Gedanken einer Mutter zum Kranksein

Neulich blieb ich an einem Status-Update auf Facebook hängen.

Jemand schrieb: „Liege leider mal wieder krank zuhause im Bett. Habe Halsschmerzen. BÄH!“
Oder so ähnlich.
Derartige Updates fallen mir öfter mal auf. In den sozialen Medien schmücken die Menschen gerne mit blumigen Worten und Bildern aus, wie herrlich ihr Leben ist. Oder sie klagen alternativ mit mitleidserregenden Formulierungen ihrem nahen und weiteren Umfeld ihr Leid. Genauer ausgedrückt: ihre Erkältungskrankheiten.

Halsschmerzen also. Wer hat die gerade nicht, so mein erster Gedanke.

Unter dem Status-Update tummeln sich schon viele Kommentare. 13 an der Zahl. Interessiert klicke ich sie an.

„Oh NEIN! Du Ärmste…“
„Bleib ja im Bett.“
„Gute Besserung“ war gleich mehrmals vertreten und
„Lass Dich schön pflegen“ war natürlich auch dabei.

Zum Abschluss verkündete die Kranke von ihrem Krankenbett, dass sie die Halsschmerzen mit Eis lindert und sonst nicht mehr tun kann als im Bett zu liegen und sich auszuruhen. „Seufz“

Mein Blick schweift in die Ferne ab. Ich beginne zu träumen.


Halsschmerzen. Ausruhen. Ein Eis. Mein Bett. Eine warme Decke, hochgezogen bis zur Nase. RUHE.

Ich seufze ebenfalls und versuche, den angenehmen Tagtraum wieder abzuschütteln.

Unsere Realität sieht anders aus. Bin ich krank, sind es meine zwei kleinen Bazillenverteiler mit Sicherheit auch. Nur selten waren wir Eltern bisher die Übeltäter beim Einschleppen typischer Erkältungskrankheiten in unsere Familienfestung.

Bei uns läutet in der Regel einer der beiden Zwerge eine dieser sehr unbeliebten Krankheitsphasen ein, und zwar gerne mit ein bis zwei heftigen Fiebernächten, die uns jeglichen Schlaf rauben. Zu diesem Zeitpunkt sind wir stets noch frohen Mutes und hoffen ganz optimistisch, dass es sich nur um eine kleine Eintagsfliege handelt. Dass einerseits der betroffene Zwerg schnell wieder genesen und dass andererseits der Kelch an den restlichen drei Familienmitgliedern vorübergehen wird. 

Im Regelfall wird diese Hoffnung spätestens 2 Tage später durch Zwerg Nr. 2 zerstört, der plötzlich ähnliche Symptome aufweist. Da sich die Nächte von Zwerg Nr. 1 längst noch nicht wieder erholt haben, verdoppelt sich die Anzahl des nächtlichen Aufstehens der Eltern und steuert langsam aber sicher auf einen Höhepunkt zu. Oder auch Tiefpunkt, je nach Betrachtungsweise.

Am Morgen sitzen die Eltern mit dunklen Rändern unter den Augen tapfer am Frühstückstisch und versuchen, trotz bleierner Müdigkeit kreative Lösungen für die Kinderbetreuung am jeweiligen Tag zu entwickeln. Die Krankendienste zuhause werden so gut es geht gerecht aufgeteilt. Hierbei wird versucht, besondere Herausforderungen im Job zu berücksichtigen. Gewählt wird jeweils das geringste Übel. Nach mehreren Krankheitstagen am Stück wird dies aber zu einem herausfordernden Puzzle-Spiel, da natürlich mit jedem Tag das Übel bei beiden Jobs wieder ein gutes Stückchen größer wird.

Gott sei Dank kann bei uns seit Neuestem hin und wieder auch auf die pensionierte Schwiegermutter gesetzt werden, die 10 Monate lang ihre neugewonnene Freizeit wie eine Löwin verteidigt hatte, die sich derzeit jedoch scheinbar nach und nach wieder entspannt.

Nach 4-5 Nächten mit zahlreichen Unterbrechungen sowie den zugehörigen Tagesbelastungen sind dann auch die Eltern soweit: Die Viren haben im erschöpften Körper leichtes Spiel und setzen ihren Siegeszug daher nun auch bei den Erwachsenen fort. Das erste Halskratzen beginnt. Dank Schlafmangel und Müdigkeit breitet sich die eigentlich harmlose Erkältung in Windeseile auch im erwachsenen Körper aus.

Nicht, dass dies irgendeinen Unterschied machen würde: Es ist weiterhin 24 Stunden Bereitschaftsdienst und Einsatz bei der Zwergenbetreuung angesagt. Ab diesem Zeitpunkt eben mit Halsschmerzen, dickem Kopf und Schnupfen im Gepäck.

Wie verlockend an dieser Stelle der Gedanke an ein warmes Bett, an einen Tee mit Zitrone und an stundenlangen geruhsamen Schlaf!

Wir trösten uns tapfer damit, dass wir uns damit nur noch ein klein wenig gedulden müssen. Noch ein paar Jahre durchhalten…und dann!

Bis dahin improvisieren wir einfach. Das Auskurieren findet mit Hilfe von Pillen und Nasenspray im Büro statt. Ein paar ruhige Stunden vor einem schweigenden Computer, idealerweise mit netten, wenig jammernden Kollegen wirken wahre Wunder.

Nach einer knappen Woche sind die Kinder soweit wieder auf dem Damm. Die unausgeglichene, gelangweilte Laune der Kleinen ist noch stark verbesserungswürdig, aber das erste Licht am dunklen Horizont ist sichtbar.

Und wieder einmal haben wir überlebt!

Gedankenverloren blicke ich wieder auf meinen Computer und Facebook. Zwischenzeitlich sind noch zwei weitere Facebook-Halsweh-Kommentare hinzugekommen.

Mich juckt es in den Fingern. Ich denke kurz nach und tippe ein paar Worte ins Kommentarfeld. Stirnrunzelnd schaue ich auf die Buchstaben.

„Ach wie schön – ich will auch!“, lese ich. Hm. Ich grübele etwas. 

Schließlich lösche ich mein Geschreibsel wieder. Nach 15 mitleidigen Kommentaren ist meiner wohl nicht ganz passend…

Ich schließe Facebook und entscheide mich, zu schweigen.

Es hat mich ja schließlich niemand dazu gezwungen, Mutter zu werden 🙂

Beitragsbild: Quelle http://www.fieber.de

Mit diesem Blog-Post nehme ich an meiner ersten Blogparade teil:
http://www.top-elternblogs.de/blog_parade/kinderkrankheiten_immunsystem/
Das Thema: „Sind die Kinder erst mal krank…. erwischt es die Großen über kurz oder lang“!

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2 Kommentare zu “Gedanken einer Mutter zum Kranksein”

  1. Ohhh jaaa, das kommt mir alles sehr bekannt vor, besonders dein Durchhalte-Motto „nur noch ein paar Jahre…“ 😉
    Es beginnt im Herbst und endet irgendwann im Frühjahr – das chronische Erkältetsein dank der lieben Kleinen, die stets für neuen Virennachschub sorgen. Komischerweise fühle ich mich gerade richtig gesund, obwohl kein Tag vergeht, an dem ich nicht angehustet und angeniest werde. Möglicherweise hat sich mein Immunsystem nach 7-jähriger Dauerbelastung doch noch angepasst?! Zumindest habe ich nichts an meiner Lebensweise verändert.
    Ich drücke dir jedenfalls die Daumen, dass sich auch dein Immunsystem zur eisernen Bastion gegen die Bazillenflut verwandeln wird! Ansonsten musst du dich wohl wieder zwecks „Erholung“ ins Büro verziehen (du hast Recht: im Vergleich zur Kinderpflege kommt mir die Arbeit auch erholsam vor).
    Lieben Dank jedenfalls für deine Teilnahme an der Blogparade und auch weiterhin viel Spaß beim Schreiben!
    LG Anne!!!

    1. Hallo Anne,
      ich bin gespannt, was Du noch für weitere Paraden auf die Beine stellst. Muss mal wieder reinschauen, ob neue Beiträge reingekommen sind.
      Ja, ich hoffe auch, dass sich das Immunsystem irgendwann an die ganz andere Belastung und die Bazilleninvasion gewöhnen wird. Bei mir ist es jetzt der 3. Winter, in dem ich ein Kind in einer Kita/Kiga habe und ich finde, es war ein ganz klein wenig besser. Aber noch SEHR verbesserungswürdig.
      Wir setzen jetzt auf den April!!! Frühling!!!
      LG
      Mary

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