Lasse und die Zeichensprache

Für Kindermund-Geschichten muss ein Kind eigentlich schon sprechen können, dachte ich immer. Während Liva mit 3,5 Jahren also schon so langsam das ein oder andere High-Light präsentiert, müssen wir bei Lasse wohl noch etwas warten.

Er beginnt jetzt aber mit seinen ersten Worten. Vorgetragen von seinem übermäßig lauten Sprechorgan, das mich schon in Babyzeiten teilweise in den Wahnsinn getrieben hat. Dieser Bub ist wirklich unser Herzchen, ein kleiner Charmeur ohnegleichen, dessen strahlende Augen einem direkt ins Herz gehen. Aber er ist wild. Und laut.

Derzeit ruft er täglich cirka 200 Mal MAAAAAAAMA (und 30 mal PAPA). Oft sitzt er direkt neben mir und brüllt „MAAAAAAAAMA“ – in einer Lautstärke, als wäre ich im Wald um die nächste Biegung verschwunden. Dabei vergisst er, dass sich mein Ohr nur 5 cm Luftlinie neben seinem Sprechorgan befindet und nach seinem Ruf klingelt.

Ich bin aufgrund der permanenten direkten Ansprache etwas hektisch und nervös zur Zeit. Wenn man täglich bis zu 200 Mal dringend gerufen wird, um etwas zu sehen, zu hören oder zu tun, dann hat man das Gefühl, viel zu tun zu haben.

Lasse übt fleißig „fugl“ (Vogel), „miau“ (kennt jeder), „ble“ (Windel), „SE“ (guck!!) und natürlich das in dem Alter obligatorische „NEJ“ (Nein) sowie „JO“ (DOCH). Auch das Wort „ja“ befindet sich in seinem Repertoire, aber es findet derzeit eher selten Anwendung.

Über die Worte hinaus kann Lasse aber schon länger „sprechen“. Ich habe mit beiden Kindern just for fun die Babyzeichensprache angewandt. Mit Liva war ich im Babyjahr in einem entsprechenden Kurs, und wir haben ihr ab dem 8. Lebensmonat fleißig Zeichen für Essen, Trinken, Windel wechseln, Müde, Schlafen, Schuhe, Hosen, Pulli, Bäume, Mehr, Wasser, und so weiter und so fort vorgeführt.

6 Monate später hatte sich unsere ausdauernde Geduld ausgezahlt und sie begann mit den ersten Zeichen. Das war praktisch.

Bei Lasse hatte ich im Babyjahr keinen Nerv für irgendwelche Kurse. Und auch keine Lust darauf, 6 Monate einem mich ratlos anstarrenden Baby irgendwelche Zeichen zu geben, und dann doch keine Antwort darauf zu erhalten.

Als jedoch Lasse knapp 1 Jahr alt war, fielen mir urplötzlich die Babyzeichen wieder ein. Ich zeigte ihm die wichtigsten, und – siehe da – er wandte sie sofort an. Mit riesigem Vergnügen. Lasse hatte und hat großen Spaß an der Kommunikation über die Zeichensprache und er ist ein Naturtalent.

Viele Zeichen sind nur dazu da, um uns etwas zu „erzählen“, z.B. den Vogel, die Katze, den Hund, das Auto, das er gerade gesehen hat, usw. – aber manche Zeichen kann man im Alltag mit Kleinkind wirklich gut gebrauchen. Lasse kann uns schon lange sagen, dass er etwas trinken möchte, dass er müde ist, dass er gerne Schuhe anziehen möchte, dass er Hunger hat usw.

Auch sehr praktisch ist diese Art der Kommunikation, wenn er etwas in die Windel gedrückt hat, das er gerne entfernt haben möchte. Normalerweise kann man das selbst vernehmen (igitt), aber es gibt Zeiten, in denen kann man das nicht (Schnupfen) und dann ist es doch überaus praktisch, dass uns der Zwerg das vermitteln kann. Er mag nämlich nicht mit voller Windel herumlaufen.

Seit neuestem beginnt er dieses Thema mit dem unmissverständlichen Wort „PUH“ und wedelt hektisch mit seiner kleinen Hand vor seiner Nase herum, die er dabei angewidert rümpft. Danach klopft er sich auf den Popo und ruft laut „BLE“ (dän. für Windel), steht auf und guckt uns erwartungsvoll an. Er wartet, bis einer von uns aufsteht und fragt, ob er was in die Windel gemacht hat. Daraufhin macht er das Zeichen für „Windel wechseln“ (das geht so:)

(Wieso zum Teufel steht da eigentlich Katze auf dem Bild, das ist doch ganz falsch 🙂 ).

Dabei dampft er schon mal ab in Richtung Wickeltisch, wo die Reinigungsaktion seinen Lauf nimmt.

Wiegesagt, äußerst praktisch, und der kleine Knopf ist stolz darauf, mit uns so präzise schon kommunizieren zu können. Da es bei uns oft etwas chaotisch und lautstark zugeht, ist es schließlich auch sehr wichtig, schnell und kurz sein Bedürfnis äußern zu können, da es sonst neben der wilden großen Schwester oft auch mal unterginge oder sich die Erfüllung deutlich verzögern würde.

Neulich kaufte mein Mann einen dänischen Käse. Zum dänischen Käse muss man wissen, dass dieser oft sehr stark ist. Mit starkem Geschmack. Und insbesondere auch mit starkem Geruch. Einen dänischen Käse kann man nicht nur in eine Folie einpacken, und diese gut mit einem IKEA-Gefrier-Clip verschließen. Man sollte ihn auch nicht einfach offen in eine Tupperdose legen, so wie ich das mit meinem Käse in Deutschland oft tat. Am besten, man legt dänischen Käse in 2 Folien mit IKEA-Clip UND in eine Tupperbox. Dann hat man eine Chance, dass der Kühlschrank weiterhin einigermaßen neutral riecht.

Eines Morgens sitzen wir gemütlich beim Frühstück, die Kinder und ich essen Brötchen mit Butter und je nach Belieben Honig oder Marmelade. Es ist Dienstag, also kein Nutella-Tag.

Mein Mann steht auf und holt eine riesige Tupperbox aus dem Kühlschrank. Er öffnet den Deckel…. und…

Lasse guckt ihn nach einigen Sekunden mit offenen Augen an, schnuppert ein bisschen und steht urplötzlich von seinem Stuhl auf.

Sagt „PUH“ und wedelt mit beiden Händchen eifrig vor der Nase herum. Klopft auf den Popo, sagt „Ble“ und macht das Zeichen für Windeln wechseln. Und verschwindet direkt aus dem Zimmer.

Der Papa sucht ihn, findet ihn neben dem Wickeltisch, und bringt ihn zurück. Er versucht ihm, zu erklären, dass nicht ER an diesem üblen Geruch schuld ist.

Sondern der Käse.

Und Lasse hat ja durchaus recht. Die beiden Gerüche können durchaus miteinander verwechselt werden, auch wenn wir diesen Vergleich so nie gezogen und in Worte gefasst hätten 🙂 Betrunkene und kleine Kinder sagen eben die Wahrheit 🙂

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4 Kommentare zu “Lasse und die Zeichensprache”

  1. Ein freundliches Hallo aus Schleswig-Holstein,.
    ich lese so gerne Blog-Beiträge über Babyzeichen, denn ich habe meinem Sohn auch lange Zeit Babyzeichen gezeigt.
    Noch immer bin ich mit dem Thema verbunden, obwohl Ben schon ein Schulkind ist. Meine Idee gebe ich nämlich auf meiner Webseite http://www.sprechende-haende.de weiter. Jetzt ist auch ein Adventskalender online http://www.kindergebaerden.de .

    Schau doch mal vorbei.

    Übrings: Auf dem foto wird Katze gebärdet.

    LG
    Birgit

    1. Hi Birgit,
      ja das ist ein spannendes Thema 🙂
      Ich habe für das Windelwechseln kein besseres Bild gefunden, und die Katze ist ziemlich dicht dran 🙂
      Aber manchmal werden die Zeichen werden sowieso etwas abgewandelt, wenn das Kind sie anders ausführt oder sich das in einer Familie so einbürgert.
      In manchen Büchern sind die Zeichen auch ein bisschen unterschiedlich. In der Kita machen sie z.B. „Mehr“ ganz anders als wir zuhause.
      LG maritta

  2. Hallo nochmal,
    ich weiß nicht genau, wie ich unsere Gebärden hier einordnen kann.
    Die Dame, bei der wir den Kurs hatten, hatte ihre Schulungen in USA erhalten – babysigns.
    Aber schon das englische Babysign-Buch meiner Bekannten, die mich in den Kurs mitschleppte, hatte ein paar Abweichungen dazu,
    Ich habe mir dann das rausgesucht, was ich am einfachsten und stimmigsten fand.
    Und unsere Kita macht wieder ein bisschen was anders.

    Ich denke schon, dass es in einigen Kitas gemacht wird – aber unsere ist da schon was Besonderes und in vielen Dingen etwas weiter als die anderen.
    Aber ich glaube, es kommt immer mehr, da in Dänemark ja so gut wie alle Kinder mit 1 Jahr in der Kita sind und die Zeichen helfen im Kita-Alltag ungemein.

    LG
    Maritta.

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