Von Giraffen, Löwen und dem Zoo in Kopenhagen (Teil 1 – die Giraffe)

Das Image des Kopenhagener Zoos steht in diesen Wochen unter keinem guten Stern. Negative Berichterstattungen in aller Welt, Hasstiraden in den sozialen Medien und sogar Morddrohungen standen auf dem Plan.

Die Intensität dieses Medienspektakels ist vom Zoo selbstverschuldet, wie ich meine.

Mit einer sehr unsensiblen Vorgehensweise bei der Umsetzung einer an sich fundiert begründeten Maßnahme im Bereich der Zoo-Tierhaltung hat der Zoo in Kopenhagen Anfang Februar die negative Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich gezogen. Ein Fehler, der seinem Image sehr geschadet hat, und der – wie man aktuell sieht – auch nicht so einfach wieder zu beheben ist.

Die Tötung von Tieren ist und bleibt ein emotionales Thema. Dies gilt natürlich eher für  „hübsch anzusehende“ Tiere wie beispielsweise Giraffen und Löwen. Die tägliche Tötung von Nutztieren wie Rindern, Schweinen, Hühnern usw. erzeugt in der breiten Bevölkerung eher wenig Emotionen.

Nutztiere werden erzeugt, gehalten und schließlich auch getötet, um uns Menschen mit Nahrung zu versorgen.
Zootiere werden erzeugt, gehalten und bei Notwendigkeit auch getötet, um die zahlreichen Zoobesucher – groß und klein – zu erfreuen.

Der Mensch macht sich diese Tiere zunutze – ob Nutztier oder Zootier – und muss daher auch für eine kontrollierte und rechtmäßige Tierhaltung sorgen.

Die Tiere in europäischen Zoos werden von einer zentralen Instanz, dem europäischen Zooverband (EAZA – European Association of Zoos and Aquaria), erfasst und ihre Gene in einem Zuchtbuch festgehalten. Sinn und Zweck ist die Erhaltung eines gesunden Bestandes und die Vermeidung von Inzucht mit den entsprechenden Folgen. Denn auch wenn es in Europa sehr viele Zoos gibt, ist die Zufuhr neuer Gene in den Kreis der Zootiere logischerweise beschränkt. Zoo ist schließlich nicht Natur, wo sich derartige Problemstellungen ganz von alleine regeln. Und dies oft auch auf rabiate Weise.

Die allseits bekannte Giraffe „Marius“ hatte leider Gene, die im europäischen Zooverband übermäßig vorhanden waren. Marius durfte somit nicht weiter für die Zucht eingesetzt werden. Eine Abgabe an einen Zoo außerhalb der Vereinigung ist laut den Richtlinien nicht erlaubt. Und die Giraffengehege platzen bei den europäischen Zoos scheinbar aus allen Nähten, so dass es für Marius innerhalb der Vereinigung trotz mehrfacher Vermittlungsversuche keinen Platz gab. Da es in seinem eigenen Gehege im Zoo in Kopenhagen bereits die ersten Konflikte mit seinem Erzeuger gab, musste gehandelt werden.

Diese Handlung an sich ist also in der europäischen Zoo-Welt keine ungewöhnliche Sache. Die Tötung der Giraffe fand auf einer fundierten Grundlage statt und es gab gemäß der europäischen Richtlinien in diesem Bereich keine andere Möglichkeit für den Kopenhagener Zoo.

Ich selbst hatte den Medienrummel zunächst mit gemischten Gefühlen verfolgt. Die breite Bevölkerung – mich eingeschlossen – kennt sich zuwenig in der Materie aus und ist verständlicherweise erst mal empört. Da Tötung stets ein emotionales Thema darstellt und die Menschen dieses Thema auch im Bereich der Nahrungsmittelproduktion am allerliebsten verdrängen, und nicht daran erinnert werden wollen, dass täglich Tiere für uns Menschen sterben, war mein erster Impuls auch:
„Die spinnen, die Dänen!“

Nach dem ersten emotionalem Impuls begann ich jedoch, mich etwas tiefer in die Materie einzulesen. Meinungen gedeihen schließlich auf der Grundlage von Wissen ein wenig besser als auf reinen Emotionen.

Die europäischen Zooverbands-Regelungen leuchteten mir nach etwas Recherche durchaus ein. Ich bin ohnehin kein Fan von Zoos. Aber wenn wir Menschen Zoos betreiben möchten, dann sind die notwendigen Richtlinien und damit einhergehende, unangenehme „Nebeneffekte“ wohl nicht ganz vermeidbar!

Ich kreide dem Zoo daher die Tötung der Giraffe an sich nicht an!

Jedoch kreide ich dem Zoo definitiv die Art und Weise an, wie mit dieser Maßnahme PR-technisch umgegangen wurde!

War es wirklich notwendig, die Tötungsaktion inklusive Obduktion und nachfolgende Verfütterung vor Publikum durchzuführen?
Im Vorfeld Zoobesucher extra dazu einzuzuladen, der Obduktion von Marius beizuwohnen – unter einem wissenschaftlichen Aspekt?
Und musste es sein, dass auch kleine Kinder im Publikum zugelassen wurden?

Dem Zoo hätte klar sein müssen, dass er sich auf diese Weise keine Freunde in der Öffentlichkeit schafft…. die Vorgehensweise mutet nahezu provokativ an. Oder vielleicht auch nur naiv?

Der Kopenhagener Zoo hat jedenfalls weltweit seinem eigenen Image geschadet. Doch nicht nur das Image des Zoos hat gelitten. Auch das Touristen-Land Dänemark wurde in Mitleidenschaft gezogen und geriet auf diese Weise massiv ins Kreuzfeuer der Kritik!

Das negative Medienspektakel klang glücklicherweise nach wenigen Tagen genauso schnell wieder ab, wie es aufgekommen war.

Bleibt zu hoffen, dass der Zoo aus seiner ungeschickten Vorgehensweise gelernt hat.

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Fortsetzung: Die 4 Löwen
https://4nordlichter.com/2014/03/27/von-giraffen-lowen-und-dem-zoo-in-kopenhagen-teil-2-die-lowen/

Und noch ein guter Link zum Thema von der taz, den ich sehr treffend fand:
http://www.taz.de/!132755/

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