nicht erlaube. „Leider“, fügt er hinzu.

In Deutschland dürfen Tiere nur getötet werden, wenn sie krank sind oder anschließend verfüttert werden.

Der Zoologe und stellvertretende Direktor des Nürnberger Tiergartens, Helmut Mägdefrau, unterstützt die Vorgehensweise des Zoos in Kopenhagen. Seiner Ansicht nach war die Tötung der Giraffe und der Löwen unter den vorliegenden Bedingungen die einzige mögliche Lösung. Er spricht klare Worte: „Wir müssen bereits sein, überzählige Tiere zu töten.“ (Quelle: FAZ.net). Auch wenn die Entscheidung nicht leicht sei. Eine öffentliche Obduktion sei in Anbetracht des Bildungsauftrages der Zoos ebenfalls angebracht.

Zum Artikel auf FAZ.net

Diese Stimmen von anderen Zoo-Verantwortlichen deuten an, dass die „künstliche Sterberate“ offenbar nicht nur im Kopenhagener Zoo praktiziert wird.

Wenn auch Dänemark in diesen Tagen als besonders rabiates Land verschrien ist: Die Gesinnung der Zoo-Welt Deutschlands scheint nicht viel anders zu sein.

In Magdeburg  waren 2008 drei Tigerbabys eingeschläfert worden, ebenfalls aus Zuchtgründen. Der Direktor des Zoos und 3 weitere Zoo-Verantwortliche mussten sich für die Tötung vor Gericht verantworten. Der Richter zeigte durchaus Verständnis für die Regularien und Argumente des Europäischen Erhaltungszuchtprogrammes (EEP) und sprach den Angeklagten eine Verwarnung aus (Quelle: FAZ.net).

Wie ein Verantwortlicher des Zoos in Kopenhagen vor einigen Tagen in einem Radio-Interview andeutete: Auch wenn der deutsche Tierschutzbund die Zoos in Deutschland im Auge hat – ein Zoo, der ein Tier beseitigen möchte, wird im Rahmen seiner rechtlichen Möglichkeiten wohl auch immer einen gangbaren Weg finden.

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Lies auch:
Von Giraffen, Löwen und dem Zoo in Kopenhagen
(Teil 1 – die Giraffe)

Von Giraffen, Löwen und dem Zoo in Kopenhagen
(Teil 2 – die Löwen)

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